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Wesel
Büdericher Starkregen-Sorgen wachsen

Wesel. Bergsenkungen sorgen für einen Trichter im Polderdorf. Schnell wieder ablaufen kann Wasser im Ernstfall nicht. Das beunruhigt die Bewohner schon lange. Während Nachbar Borth ein Rückhaltebecken bekommt, rührt sich hier nichts. Von Fritz Schubert

Seit Wochen ziehen dunkle Wolken übers Land. Und noch hat Büderich Glück gehabt, nicht von einem Starkregen erwischt worden zu sein. Das sagen Wilhelm Fischer (62), Vorsitzender der Bürgerinitiative der Salzbergbaugeschädigten, und Beisitzer Hermann Norff (75) mittlerweile immer lauter. Als Xanten und Sonsbeck sowie Bislich, Blumenkamp und Hamminkeln - "Alles Nachbarn" - unlängst getroffen wurden, wollten sie sich nicht auch noch mit ihrem Dauerproblem melden. Doch jetzt war es für sie an der Zeit, wieder einmal den Finger in die Wunde zu legen. Bekanntlich kämpfen die Büdericher seit mehr als zehn Jahren für technische Lösungen, die ihnen die Sorgen nehmen. Getan hat sich bislang nichts. Zusagen der Stadt, sich mit Cavity, dem Schadensregulierer für Schäden durch Salzbergbau, in Verbindung zu setzen, wurden offenbar nicht eingehalten.

Für den Gindericher Fischer und den Büdericher Norff ist der Fall ganz einfach: Gut 2,80 Meter tiefer als früher liegt Bücherich heute im Vergleich zur umgebenden Landschaft. Das heißt: Die Siedlung liegt in einem Trichter ohne Abflussstutzen. Die Befürchtung: Wenn Starkregen kommt, bleibt das Wasser lange stehen, bei etlichen Häusern bis zur Dachrinne. "Das Risiko ist da und muss abgefedert werden", sagt Fischer. Er und seine Mitstreiter machen sich für ein Regenwasserrückhaltebecken stark. Während Nachbar Borth nun eins bekommt, guckt Büderich in die Röhre.

"Am Kanal liegt es nicht", sagt Norff. Er lobt die Stadtwerke Wesel, die ihn mit allen Informationen über das Abwassersystem in Büderich versorgt und vom ordnungsgemäßen Zustand überzeugt haben. Dennoch bleibt für ihn klar, dass die Möglichkeiten des Kanals begrenzt sind. Als Standort für ein Sammelbecken schlagen Fischer und Norff das Meerfeld am Rande Büderichs vor. Vom Kanal, der in der nahen Straße Winkeling liegt, ließen sich, am besten mit automatischer Steuerung, gefährliche Wassermassen zu dem Becken pumpen und dort erstmal sammeln. Von hier aus sollte eine Leitung zum Rhein verlegt werden, die dann, wenn es die Lage zulässt, das Wasser zum Fluss transportiert.

Dass die Firma Cavity bei dem Projekt ins Boot gehört, steht für Fischer und Norff außer Frage. Die Bergsenkungen sind eine belegte Tatsache. Auch wird die Sanierung der Xantener Straße nicht ohne Grund vom Salzbergbau mitbezahlt. Und es könne ja schließlich nicht sein, dass die danebenstehenden Häuser nicht von Bergschäden betroffen sind.

Umso erstaunter haben die Akteure der Bürgerinitiative unlängst zur Kenntnis genommen, was die Kommunen auf Anfragen des NRW-Wirtschaftsministeriums zur Problematik geantwortet haben. Wie einer Vorlage für den Landtags-Unterausschuss Bergbausicherheit zu entnehmen ist, pflegen alle betroffenen Städte und Gemeinde regelmäßig Kontakte zu Cavity. Gravierende Schäden sehen sie nicht. Wesel stellt für städtische Straßen und Wege fest: "Über Jahre/Jahrzehnte haben sich allerdings nur sehr wenige kritische Bereiche herauskristallisiert, so dass speziell in den letzten ca. 15 Jahren keinerlei Schäden abgewickelt wurden. Doch selbst davor fand stets eine einvernehmliche Schadenregulierung statt. Teils ohne Schuldeingeständnis, teils auch nach anerkannten Bergschäden (Pressungen/Zerrungen). Die Zusammenarbeit mit den o.g. Vertretern ist äußerst freundlich und unproblematisch."

Wilhelm Fischer und Hermann Norff meinen, dass es bei einem derart gutem Einvernehmen zwischen Stadt und Bergbau möglich sein müsse, das Trichterthema nicht nur zu besprechen, sondern auch zu lösen.

Quelle: RP
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