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Wesel
Das Leben in sieben Minuten

Wesel. Beim Poetry Slam im Scala traten die Teilnehmer auch mit politischen Texten an.

Ausverkauft war es nicht, aber doch gut besucht - das Scala Kulturspielhaus am Samstagabend. Zum fünften Mal hatte der Weseler Buschfunk zum "The Lower Rhine Poetry Slam" getrommelt und sechs junge Poeten traten an.

Das Publikum, ein bunter Haufen, in dem alle von "U30" bis "Ü60" vertreten waren. Für Neulinge erklärte Sandra Da Vina, Moderatorin des Abends, die Spielregeln: Nur selbst geschriebene Texte, Verkleidungen und Requisiten sind verboten und jeder Künstler hat bis zu sieben Minuten Zeit. Eine zufällig ausgewählte Jury von fünf Zuschauern darf Punkte zwischen eins und zehn vergeben. Im Finale entscheidet dann, gemessen an der Lautstärke des Applauses, das gesamte Publikum.

Bereits in der ersten Runde schieden Özge Cakirbey und Jay Nightwind aus. Mit je 21 von 30 Punkten und konstanten Wertungen im Siebener-Bereich ist es nicht so, dass die Jury ihre Texte nicht gemocht hätte, doch die anderen überzeugten mehr. Herausragend, zumindest was die Punktevergabe betrifft, war in dieser Runde Tobi Katze. 29 Punkte gab es für "Eskalation", eine ironische Auseinandersetzung mit dem Älterwerden. In der nächsten Runde schied er aus. Genauso wie Luca Swieter, die in der ersten Runde zwar noch mit "Konsequent bin ich nur in meiner Inkonsequenz" begeisterte, in der zweiten jedoch mit einer Hasshommage an ihre "Kleinstadt-Heimat" hinter Luise Frentzel und Fatima Talalini zurückfiel.

Erstere hatte sich in der ersten Runde noch viele Lacher mit ihrer "Lebensgeschichte" gesichert, die maßgeblich von ihrer tiefen Stimme bestimmt war: Schon in der Grundschule habe sie immer nur "das Horn" singen dürfen. In der zweiten Runde widmete sie sich dem sensiblen Thema Vergewaltigung, das sie unter dem Titel "Urvertrauen 2.0" in ein berührendes Wortgewand kleidete. 28 Punkte bekam sie dafür von der Jury - mehr holte nur Fatima Talalini: runde 30 für "Auf einmal Krieg". Nachdem in ihrem ersten Text ("Aufs Maul, Terrorist") um die heilsame Wirkung von Liebe gegangen war, setzte sie sich in der zweiten Runde mit der Unsicherheit der hier lebenden Menschen mit Verwandten in Kriegsgebieten auseinander. In ihrem Finaltext "Aufräumen" tat Talalini genau das - sie räumte mit Vorurteilen auf.

(meko)
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