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Wesel
Das Museum in der Wassermühle

Wesel. Am Schloss Gartrop präsentiert der Hünxer Heimatverein Geschichte hautnah. Besucher bekommen Einblicke ins Müllerhandwerk und in die Historie des renovierten Gebäudes, dessen älteste Teile aus dem 15. Jahrhundert stammen. Von Florian Langhof

Schon beim Blick von außen wird die bewegte Geschichte der Wassermühle sichtbar. Mächtige Steinquader rund um das Mühlrad, das sich im Wasser des am Gebäude vorbeilaufenden Baches dreht, treffen auf Ziegel, die eine Erweiterung des Gebäudes anzeigen. "Der älteste Teil der Mühle stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert", erklärt Heinrich Rühl, Vorsitzender des Hünxer Heimatvereins.

Der Verein war Initiator für die komplette Renovierung der Mühle. Durch Gelder aus einem EU-Förderprogramm, der NRW Kulturstiftung, der Gemeinde Hünxe und privaten Spenden finanzierte er die Sanierung des Gebäudes. Dieses wurde dem Verein durch die Eigentümer, Baron Egbert und Baronin Christel von Nagell für eine langfristige Nutzung zur Verfügung gestellt - und zwar als Mühlenmuseum.

Im Inneren der Mühle fällt der Blick auf das Mahlwerk aus Holz und Metall. Die Holzelemente sind absichtlich verbaut worden, besonders die Zähne an den Zahnrädern des Mahlwerks. "Wenn etwas klemmt, brechen höchstens diese Holzzähne. Dann kann man das Problem beseitigen und einfach die Zähne wieder einsetzen", erklärt Heinrich Rühl den Materialmix. Vor dem Mahlwerk demonstriert er dann auch die Ingenieurskunst im Gebäude: Über Hebel lässt sich der gut 1,4 Tonnen schwere Mühlstein bewegen. Durch eine Falltür im Boden und einen Flaschenzug lassen sich Mehlsäcke mühelos vom Erdgeschoss in den ersten Stock des Gebäudes befördern. "Das ist eine Schrotmühle. Das gemahlene Mehl wurde für die Fütterung von Tieren verwendet oder man siebte es später noch feiner", erklärt Rühl.

Im Erdgeschoss finden sich neben Schautafeln, die Geschichte und Renovierung dokumentieren, auch eine Figur mit der Kleidung eines typischen Müllers in einer Glasvitrine. Vom Hauptraum aus kann man auch den Motorenraum der Wassermühle erkunden.

Moment mal. Motorenraum? "Man hat mit der Wasserkraft bis 1958 Strom für das Schloss erzeugt", sagt Rühl. "Wenn im Sommer der Bach austrocknete, gingen im Haus die Lichter aus." Das Mühlrad musste sich weiter drehen. Dafür sorgte bei niedrigem Wasserstand ein Benzinmotor. Gemälde zieren heute die Wände des Motorenraums, die den Besuchern einen besonderen Blick auf die Mühle eröffnen. Darunter ist auch ein Bild des Motors, der hier früher auf einem erhöhten Podest stand. Dazu ein alter Schaltkasten, mit dem später ein Elektromotor anstelle des Benziners in Gang gesetzt wurde. Man speicherte dafür teilweise von der Mühle erzeugten Strom oder nutzte den aus dem Netz. "Man musste den Motor in zwölf Schritten langsam anfahren, ansonsten gingen in ganz Gartrop die Lichter aus", erzählt Heinrich Rühl.

In der ersten Etage gibt es einen Ausblick auf die Technik, aber auch auf den Produktionsprozess, der hinter dem Mehl als Erzeugnis steckte und noch immer steckt. Der Weg vom Korn bis zum Brot wird dort nachgezeichnet. "Das ist besonders für Schulklassen interessant", merkt Rühl an. Hier finden sich noch mehr Informationen zur Mahltechnik und Historisches zur Mühle. Außerdem zeigt eine der Wandtafeln die Mühlen, die es in Hünxe früher gab. "Viele davon werden auch alteingesessene Hünxe nicht mehr kennen", ist sich Heinrich Rühl sicher. Im Mühlenmuseum lässt sich eben viel entdecken und erleben - für Hünxer und Nicht-Hünxer gleichermaßen.

Quelle: RP
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