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Wesel
Brand im Kieswerk: Gutachter prüfen Statik

Kieswerk in Wesel brennt in 30 Metern Höhe
Kieswerk in Wesel brennt in 30 Metern Höhe FOTO: dpa, mg htf
Wesel. Eine riesige Rauchwolke zog über den Bislicher Rheindeich. Bei Schweißarbeiten hatte die Siebanlage der Holemans-Produktionsstätte Feuer gefangen. 53 Wehrleute kämpften gegen die Flammen.  Niemand wurde verletzt. Am Freitag beginnen die Gutachter ihre Arbeit. Von Julia Lörcks und Klaus Nikolei

Als Lars Giesen am Donnerstagmorgen von dem lauten Martinshorn geweckt wurde, dachte er, es wäre ein Unfall passiert. Als seine Frau kurze Zeit später aus dem Fenster schaute, wurde er eines Besseren belehrt. "Holemans steht in Flammen", sagte sie fassungslos.

Lars Giesen wohnt in Bislich am Rheindeich. Direkt dahinter befindet sich an der Straße Drögenkamp das Anfang der 70er Jahre errichtete Kieswerk Ellerdonk mit dem großen Steuerungsturm. Oder besser gesagt: befand. Denn große Teile des 30 Meter hohen Turms sind gestern Morgen ein Raub der Flammen geworden. Die mächtige Rauchsäule war in einigen Teilen Wesels, in Xanten, ja, sogar bis Goch (Kreis Kleve) zu sehen. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe zu keiner Zeit bestanden, versicherte die Feuerwehr. Luftmessungen hätten das ergeben.

Um 7.30 Uhr ging der Alarm bei der Weseler Feuerwehr ein. In Bislich ging die Sirene. Gegen 7.40 Uhr rasten die ersten von insgesamt 14 Einsatzfahrzeugen mit 53 Wehrleuten an Giesens Haus vorbei. Gegen 10.30 Uhr war das Feuer dann komplett gelöscht. Nur noch einige wenige Rauchschwaden zogen aus der Brandruine. Verletzt wurde bei dem Großbrand, der durch Schweißarbeiten in der Siebanlage ausgebrochen war, zum Glück niemand. "Und das ist das Wichtigste", sagte Holemanns-Mitarbeiter Thomas Derksen am Rande der Nachlöscharbeiten, die bis in den Nachmittag hinein angedauert haben.

Den Schaden schätzt der Technische Leiter auf gut fünf Millionen Euro. Dass das Kieswerk, in dem 15 Mitarbeiter tätig sind, so schnell wie möglich wieder aufgebaut wird, ist für ihn keine Frage. Zumal die Produktionsstätte nötig ist, damit auch die nagelneue Lkw-Beladeanlage auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Betrieb gehen kann. Ursprünglich sollte der 2,5 Millionen Euro teure Neubau Ende des Jahres eröffnet werden. "Nach dem Brand werden nun die Karten jetzt neu gemischt", erklärte die bei Holemans für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit zuständige Claudia Kressin unserer Redaktion. Man müsse nun schauen, wie es dort weiter gehe.

Knapp drei Stunden lang kämpften 15 hauptamtliche Kräfte und 38 freiwillige Helfer der Feuerwehren aus Bislich, Wesel-Stadtmitte und Ginderich gegen die Flammen. Die meisten mithilfe von Atemschutzgeräten.

Einsatzleiter Christoph Hegering lobte die "hervorragende Zusammenarbeit" mit der Firma Holemans, "die uns alle nötigen Infos sofort zur Verfügung gestellt hat". Zum Beispiel sei es wichtig gewesen zu wissen, dass bei den Schweißarbeiten Gasflaschen verwendet wurden. "Wir mussten beim Einsatz mit dem Löschwasser auf einen ausreichenden Abstand achten, um unsere Leute nicht zu gefährden", so Hegering. Er sprach von "Glück im Unglück", dass eine Gasflasche zwar explodiert sei, die Metallsplitter aber im Gebäude geblieben wären. "Die hätten auch bis zu 300 Meter durch die Luft fliegen können." Zwar ist der obere Teil der Siebanlage einsturzgefährdet, so dass er nicht betreten werden kann. "Doch die tragenden Teile sind noch in Ordnung", sagt Hegering.

Ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäudeteile wurde übrigens unter anderem dadurch verhindert, dass ein brennendes Förderband gekappt und aus der Anlage gezogen wurde. Am Freitag sind die Gutachter auf dem Gelände. Unter anderem müssen Fragen der Versicherung geklärt werden. Doch auch die Standfestigkeit der
Anlage steht in den nächsten tagen auf dem Prüfstand. Die rund 30 Meter hohe Aufbereitungsanlage ist durch den Brand nicht eingestürzt, aber die Statik muss kontrolliert werden.

Quelle: RP
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