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Berufskolleg in Wesel
Bombendrohung durch Trittbrettfahrer

Berufskolleg in Wesel: Bombendrohung durch Trittbrettfahrer
Nach Bereinigung der Lage stand es den Berufsschülern frei, nach Hause zu gehen. Etliche nahmen dies an. FOTO: Malz
Wesel. Ein unbekannter Trittbrettfahrer droht per Telefon mit Bombe im Wesel Berufskolleg. 2000 Schüler verlassen in vier Minuten den Komplex. Die Polizei fahndet nach Urheber. Von Fritz Schubert

Nach den Anschlägen von Paris ist die Welt bis in die Haarspitzen sensibilisiert. Solch angespannte Situationen werden gern von Trittbrettfahrern genutzt, die zum Beispiel mit einem kleinen Telefonanruf große Unruhe auslösen können. So scheint es auch Donnerstagmorgen gewesen zu sein, als sich ein unbekannter Täter im Feldmarker Berufskolleg mit dem Hinweis meldete, um 9.25 Uhr werde in der Schule eine Bombe explodieren. Wie sich wenig später herausstellte, war dies eine leere Drohung. Erhebliche Spuren hinterlassen hatte der Anrufer trotzdem. Vor allem in den Seelen geschockter junger Leute. Etwa 20 nahmen Betreuungsangebote nach Bereinigung der Lage an.

Die Schülerinnen Laura Kroll, Annabell Arendsen und Fabienne Lattek (v.l.) fanden den "Scherz" nicht witzig. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)

Selbstredend war die Drohung erstmal ernst zu nehmen. Schulleiter Christian Drummer-Lempert und sein Team setzten laut Notfallplan eine bestimmte Meldekette in Gang. Um 9.05 Uhr, kurz nach dem anonymen Anruf, war die Polizei bereits da. Mit der Schulleitung wurde entschieden, einen Probealarm auszulösen, um die zu diesem Zeitpunkt etwa 2000 anwesenden Schüler und 165 Lehrer zügig aus dem Gebäudekomplex zu bekommen, ohne eine Panik zu verursachen. Und das klappte um 9.20 Uhr bestens. Binnen vier Minuten war das Kolleg evakuiert.

Wie Nico Partenheimer (17) aus Voerde und Lukas Gummel (16) aus Dinslaken später im Gespräch mit der RP erklärten, war das geordnete Verlassen des Gebäudes schon mehrfach eingeübt worden. Allerdings sei ihnen wegen der Anwesenheit von Polizei und Feuerwehr schnell klar gewesen, dass es doch kein Probealarm war. Laura Kroll (17) und ihre gleichaltrigen Mitschülerinnen Annabell Arendsen und Fabienne Lattek (alle aus Rheinberg) machten selbst zwar einen recht gefassten Eindruck, berichteten aber von einigen Mädchen, denen es "nicht so gut ging" und die sich nach der Entwarnung gern vom Schulpfarrer und Schulsozialarbeitern hätten beraten lassen. Das linksrheinische Trio ließ sich abholen, um nicht auf den Bus warten zu müssen, und fand den vermeintlichen Scherz des Anrufers überhaupt nicht witzig.

Unterdessen hatte die Polizei nach Ablauf der Frist 9.25 Uhr ohne Spürhunde das Gebäude durchsucht und nichts Explosives entdeckt. Der Unterricht wurde wieder aufgenommen, doch stand es den Schülern frei, nach Hause zu gehen. Etliche nahmen dieses Angebot an. Etwaig angesetzte Klassenarbeiten wurden gestern nicht geschrieben, sagte Drummer-Lempert, der übrigens die Sicherheitskräfte ausdrücklich für ihr umsichtiges Vorgehen und gute Zusammenarbeit lobte. Emotionale Zusammenbrüche einiger Schülerinnen erklärte sich der Schulleiter mit der aktuell allgemeinen Verunsicherung und der Tatsache, dass die Polizei wegen der Terrorgefahren zurzeit auch mit schwerer Bewaffnung auftritt. "Das Bild ist so nicht bei uns verankert", sagte Drummer-Lempert. Im Nachklang setzt er auf Information und Aufklärung. Schüler und Eltern sollen angeschrieben werden und erfahren, dass in Lagen wie diesen die Gefahr von Trittbrettfahrern immer groß sei.

Auch die Polizei vermutet einen ganz schlechten Scherz als Ursache des Anrufs. Das gebe es immer wieder mal, um vielleicht um eine Klausur herumzukommen. Doch vor dem aktuellen Hintergrund sei die Tat "moralisch besonders verwerflich", sagte Polizeisprecherin Andrea Margraf: "Es gibt ein Strafverfahren. Wenn wir den Täter kriegen, wird er zur Rechenschaft gezogen."

Quelle: RP
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