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Wesel
Das Vermächtnis des Otto Pankok

Wesel: Das Vermächtnis des Otto Pankok
FOTO: Malz Ekkehart
Wesel. Der Landschaftsverband Rheinland hat einen Dokumentarfilm über "Haus Esselt, die Menschen, die Kunst und die Zeit" gedreht. Zu dessen Premiere waren zahlreiche Gäste auf das Anwesen der Familie Pankok gekommen. Von Hanne Buschmann

"Eigentlich soll sich nichts ändern hier." So lautet der Titel des Films über das Vermächtnis des Künstlers Otto Pankok und seiner Familie, den der Landschaftsverband Rheinland (LVR), Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, im vorigen Jahr gedreht hat. Zu dessen Premiere waren zahlreiche Gäste auf das Anwesen der Familie Pankok, Haus Esselt in Drevenack, geladen.

Der Film-Titel, groß auf der Leinwand in dem mit neuer Bestuhlung hergerichteten Otto-Pankok-Museum Haus Esselt, lud schon vorab zum Nachdenken ein. Nichts ändern? In einer Welt, die nur aus der Bewegung lebt? Der Untertitel des Films sagt's genauer: "Haus Esselt, die Menschen, die Kunst und die Zeit." Es kommt also darauf an, wie in der Zukunft mit dem Erbe Pankoks umgegangen wird. Ein Klein-Klein darf auf keinen Fall dabei herauskommen. Otto Pankok dachte in weiten Linien, dabei einbeziehend das täglich begegnende und zu leistende scheinbar Kleine als fassbares Abbild des großen Ganzen der Schöpfung.

Haus Esselt - das Wohnhaus der Familie Pankok in Drevenack. Links: Eva Pankok FOTO: Ekkehard Malz

Das zeigt der Film im Hause Pankok: Essen bereiten, Tiere versorgen, zeichnen, malen, Druckstöcke schnitzen, drucken, ordnen, archivieren, miteinander reden, kurz: das Leben feiern, alles in einem Haus, ein unteilbares Zusammengehöriges. Dem LVR ist für den Dokumentarfilm zu danken. Er wurde im Sommer 2015, als Tochter Eva Pankok noch lebte, gedreht. Diese war ebenfalls eine empfindsame Künstlerin, nahm sich aber fast vollständig zurück, um nach dem Tod ihrer Mutter Hulda geborene Droste, einer begabten Journalistin, die Geschicke des elterlichen Hauses zu lenken. Eva Pankok starb 90-jährig im Februar dieses Jahres im Wohnhaus der Familie, Haus Esselt, dem ehemaligen Herrenhaus des einstigen Gutes. Vor 58 Jahren hatte Otto Pankok das zum Verkauf stehende Anwesen erworben.

Es mag als Idyll erscheinen. Eine falsche Vorstellung. Es ist ein Haus, das vom Geist Otto Pankoks und seiner Familie geprägt ist: vom Geist der Humanität. Im Menschen Otto Pankok war dessen sittliches Gebot ohnehin angelegt, im Entsetzen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges der Anker, der das seelische Überleben des Soldaten ermöglichte, danach in dessen Existenz als Künstler die bestimmende Orientierung, die auch seine Familie beherzigte.

Eva Pankok hatte darauf bestanden, dass sie ihre Erinnerungserzählungen bestimmend in den Film einbringt. Die Regisseurin Dr. Dagmar Hänel war so einfühlsam und klug, sich darauf einzulassen, im Laufe der Dreharbeiten sichtlich immer verständiger, so dass ein überzeugendes ganzheitliches Werk entstand. Dafür sei sie gelobt und herzlich bedankt.

Evas warme Stimme ist zu hören. Sie erzählt, wie ihr Vater mit seiner Tochter am Tage nach der Pogromnacht zum jüdischen Malerfreund Stern ging, andere Freunde warteten die nächste Dunkelheit ab; wie er den Garten auf dem noch fast kahlen Grundstück plante, so wie ein Architekt seine Häuser: Evas sichere Gesten entwarfen wie ihr Vater die Sichtachsen, die die heutigen Lebensräume im Freien im Zusammenspiel mit dem Museumsbau und den Nebengebäuden schufen, für die Menschen ebenso für den prächtigen Hahn mit seinen frei laufenden Hennen. Sehr gut alles.

Worum geht es in Esselt? Es geht darum, den Geist dieser Stätte fürs Schauen und Nachsinnen über die Möglichkeiten des Menschen, wie er seiner Aufgabe, die Schöpfung zu erhalten, gerechter werden kann, in der Hoffnung, dass die hier vorgelebten immateriellen Werte nachfolgende Generationen anregen mögen, auf ihre ganz eigene Weise die Lebenswelt der Menschheit ein wenig besser zu machen. Kein Stillstand, aber Achtung des einst Geleisteten und Weiterbildung sind gemeint. Natürlich kann das nur gelingen, wenn sich Sachverstand (Kunst kennt Regeln, ist keine Geschmackssache!) und durchdachte neue Formen verbinden. Es geht nur in Zusammenarbeit mit den Familien Pankok-Droste, der Otto-Pankok-Gesellschaft, der Otto-Pankok-Stiftung und der Museumsleitung sowie der Einsatzbereitschaft der vielen Ehrenamtlichen. Ganz wichtig ist, dass sich der LVR weiter koordinierend und fördernd einbringt. Denn die bereits begonnene Umstellung auf moderne Archivierungsverfahren mit Hilfe der Digitalisierung ist geboten. Noch leben kundige Personen, die Pankoks Arbeit begleitet haben und befragt werden können. Wichtig ist die Realisierung größerer Ausstellungen unter Beibehaltung geschlossener Werk-Zyklen an möglichst bekannten größeren Orten. Die Passion Christi darf nicht gestückelt ausgeliehen werden. So bestimmte schon Ehefrau Hulda Pankok. Das als Prinzip begrüßenswerte didaktische Konzept für Schulen von Annette Burger vom Gymnasium in den Filder Benden Moers könnte wirksamer werden, wenn es von Anfang an mehr auf individuell freies Arbeiten statt auf einleitendes Abzeichnen gründete. Klar ist, dass Haus Esselt, besonders Wohnhaus und Garten, keine Stätte für eher touristische Veranstaltungen sein sollte.

Quelle: RP
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