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Schermbeck
Besonderer Gottesdienst in Gahlen

Schermbeck: Besonderer Gottesdienst in Gahlen
Das Gahlener Pastorat, das im 18. und 19. Jahrhundert ein geistiger Ausstrahlungsort war, wurde vor 250 Jahren an der Stelle eines abgebrannten Vorläuferbaus errichtet. FOTO: HS
Schermbeck. Vor 250 Jahren wurde das Pastorat der Gemeinde übergeben. Drei Jahre vorher war ein Feuer ausgebrochen. Von Helmut Scheffler

Die Kirchengemeinde Gahlen feiert an diesem Sonntag einen besonderen Geburtstag. Vor 250 Jahren wurde das Pastorat am Widemweg 70 der Gemeinde übergeben. Drei Jahre vorher war der Vorgängerbau durch ein Feuer vernichtet worden.

Pastor Christian Hilbricht freut sich auf viele Gäste, die sich um 10.45 Uhr am Pastorat treffen, um einen Gottesdienst zu feiern. Bei schlechtem Wetter wird der Gottesdienst in die Dorfkirche verlegt. "Bitte lassen Sie uns auch an Ihren Erinnerungen an Begebenheiten rund ums Pfarrheim teilhaben", sagt Pfarrer Hilbricht, der die Gäste ermuntert, von Erinnerungen während der Feier zu berichten. Wer bereits im Vorfeld etwas mitteilen möchte, kann sich im Gemeindebüro (Telefon: 02853 4043) oder bei Pfarrer Hilbricht (02853 912209; pfarrer.christian.hilbricht@kirche-gahlen.de) melden.

Am 18. Dezember 1986 wurde das Pastorat als Denkmal Nummer 11 in die gemeindliche Baudenkmalliste eingetragen. Am 15. August 1986 hatte das Rheinische Amt für Denkmalpflege darum gebeten. "Das Gebäude ist bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Gahlen", schrieb Denkmalpflegerin Ilse Friedrich und ergänzte: "Seine Erhaltung liegt aus wissenschaftlichen, besonders bau- und ortsgeschichtlichen sowie städtebaulichen Gründen, im öffentlichen Interesse." Über den Vorläuferbau des heutigen Pastorates in der Gemarkung Gahlen, Flur 9, Flurstück 418, ist bislang nichts bekannt. In einer Sammlung der Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Dinslaken wird von einem Brand im Jahre 1763 berichtet. Im Jahre 1765 wurde mit dem Zimmermeister Wienford aus Polsum bei Marl ein Vertrag für einen Neubau abgeschlossen. Bereits ein Jahr später wurde das neue Pastorat fertiggestellt. Ein zweistöckiges Gebäude aus Fachwerk mit verputzten Backsteinfüllungen war entstanden. Die Linde vor dem Haus wurde als Naturdenkmal Nummer 16 in den 2004 erschienenen Landschaftsplan Schermbeck aufgenommen. 1992 hatte der Kreis Wesel das Alter mit 250 Jahren angegeben, was die Bauzeit des Pastorats stützen würde.

Im 18. und 19. Jahrhundert war das Gahlener Pfarrhaus zu einem geistigen Ausstrahlungsort geworden. Der mit dem Pfarrer Johann Heinrich Bernhard Natorp verwandte Oberkonsistorialrat Johann Julius Hecker, ein Duzfreund von Friedrich II., kam häufig zu Besuch. Hecker begründete die praxisorientierte Realschule. Zum Freundeskreis der Pfarrersfamilie Natorp gehörten unter anderem der Prediger Gerhard Tersteegen, der Pfarrer Johann Heinrich Christian Nonne, Bischof Dr. Roß aus Moers, der Essener Verleger Baedeker und der Münsteraner Oberpräsident Ludwig Freiherr von Vincke.

Seit 250 Jahren ist das Pastorat mehr als der Wohnplatz der jeweiligen Pfarrerfamilie. "Es dient auch dem Gemeindeleben. Denken wir an seelsorgliche Gespräche, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen, an Konfirmandenunterricht, Frauenhilfe, Jungschar und viele andere Veranstaltungen, zu denen Menschen ins Pfarrhaus kommen", so Pfarrer Hilbricht. Zusammen mit der Dorfkirche und dem Gemeindehaus sei das Pastorat "ein Ort zum Lob und Nachdenken über Gott und ein Ort des Miteinanders der Gahlener Bevölkerung und der Vereine".

(hs)
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