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Himmel Und Erde
Beten mal anders

Wesel. Wer in diesen Wochen am Flughafen in Stuttgart auf seinen Flieger wartet, kann die Wartezeit noch für ein Gebet nutzen. Ein begehbarer Automat zum Beten - kurz: "Gebetomat" - lädt dort zur Besinnung ein. Der Berliner Künstler Oliver Sturm hat den Gebetomaten 2009 erfunden - als "kleinste Form eines spirituellen Raums". Sechs Exemplare vermietet Sturm europaweit. Meist stehen die Glaubens-Automaten in Transiträumen: in Bahnhöfen, an Flughäfen oder Raststätten. Die Kabinen sollen als Rückzugsort zum eigenen Gebet oder zum Zuhören dienen. Von Thomas Brödenfeld

Die Auswahl ist groß: über 300 Gebeten in 65 verschiedenen Sprachen. Die fünf großen Weltreligionen Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus sind vertreten, sowie zahlreiche kleinere Religionen und Glaubensrichtungen. Der Gebetomat ähnelt äußerlich einem Passbildautomaten und steht bis Anfang August im Terminal 3 des Stuttgarter Flughafens. Angehört werden können unter anderem der 23. Psalm und das Gebet von Dietrich Bonhoeffer "Von guten Mächten wunderbar geborgen". Das Audioarchiv werde ständig erweitert.

Nutzen können ihn nur Passagiere, die bereits die Sicherheitsüberprüfung hinter sich haben. Sie sind, so Pfarrer Dieter Kleinmann, Flughafenseelsorger der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, vor dem Einstieg ins Flugzeug "besonders sensibel" für das Thema Gebet und sie hätten während des Wartens auf ihr Flugzeug auch Zeit dafür. Die ersten Reaktionen sind überwiegend positiv. Viele Reisende sind überrascht, dass es einen solchen "Gebetsautomaten" an einem Flughafen gibt, manche fühlen sich von der Form des Gebetomats sogar an einen Beichtstuhl erinnert.

Auch wenn man als Reisender eingeladen ist, die Gebete zu hören, möchte der Gebetomat das eigene Beten der Menschen nicht ersetzen. Vielmehr können die auf der Audiodatei gespeicherten Gebete die Besuchenden anregen, eigene Worte zu finden, um mit Gott ins Gespräch zu kommen und zu ihm zu beten.

Einer der kommenden Sonntage trägt in der evangelischen Kirche den lateinischen Namen "Rogate". Der Name dieses Sonntags rührt von den Bittumgängen her, die in vergangener Zeit (und mancherorts noch heute) auf den Feldern für eine gute Ernte vollzogen wurden. Diese Bittumgänge begannen am Sonntag Rogate (Betet!) und wurden in der damit beginnenden Woche fortgeführt. Der Sonntag Rogate erinnert an die Kraft des Gebetes. In Freude und Verzweiflung sind wir nicht alleine. Gott hört uns, wenn wir zu ihm sprechen.

Vielleicht sollten wir das viel öfter ausprobieren. In Dank und Bitte mit Gott zu sprechen. Und das Beten nicht nur dem Gebetomaten überlassen.

Quelle: RP
 
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