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Wesel
Besuchermagnet: Pokémon Go

Wesel: Besuchermagnet: Pokémon Go
Diese Gruppe im Heubergpark hat sich über "Pokémon Go" kennengelernt. FOTO: Lisa Kreuzmann
Wesel. Seit zwei Wochen sind junge Erwachsene mit ihren Smartphones auf Pokémon-Fang. Viele Spieler zieht es nach Wesel, denn in der Hansestadt gibt es besonders viele Pokémon zu entdecken. Die App sei ein Gesellschaftsspiel, sagen sie. Von Lisa Kreuzmann

Es gibt eine Welt, in der ist Wesel die Stadt der Weisheit. Diese Welt passt in die Hosentasche und wird durch Lithium-Ionen gesichert. Eine Welt, die sich nicht jedem erschließt, aber sie ist da, läuft parallel und konterkariert diese andere Welt, die allgemeinhin für die Wirklichkeit gehalten wird. Seit zwei Wochen sind auch in Wesel die Pokémon los - und Besucher und Einwohner versuchen, die kleinen Monster wieder einzufangen. Die Stadt ist somit um eine Attraktion reicher. Freizeitmöglichkeit: Pokémon jagen.

Das klingt rätselhaft. "Ich glaube, die Erwachsenen fragen sich oft, was wir hier machen", sagt Bianca Füssel, 23. Vermutlich ist das auch so. Die Grundzüge des Spiels aber sind simpel: Die Spieler gehen auf eine virtuelle Schnitzeljagd. Dazu brauchen sie nichts als ihr Smartphone, ohne das ein junger Mensch bei Bewusstsein ohnehin nie aus dem Haus gehen würde, ausreichend Akkulaufzeit und andere Mitspieler. Gemeinsam spürt die Bande über die Handykamera fiktive Wesen auf, die ein anderer Spieler für sie gesetzt hat. Taucht ein Pokémon in der Umgebung auf, löst das nicht nur ein spontanes Hochgefühl aus, sondern ist auch Zweck des Spiels: Mit einem Wisch auf dem Touchscreen kann das entdeckte Pokémon in den persönlichen Bestand übergehen. 150 verschiedene Pokémon-Charaktere mit verschiedenen Eigenschaften und Fähigkeiten gibt es. Einige sind seltener. Und der Rest ist wirklich eingängig: Wer die besten und beliebtesten Pokémon eingesackt hat, macht sich unsterblich. Im Spiel.

Die skurrilsten Pokémon-Go-Vorfälle in NRW FOTO: Laura Ihme

Dass in Wesel besonders viele der Zeichentrick-Taschenmonster umherschwirren, hat damit zu tun, dass Google Maps, auf dessen Karten-Service via GPS-Signal das Spiel basiert, in Wesel besonders viele Sehenswürdigkeiten verortet hat. "Beinahe jeder Esel ist ein ,Pokéstop'", erklärt Anika Miesen. Sie ist aus Rheinberg-Wallach nach Wesel gekommen, um Pokémon zu suchen und zu fangen. Als "Pokéstop" werden sehenswerte Orte in einer Stadt benannt. Dort halten sich die Pokémon auf und somit auch ihre Jäger. In Wesel ist das etwa der Post-Adler und das Berliner Tor. Aber auch vor der Filiale der Modekette H&M in der Fußgängerzone ist nun ein Pokéstop. Auch rund um den "Langen Heinrich" treiben die bunten Quietschemonster ihr Unwesen, genauso wie an den Teichen im Heubergpark. Dort treffen sich an einem Freitagabend mehr als 100 Weseler und Besucher aus der gesamten Region, um gemeinsam Pokémon zu jagen. Denn "Pokékom Go" sei ein Gesellschaftsspiel, sagen sie. "Wesel ist eine gute Stadt, um Pokémon Go zu spielen", ist Tobias Schmitz aus Alpen-Menzelen überzeugt.

Im Grunde gehe es aber darum, Leute kennenzulernen und spazieren zu gehen. "Ich wohne seit März in Wesel und habe durch Pokémon zum ersten Mal Leute in der Stadt kennengelernt", sagt Daniel Klewen. "Ich wäre diesen Sommer wohl sonst nicht so oft vor die Tür gekommen", sagt der 26-jährige Tim Ludwig, der sonst gerne Strategiespiele wie "Age of Empires" spielt. Alleine, in seinem Zimmer, am Computer. Durch das Smartphone-Spiel habe er in einer Woche viele nette Leute kennengelernt, mit denen er nun an einem Freitagabend im Park sitzen, Bier trinken und sich austauschen kann. In der vergangenen Woche sei er außerdem schon mehr als 100 Kilometer gelaufen. Jasmin Klisura spielt auch gerne mit ihrer Mutter. In Mehrhoog würden sich besonders viele "Pikachus" tummeln, das bekannteste und begehrteste Pokémon, erzählt die 20-Jährige. "Jasmin, komm schnell, wir haben einen Pikachu im Garten", rufe ihre Mutter dann.

So nutzen die Pokémon-Jäger die Kö in Düsseldorf für sich FOTO: Uwe-Jens Ruhnau

Ganz so weit entfernt scheint diese virtuelle Spielewelt von der Realität also doch nicht. Das wird spätestens ab Level 5 klar, wenn sich jeder Nutzer entscheiden muss, welche Rolle er in dieser Welt spielen möchte, indem er sich dem roten, blauen oder gelben Team anschließt. Tim Ludwig hat sich für gelb entschieden, das laut Spielemachern für "Intuition" steht, und hat damit schon jetzt eine Sonderrolle. "Gelb sind die Rebellen. Dafür entscheiden sich nicht viele", erklärt Abiturientin Nicole Kreutzmann, die sich wiederum für rot und somit für die Charaktereigenschaft der "Wagemut" entschieden hat. In Wesel sei aber mehrheitlich Team blau unterwegs, beobachten die Spieler. Wesel darf sich in dieser anderen Welt damit als Stadt der "Weisheit" rühmen. Und das ist doch auch mal was. Parallelwelt hin oder her.

Quelle: RP
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