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Wesel
Das Ende des Toiletten-Dramas naht

Wesel: Das Ende des Toiletten-Dramas naht
So wie eines dieser drei soll das Toiletten-Häuschen am Bahnhof mal aussehen. Die CDU hatte in den Nachbarorten nach Inspiration gesucht. FOTO: Klaus Nikolei
Wesel. Seit knapp 20 Jahren wird in Wesel immer wieder diskutiert, ob und wann eine Toilette am Bahnhof gebaut wird. Jetzt ist es bald so weit: Ende August will die Stadt mit der Errichtung der WC-Anlage beginnen - für mehr als 100.000 Euro. Von Marlen Keß

Eigentlich wäre die Geschichte Stoff für eine schmissige Provinzposse: Eine Stadt kämpft um ihr Bahnhofsklo - und dabei auch immer um das städtische Ansehen. Schließlich ist der Bahnhof das erste, was viele Besucher zu sehen bekommen - und fehlt es dort direkt am Nötigsten, lässt es die Stadt in keinem guten Licht dastehen. In Wesel ist das Wirklichkeit: Am Bahnhof gibt es auch nach knapp 20 Jahren Diskussionen immer noch keine Toilette. Ende August soll damit nun Schluss sein - und endlich eine WC-Anlage errichtet werden.

Voraussichtlich wird diese Anlage rund 104.000 Euro kosten, die zu 90 Prozent aus Fördermitteln gestemmt werden. Ende August soll der Bau dann in Angriff genommen werden. "Wir liegen im Zeitrahmen", sagt Anita Timmreck, Leiterin des Fachbereichs Gebäudeservice bei der Stadt Wesel. Wie Timmreck erklärt, sei die Bauleistung nach Plan zu Beginn der Sommerferien ausgeschrieben worden, jetzt warte die Stadt auf Einreichungen von Firmen. Auch die veranschlagten Kosten von 104.000 Euro werden laut Timmreck eingehalten. Weiter unklar ist, ob die Benutzung etwas kosten wird - und ebenso, wie das Häuschen aussehen und wo genau es aufgestellt wird. Das entscheidet sich erst, wenn eine Firma den Zuschlag bekommt.

Ende Mai hatte der Ausschuss für Gebäudeservice für die Errichtung der öffentlichen Toilette gestimmt und den Weg für die konkrete Planung freigemacht. In dieser Sitzung hatte Timmreck den Aufbau der Anlage allerdings bereits umrissen: Innen- und Außenwände aus Glas, alle Sanitärobjekte inklusive Waschbecken, WC, Urinal und klappbarem Wickeltisch aus Edelstahl, mit Fußbodenheizung und barrierefrei. Einmal am Tag soll die Toilette gereinigt werden, was wohl rund 6000 Euro pro Jahr kosten wird.

Der Antrag der CDU auf Errichtung der Toilette stammte indes bereits aus dem vergangenen Jahr, damals war sogar von einem Aufbau zum Stadtjubiläum 2016 die Rede. Doch daraus wurde nichts - bis jetzt. Es ist das Ende eines jahrelangen Hin und Hers. Der Weseler Bahnhof wurde in den vergangenen Jahren für mehr als zehn Millionen Euro saniert, unter anderem wurden ein neuer Tunnel gebaut, die Eingangshalle renoviert und neue Aufzüge auch zur Fahrradmitnahme eingerichtet. Doch das Toiletten-Problem wurde nicht gelöst. Denn der Bahnhof gehört laut Bahn zur Kategorie 3, für die keine WCs vorgesehen sind. Und das McDonald's-Restaurant am Eingang ist so klein, dass es keine anbieten muss.

Politiker verschiedener Couleur scheiterten jahrelang daran, den Toilettenbau anzustoßen - die Aktion des wahlkämpfenden linken Ratskandidaten Rolf Thiemann im August 2009, als er ohne Genehmigung Dixi-Klos am Busbahnhof aufstellte, war dabei nur die Aufsehen erregendste. Diese wurden von der Verwaltung jedoch schnell wieder abgeräumt. Die Folge: frustrierte Reisende und Menschen, die sich in ihrer Not hinter Büsche hockten.

Zumindest an Wochentagen ist die einzige Rettung momentan die Caritas. In den Beratungsräumen neben dem Bahnhofsgebäude dürfen Reisende für 50 Cent die Toilette benutzen, "und dieses Angebot wird sehr gut genutzt", sagt eine Mitarbeiterin. Auch bei der Caritas sind sie der Mitarbeiterin zufolge froh, wenn die WC-Anlage endlich steht.

Schon in wenigen Wochen soll es so weit sein, dann hat Wesel endlich ein Bahnhofs-WC. Für mindestens 25 Jahre sollte dann eigentlich Ruhe herrschen: Das ist die Lebensdauer der meisten WC-Anlagen.

 
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