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Schermbeck
Der erste Friseur der Familie zog noch Zähne

Schermbeck: Der erste Friseur der Familie zog noch Zähne
Gerd Nuyken (l.) bekam den goldenen Meisterbrief vom Obermeister der Friseur-Innung Wesel, Klaus Peter Neske. FOTO: hs
Schermbeck. 50 Jahre Friseurtätigkeit - und immer noch ist nicht Schluss für Gerd Nuyken. Schon sein Vater und Großvater arbeiteten als Friseure und auch für den 73-Jährigen war der Berufswunsch früh klar. Von Helmut Scheffler

Gestern Mittag wurde es eng in Gerd Nuykens Salon an der Mittelstraße 16. Fast der ganze Kegelclub "Einer steht immer", dem Gerd und Gisela Nuyken seit 1970 angehören, wollte dabei sein, als Klaus Peter Neske, Obermeister der Friseur-Innung Wesel, Nuyken den goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer überreichte. Dazu gab es eine Ehrenurkunde zum goldenen Betriebsjubiläum in Schermbeck.

120 Jahre Familienbetrieb 

Eigentlich hätte Gerd Nuyken sogar noch mehr feiern können: Die Anfänge des Familienbetriebs reichen 120 Jahre zurück. Großvater Gerhard Nuyken meldete am 1897 in Oberhausen einen Gewerbebetrieb als Barbier und Friseur an. Friseure hatten damals meist noch ein weiteres Gewerbe inne. So auch der ehemalige "Lazareth-Gehilfe" Gerhard Nuyken, dem der Düsseldorfer Regierungspräsident 1899 das Recht zur Ausübung chirurgischer Hilfeleistungen attestierte. Zuvor war die Bescheinigung des Stabsarztes des II. Bataillons Infanterie-Regiments Nr. 98 eingegangen, dass Nuyken auf der inneren-, bakteriologischen- und Ohrenstation, später auch auf der äußeren Station beschäftigt war. Er durfte fortan etwa Zähne ziehen und sich als "geprüfter Heildiener" bezeichnen.

Diese Berufswahl begeisterte auch den Sohn Gerhard Jakob Nuyken. Er ließ sich von 1917 bis 1920 im väterlichen Betrieb zum Barbier, Friseur und Perückenmacher ausbilden. 1920 bestand er die Gesellenprüfung, neun Jahre später auch die Meisterprüfung.

Vor 30 Jahren beteiligte sich die Frisier-Stube Nuyken mit ihrem Firmenchef Gerd Nuyken (r.) an der ersten Schermbecker Herbst-Modenschau im Saal Overkämping. FOTO: privat

Erster eigener Salon in Schermbeck

Es erstaunt daher wenig, dass der Enkel des Firmengründers ebenfalls Friseur wurde. Als 14-Jähriger begann der heutige Firmenchef Gerd Nuyken seine Lehre in Oberhausen, die er 1960 mit der Gesellenprüfung beendete. Als er im April 1966 die Meisterprüfung bestand, hielt er trotz Beschäftigung im elterlichen Betrieb in Oberhausen bereits nach geeigneten Ladenlokalen Ausschau.

"Eigentlich wollte ich in den norddeutschen Raum", sagt Gerd Nuyken, "doch dann kam alles anders." Zufällig entnahm er einer Annonce, dass im Hause Schulte-Drevenack die Räumlichkeiten der Verbands-Sparkasse Wesel frei wurden. Am 1. August 1967 wurde der Schermbecker Salon eröffnet, vier Jahre später die Filiale in Drevenack. Das Geschäft lief gut, so dass bald im Hause Hansen an der Georgsstraße 1 ein weiteres Geschäft eröffnet wurde. 1982 absolvierte auch Gisela Nuyken die Meisterprüfung. Der Salon an der Georgsstraße ist seit 2009 verpachtet und der heute 73-jährige Gerd Nuyken konzentriert sich seitdem auf den Barbier-Salon in der Mittelstraße: "Solange es die Gesundheit zulässt, werde ich weitermachen."

Ehrenamtliches Engagement

Etwa 40 Lehrlinge hat Gerd Nuyken als Meister auf ihren Beruf vorbereitet. "Davon ist keiner durchgefallen", freut er sich. Doch Gerd Nuyken betätigte sich im Ort auch ehrenamtlich. 1976 gründete er die Werbegemeinschaft mit und leitete diese von 1989 bis 1991. Zudem saß er vier Jahre lang den Sportschützen Schermbeck vor und war beim MGV "Eintracht" im Vorbereitungsteam der Karnevalsfeiern tätig. Auch bei der Kiliangilde ist er Mitglied, zuletzt sogar als Vizepräsident. 1998 regierte er mit Jutta Besten.

Quelle: RP
 
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