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Wesel
Bergsenkung beunruhigt Büdericher

Wesel. Die Überflutungen von Münster nähren Sorgen im Polderdorf. Fragen nach Verursacherhaftung sind offen. Von Fritz Schubert

Bei den heftigen Unwettern der jüngsten Zeit ist die Region um Wesel noch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Der Starkregen, der unlängst Münster unter Wasser setzte, lässt vielerorts besonders aufhorchen. Wenn solche Ereignisse häufiger vorkommen, und dann auch noch in dieser Stärke, dann ist flächendeckende Vorsicht angesagt. So denken unter anderem Menschen in Büderich, die sich wegen Bergsenkungen besonders betroffen fühlen. Denn der Ort ist über die Jahrzehnte deutlich abgesackt, liegt mittlerweile in einer regelrechten Mulde. Der Badewannen-Effekt könnte im Zusammenspiel mit unterdimensionierten Kanälen oder technischen Unzulänglichkeiten zu einem Fiasko führen, das die Situation vom legendären Hochwasser 1926 deutlich übertrifft.

Die Sorgen der Büdericher beruhen auf Erfahrungen vom Sommer 2005. Damals hatten sintflutartige Niederschläge gezeigt, wo der wegen seiner enormen Breite im Gelände kaum wahrnehmbare Trichter seine tiefsten Stellen hat: Rund um die Grundschule stand das Wasser teils knietief auf den Straßen. Ein Dutzend Anwohner wandte sich an die Politik, war aber mit Antworten damals nicht zufrieden.

Es gibt Karten des Salzbergwerks (damals Solvay, heute Esco) zu den Senkungen. So lag das Niveau schon im Jahr 2000 an der tiefsten Stelle 2,25 Meter tiefer. Prognostiziert wurden weitere Senkungen von zwei bis drei Zentimeter pro Jahr, so dass aktuell rund 2,70 Meter erreicht sein dürften. Als "Endsenkung bei Bodenruhe" hatte das Unternehmen 3,50 Meter angegeben.

Die Erfahrungen von 2005 sowie die Münsteraner Ereignisse von 2014 weiter vor Augen, fragen Anwohner auch nach den Kapazitäten des Kanals und danach, ob etwa wegen der Senkungen schon Gegengefälle eingetreten ist. Beim Büdericher Rohrsystem handelt es sich um einen Mischwasserkanal. Das heißt, dass die darin gesammelten Mengen per Düker-Leitungen unterm Rhein durch zur Weseler Kläranlage geleitet werden. Für absolute Notsituationen bei extremen Niederschlägen soll es die Möglichkeiten geben, Wasser in den Rhein leiten zu können. An mutmaßlichen Pumpleistungen scheiden sich die Geister.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte die CDU Büdericher Sorgen aufgegriffen und Fragen an die Verwaltung weitergeleitet. Unter anderem wurde die neue B 58-Umgehung als weiteres Abflusshindernis angesehen und nach der Haftung für Schäden gefragt, die ohne Bergsenkungen nicht entstanden wären.

Die CDU fand heraus, dass unterdessen seit Inbetriebnahme eines weiteren Dükers trotz Starkregens keine weiteren Probleme mehr aufgetreten seien. Das Abwasserbeseitigungskonzept werde alle sechs Jahre aktualisiert, ein ordnungsgemäßer Abfluss auch mit Blick auf Bergsenkungen durch hydrodynamische Gutachten nachgewiesen.

Anwohner meinen, die CDU habe das Problem nicht erkannt. Denn die Schwachstelle im System liege - von der Grundschule aus gesehen - nicht hinter, sondern vor der Pumpstation. Vorschläge aus Büderich für technische Verbesserungen (Rückhaltebecken etc.) sowie Fragen nach der Schadensregulierung und nach dem Bergrecht liegen mittlerweile auf dem Schreibtisch von Wesels Kämmerer Paul-Georg Fritz, weil er für das Beteiligungscontrolling zuständig ist - in diesem Fall für das der Tochter Stadtwerke. Das Thema sei "in Bearbeitung" sagt Fritz. Demnach sei die Solvay-Tochter Cavity für die früheren Aktivitäten der Mutter in Regulierungsfragen anzugehen, für neue Bergbaugebiete die Esco. "Es ist nichts Akutes bekannt, was aber nicht heißt, dass man nicht mit einzelnen Unternehmen im Gespräch bleiben oder ins Gespräch kommen sollte. Auch vorbeugend."

Quelle: RP
 
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