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Kreis Wesel
Weiss (CDU) und Reuther (FDP) sind Wahlgewinner

Das sind die Bilder des Wahlabends in Wesel
Das sind die Bilder des Wahlabends in Wesel FOTO: Ekkehart Malz
Kreis Wesel. Die großen Parteien verlieren deutlich. Wesel weiter mit zwei Bundestagsabgeordneten. Frust bei der SPD. AfD legt zu. Von Klaus Nikolei und Sebastian Peters

Der Wahlkreis Wesel I hat nach der gestrigen Bundestagswahl weiter zwei Abgeordnete in Berlin: Die CDU-Bundestagsabgeordnete Sabine Weiss hat mit 39 Prozent der Stimmen den Herausforderer Jürgen Preuß (SPD) deutlich hinter sich gelassen. Preuß erreichte 32,8 Prozent und konnte somit nicht in die Fußstapfen von Hans-Ulrich Krüger treten, der 2013 noch über die Landesliste ins Parlament eingezogen war. Erwartungsgemäß hat FDP-Kandidat Bernd Reuther aber mit einem starken FDP-Bundesergebnis den Einzug in den Deutschen Bundestag geschafft: Reuther hatte bei den Landesliberalen einen guten Listenplatz 13. Es bleibt also bei zwei Wahlkreis-Abgeordneten auf dem politischen Berliner Parkett.

Ähnlich wie im Bundestrend haben SPD und CDU im Wahlkreis Wesel I deutlich verloren: Die SPD verliert im Vergleich zur Bundestagswahl 6,2 Prozentpunkte bei den Zweitstimmen, die CDU liegt mit 5,7 Prozentpunkten Verlusten bei einem Wahlergebnis von 33,7 Prozent nur geringfügig besser. Sabine Weiss, CDU-Direktkandidatin, zeigte sich dennoch zufrieden. "Ich habe schon im Wahlkampf eine Ahnung gehabt, dass es schwer wird für uns." Dass allerdings die CDU ähnlich wie die SPD auf Bundesebene Verluste hinnehmen muss, hatte sie in dieser Deutlichkeit nicht geahnt. Eine Aufgabe in der neuen Regierung werde sein, "die AfD inhaltlich zu stellen", sagte Weiss. Noch unklar ist, welche Rolle Weiss, die derzeit stellvertretende Fraktionsvorsitzende ist, jetzt in Berlin spielen wird. Gestern antwortete sie auf die Frage nach ihrer künftigen Rolle in der Partei zögerlich. Weiss gilt als Merkel-Gefolgsfrau, hat einen guten Draht zur Kanzlerin. Wird dies belohnt?

Stark war gestern die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Wesel I: 77,1 Prozent, drei Prozentpunkte stärker als bei der letzten Bundestagswahl.

Bei den Zweitstimmenergebnissen zeigen sich deutliche Unterschiede. Während die SPD in Wesel immerhin 29,2 Prozent der Zweitstimmen holt, in Hünxe immerhin 29 Prozent, kommt sie in Hamminkeln nur auf 24 Prozent und in Schermbeck auf 23 Prozent. Die AfD ist im Kreisgebiet besonders in Kamp-Lintfort und Rheinberg stark. Renatus Rieger, Kandidat im Wahlkreis Wesel I, kam gestern ins Kreishaus. Er sei hochzufrieden, sagte Rieger. Er wolle jetzt den Kreisverband aufbauen. Bernd Altmeppen, Politstratege der CDU aus Voerde und Vertrauter von Weiss, sagte zum AfD-Abschneiden: "Die Partei wird sich selber disqualifizieren. Diese Wähler müssen wir wieder zufrieden stellen." Überraschend ist das solide Ergebnis der Grünen im Wahlkreis. Nur im minimalen Bereich hat die Partei Verluste hinnehmen müssen. Die Grünen verzeichnen die wenigsten Wanderungsbewegungen zur AfD. Kandidat Stefan Meiners glaubt, dass die Grünen mit ihren Themen zu überzeugen gewusst haben.

Sichtbar gut gelaunt war Bernd Reuther, der mit Ehefrau Heike erschien. "Ich freue mich über das tolle Ergebnis meiner Partei", so Reuther, der der erste Bundestagsabgeordnete aus Wesel seit 1971 ist. Damals saß Egon Ramms (FDP) mehr als ein Jahrzehnt in Bonn.

Sabine Weiss, die mit Zwillingsschwester Gabi kam, wurde im Kreishaus immer wieder geherzt. Aus Kamp-Lintfort kam der SPD-Unterbezirksvorsitzende René Schneider, um seinem Parteifreund Preuß beizustehen. "Ich hätte mir heute gerne den Siegerkranz aufgesetzt. Und natürlich bin ich enttäuscht, dass die Partei auf 20 Prozent abgesackt ist. Aber unter diesen Bedingungen bin ich mit meinem Ergebnis zufrieden", so Preuß.

Um 21.58 Uhr stand das Ergebnis fest. Das Büro von Kreiswahlleiter Lars Rentmeister war zufrieden. In Sorge war er allerdings wegen der Ankündigung mehrerer AfD-naher Gruppierungen im Internet, als Wahlbeobachter in den Wahllokalen aufschlagen zu wollen - insbesondere aus Mehrhoog hatte es im Vorfeld Hinweise gegeben. Hintergrund waren teilweise falsche Zahlen bei der Landtagswahl im Frühjahr. Nur das Wahllokal Kita Alpsray fehlte kurz vor Schluss. "Ein Zählproblem" gab es, teilte der Kreiswahlleiter mit. Das war dann doch schneller behoben als befürchtet.

Quelle: RP
 
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