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Wesel
Betreutes Wohnen feiert Geburtstag

Wesel. Seit 15 Jahren bietet die Lebenshilfe Unterer Niederrhein in Wesel Betreutes Wohnen an. Sieglinde Schaal ist eine Klientin der ersten Stunde. "Ich möchte nicht mehr anders leben", sagt die 63-Jährige. Wenn sie auf ihrem Balkon sitzt, ist sie glücklich. Zu ihrer Linken erhebt sich die Rheinbrücke, zu ihrer Rechten sieht sie das Stadtzentrum und den Willibrordi-Dom. Nach der Arbeit - die 63-Jährige arbeitet halbtags in der Lebenshilfe-Werkstatt am Schornacker - sitzt sie gerne hier und entspannt sich. "Das hier ist mein Lieblingsplatz", sagt sie. Sieglinde Schaal ist angekommen, das merkt man sofort, wenn man ihre Wohnung im dritten Stock des Dr.-Leo-Pünnel-Hauses betritt. Ein großes Badezimmer, eine gemütliche Küche, ein geräumiger Wohn- und Schlafbereich und natürlich der Balkon - das ist ihr Zuhause. Alles liebevoll dekoriert und aufgeräumt.

Dass Menschen mit Handicap alleine und selbstständig leben, war lange nicht selbstverständlich. Erst das Betreute Wohnen (BeWo) schuf diese Möglichkeit. Vor 15 Jahren eröffnete die Lebenshilfe das erste Betreute Wohnen. Die neue Wohnform erfreute sich großer Beliebtheit und expandierte. Außer in Wesel bietet die Lebenshilfe BeWo heute auch in Rees, Emmerich und Xanten an. Insgesamt 128 Betreute nehmen das Angebot in Anspruch.

An den Tag ihres Einzugs kann sie sich noch sehr gut erinnern. "Das war der 18. Juni 2001", sagt sie und zeigt auf ihren Kalender auf dem Tisch, in dem sie fein säuberlich alle wichtigen Termine verzeichnet hat. Bevor sie ins BeWo zog, hatte sie schon einige andere Wohnformen ausprobiert. Zunächst lebte sie im Kinderheim, später dann bei ihren Eltern und zuletzt im Wohnheim. "Aber das Wohnheim war nicht so mein Ding", erinnert sich Schaal. Sie braucht bisweilen ihre Ruhe.

Auch wenn sie weitgehend selbstständig ist, bekommt sie regelmäßig Unterstützung. Zum Beispiel von Lena Knoch. Die 23-Jährige ist eine von drei Betreuerinnen, die sich regelmäßig mit Sieglinde treffen. Darüber hinaus hat sie eine gesetzliche Betreuerin, die sich um alles Rechtliche kümmert. Schaal und Knoch verstehen sich gut, sprechen viel miteinander. Zudem gehen Betreuerinnen wie Knoch bei allen Sachen zur Hand, bei denen Schaal auf Hilfe angewiesen ist: Sie helfen ihr beim Schriftverkehr, begleiten sie zu Arztterminen und gehen mit ihr einkaufen. Mit ihren Nachbarn unternimmt Schaal auch einiges. Sie gehen nachmittags in die Stadt zum "Kaffeeschlürfen" oder machen Ausflüge mit, die von der Lebenshilfe angeboten werden. Sieglinde freut sich schon auf die nächste Tour: Stadtbummel in Venlo.

Quelle: RP
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