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Wesel
Dagmar E.: So kam es zur Anklage

Wesel. Beamte der Mordkommission berichteten gestern von den Ermittlungen.

Der Leiter der Mordkommission erklärte gestern vor dem Duisburger Landgericht, dass die Ermittlungen als kurioser Vermisstenfall an ihn abgegeben wurde. Zuvor hatten seine Kollegen die Suche übernommen. Dagmar E. war verschwunden, ihr Sohn hatte sie als vermisst gemeldet. In der Wohnung der 58-Jährigen habe es keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gegeben. Es wurden E-Mail-Konten und Telefondaten überprüft und der Laptop kontrolliert. So kam man auf weitere Personen, mit denen die Frau in Kontakt stand. Einer davon ein 50-Jähriger aus Coesfeld. Er sagte gestern, dass er noch kurz vor ihrem Verschwinden mit Dagmar E. telefonierte. Man habe sich für einen der Folgetage verabredet. Zu dem Treffen kam es nicht mehr. Die Befragung des Bekanntenkreises sei nicht erfolgreich gewesen, sagte der Kriminalbeamte. Fest stand, dass die Kosmetikerin, die als pünktlich und zuverlässig galt, ihre Kundinnen im Kosmetiksalon hatte warten lassen.

"Wir mussten nicht zwingend von einem Kapitaldelikt ausgehen, konnten es aber auch nicht ausschließen", sagte der Ermittler. Routinemäßig habe man die Handyverbindungen im Umkreis überprüft - etwa 64.500 Datensätze, ohne konkrete Anhaltspunkte. Mit "ungutem Bauchgefühl" habe man die Ermittlungen ruhen lassen, bis sich im Januar eine Freundin von Dagmar E. meldete. Sie hatte am Tag vor dem Verschwinden fast eine Stunde mit ihrer depressiv wirkenden Freundin telefoniert. Am Abend gab es ein weiteres Gespräch, in dem Dagmar E. von finanziellen Schwierigkeiten sprach. Der 26-jährige Mann aus Wesel, der gemeinsam mit zwei Brüdern und dem Sohn des Opfers auf der Anklagebank sitzt, habe seine Schulden bei ihr nicht beglichen. Sie wollte ihn zu einem letzten Gespräch in ihre Wohnung bestellen und notfalls Anzeige erstatten. Danach verschwand Dagmar E.. "Diese Aussage war so etwas wie das entscheidende Mosaiksteinchen", sagte der Ermittler. Ein weiterer Beamter berichtete von Widersprüchen in den Aussagen der vier Angeklagten, die damals noch als Zeugen vernommen wurden. Im Auto des Sohnes des Opfers sei darüber gesprochen worden, dass man die Leiche ausgraben und anderswo verstecken müsse. Nach der Festnahme habe der Sohn die Schuld auf sich genommen und die Ermittler zur Leiche geführt, die in einem Wald in Hünxe vergraben war. Dort wurde eine von den Tätern zurückgelassene Schaufel gefunden.

Die Verhandlung wird am 3. Februar fortgesetzt.

(BL)
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