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Wesel
Darum braucht der Wald die Ameisen

Wesel: Darum braucht der Wald die Ameisen
Bianka Keil vom Verein Deutsche Ameisenschutzwarte. FOTO: Weissenfels
Wesel. Die Bekanntschaft mit Ameisen ist oft eine schmerzhafte. Denn wer in ein Nest tritt, bekommt es mit den Insekten zu tun. Erst beißen sie, dann spritzen sie die Ameisensäure in die Wunde, und das tut weh. Bianka Keil kennt das nur zu genau. Die studierte Forstwirtin hat es häufig mit Ameisen zu tun, in erster Linie mit Waldameisen.

Schon während ihres Studiums in Eberswalde entdeckte die 39-Jährige ihr Herz für die Ameise. Während eines Praktikums beim Waldschutz lernte sie den Verein Deutsche Ameisenschutzwarte kennen und wurde Mitglied. Mittlerweile ist sie Bundesgeschäftsführerin und engagiert sich für Tiere, vor allem für die 13 heimischen Waldameisenarten. Da sie nahe ihres Wohnhauses nicht greifbar sind, nehmen wir mit der Roten Wiesenameise Vorlieb, denn die hat in Krudenburg ein Nest.

Manchmal sind Nester aber im Weg, dann ist der Rat der Ameisenheger gefragt, die gerufen werden, wenn beispielsweise in besagtem Bereich etwas gebaut werden soll. Allein 74 Ameisennester mussten bei einer Kanalverbreiterung in Eberswalde umgesiedelt werden.

Die Ameisenfachfrau hat selbst schon viele Nester umgesiedelt. Mit Handschuhen und Papiersäcken trug sie Schicht für Schicht ab, um sie an anderer Stelle wieder aufzuschichten. Das muss schnell gehen, am besten innerhalb von zwei Stunden. "Sonst vergasen sich die Tiere mit der Ameisensäure selbst", soKeil. Denn die Ameisen empfinden den Eingriff als Angriff. Das größte Problem bei einer Umsiedlung ist die Suche nach der Königin. Sie ist größer als die anderen und verfügt über eine starke Muskulatur, weil sie den Hochzeitsflug absolviert hat. Die Flügel sind allerdings längst von ihr selbst abgebissen worden. Bis zu 25 Jahre alt kann die Königin werden, von der manche Ameisenarten gleich Hunderte haben. Eine Arbeiterin wird höchstens sechs.

Keils Ehemann Klaus Lehmann, den sie über den Ameisenverein kennengelernt hat, ist Ameisenheger und war bei Umsiedlungen zuletzt in Raesfeld und Bocholt aktiv. Er siedelt nicht nur um, sondern berät bei Fachfragen und bestimmt die Ameisenart. Denn Waldameisen stehen seit über 200 Jahren unter Naturschutz. Einst waren die Puppen nämlich begehrt, wenn es ums Züchten von Fasanen ging. Und auch Papageien ließen sie sich schmecken.Wer beim Waldspaziergang ein Ameisennest entdeckt, sollte es mit einem gewissen Abstand anschauen, sagt Keil. Denn rund um den Hügel befinden sich unterirdisch zahlreiche Kammern und Gänge. Ein Tritt kann sie zerstören. Ameisen tragen zu einem nachhaltigen Waldschutz bei. Sie futtern zahlreiche Insekten und Raupen, so dass Pflanzenschädlinge seltener auftreten. Das gilt auch für Blattläuse, die von ihnen gemolken werden. Und die Ameisen sorgen für die Verbreitung von Samen, etwa von Veilchen und Lerchensporn. Aber sie dienen auch selbst als Futter für Spinnen, Spechte, Spitzmäuse und andere Tiere.

Mit Beginn der Erdbeerzeit treibt so manchen Balkon- und Gartenbesitzer der Ameisenbefall um. Bei den Kolonnen handelt es sich aber nicht um Waldameisen, sondern um kleinere Arten wie die Wegeameise, die den Sand aus den Terrassenfugen heben. Sind sie im Haus angelangt, können sie Holz zerstören. Dabei rät Keil von Hausmitteln zur Ameisenbeseitigung wie Backpulver und Asche ab. Die Arbeiterinnen sterben davon zwar, doch die Königinnen produzieren mehr Nachwuchs nach, wenn das Volk kleiner wird - und alles geht weiter wie bisher. Nahrungsmittelsollten nicht offen herumstehen, sagt Keil. Denn das zieht Ameisen an. Wichtig ist zudem, dass Silikonfugen dicht sind, damit der Andrang von außen ausbleibt.

(P.H.)
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