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Wesel
Der Große Kurfürst zieht an die Fassade

Wesel: Der Große Kurfürst zieht an die Fassade
Im ersten Obergeschoss der Rekonstruktion sind noch drei Plätze frei. Ganz links wird die Skulptur für Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg aufgestellt. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Rekonstruktion der historischen Rathaus-Front am Großen Markt geht weiter. Fünfte Skulptur kommt zur Kulturnacht. Von Fritz Schubert

Nur gut, dass Hilde Löhr (1897-1998) so eine begnadete Fotografin war und viele Ecken ihrer Heimatstadt Wesel in Szene gesetzt hat. Auf eine irre hohe Leiter ist sie mal mit ihrer Kamera geklettert, um den Skulpturen an der Fassade des Historischen Rathauses ins Auge schauen zu können. So sind vor der Zerstörung der Stadt im Februar 1945 jene Aufnahmen entstanden, die dann als Vorlage für die Rekonstruktion dienen konnten. Als einzig brauchbare Dokumente. Das gilt fürs Haus wie für die Standbilder der Potentaten im ersten Obergeschoss. Vier von insgesamt sieben Skulpturen stehen schon. Die fünfte kommt. Zur Kulturnacht am 17. September soll die Ankunft von Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688), der als Großer Kurfürst in die Geschichte einging, gefeiert werden.

Wie Dagmar Ewert-Kruse von der Bürgerinitiative im RP-Gespräch sagte, ist die Arbeit am Großen Kurfürsten schon recht weit gediehen. Dass er schon in Auftrag gegeben werden konnte, schreibt sie unter anderem der Tatsache zu, dass die vier anderen Figuren bereits zu sehen sind. Das habe die Spendenbereitschaft befeuert. Allein 35.000 Euro gab "ein einzelner Herr, der immer schon was spenden wollte", sagte Ewert-Kruse. Weitere 25.000 Euro für den Baldachin setzen sich aus vielen Einzelspenden von 150 bis 1000 Euro zusammen.

Wie mehrfach berichtet, werden die Skulpturen in einem aufwendigen Verfahren hergestellt: Von einem 3D-Druck wird eine Negativform für den Guss mit Steinmehl genommen. Die Baldachine indes sind reine Steinmetzarbeiten. Bis zu 290 Kilogramm wiegen die Figuren, weshalb bei der Montage an der Fassade auch vorsichtig zu Werke gegangen werden muss.

Hatte zuletzt ein großes Gerüst die ganze Breite überspannt, so wird man für Friedrich Wilhelm mit einem kleineren auskommen können. Er kommt, vom Markt aus gesehen, ganz nach links, gleich neben Herzog Adolf von Kleve-Mark. Für die dann noch leeren Standplätze fünf und sechs wird ebenfalls ein kleines Gerüst reichen. Doch muss zunächst für Rudolf von Habsburg und Dietrich VIII. von Kleve noch das nötige Geld zusammenkommen. Wer sich beteiligen möchte, kann sich unter Tel. 0281 27337 an Dagmar Ewert-Kruse oder an die Stadtinformation am Großen Markt 11 wenden.

Zurück zum Kurfürsten und zu Hilde Löhr, denn ihre Fotografie zeigt die Details, die nun mühsam nachzubilden sind. Zum Beispiel Hermelin im Mantel des Brandeburgers, ebenso die kronenartige Kopfbedeckung und der vergleichsweise unscheinbare kleine Stab in seiner rechten Hand. Er setzte ihn bewusst als Zeichen seiner Herrschaft ein. Das Accessoire geht Richtung Zepter, gilt auch als Vorläufer eines Marschallstabes. Solche Insignien waren Friedrich Wilhelm wichtig, stand er doch nach dem 30-jährigen Krieg vor einem leergeräumten Land, das er aufbauen musste. Erst 1666 kam er nach dem Erbfolgestreit in den Besitz Kleves. Er war kein Niederrheiner, aber durch seine Frau Louise von Oranien an der Fortschrittlichkeit der Niederländer interessiert. Friedrich Wilhelm gilt als ein Wegbereiter Preußens.

Quelle: RP
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