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Seit 2009 in Wesel
Das ist der hässlichste Weihnachtsbaum in NRW

2009 bis 2015: Der hässlichste Weihnachtsbaum in NRW
2009 bis 2015: Der hässlichste Weihnachtsbaum in NRW FOTO: Malz, Ekkehart
Wesel. Die Weseler halten ihren "Weihnachtsbaum" am Willibrordi-Dom für den hässlichsten in NRW. Alle Jahre wieder erregen sich seit 2009 an dem gut 20 Meter hohen Stahlgerippe die Gemüter. Angeschafft und aufgestellt hat ihn eine Händlervereinigung - die ihr Ziel erreicht sieht. Von Markus Plüm

Metallstreben, die nach oben zusammenlaufen und von Lichterketten umschlungen werden - ansonsten nichts. So sah die Premiere des stählernen Weihnachtsbaums auf dem Weihnachtsmarkt am Willibrordi-Dom und historischen Rathaus in Wesel im Jahr 2009 aus. Auf Bestreben der örtlichen Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) fertigte ein Schmiedemeister das fünfteilige, rund zwölf Meter hohe Metallgerippe. Kostenpunkt: 20.000 Euro.

Unterkühlt, puristisch, nüchtern. So lauteten bereits damals die noch freundlichsten Kommentare aus der Bürgerschaft. Bei seinem nächsten Einsatz zwei Jahre später wollten die ISG-Verantwortlichen ein wenig mehr Wärme und Liebe an das Konstrukt bringen, schmückten ihn mit einer großen roten Schleife, einem Stern auf der Spitze und einer Girlande im Tannengrün-Design. 

Den einzigen Erfolg, den der Metallbaum damit erzielte: Er landete in einem Ranking der "BILD" unter den zehn schrägsten Weihnachtsbäumen in Deutschland. Die Zuneigung seiner Betrachter konnte er allerdings immer noch nicht für sich gewinnen. So geschmückt sei er als moderner Baum zu überladen, fürchterlich würde er aussehen. Die Weihnachtsmarktbesucher waren sich größtenteils einig. Besonders die hohen Fertigungskosten stießen vielen Bürgern übel auf.

Auch wenn vermehrt die Rufe nach einem echten, harzenden Exemplar lauter wurden, hielt die ISG an ihrer "Tanne" fest. 2013 präsentierte sie das Gerippe erneut in einem anderen Design, ließ das künstliche Tannengrün wieder weg und behängte die Metallstreben mit überdimensionalen roten und goldenen Kugeln. Einzig die Kommentare der Bürger wollten einfach nicht besser werden. Warum man nicht einfach einen stinknormalen Tannenbaum aufstellen könne, schließlich gebe es ja sogar in New York so einen, hieß es.

Der absolute Hässlichkeits-Höhepunkt ist aber in diesem Jahr erreicht. Die Metallstreben sind mit roten, orangenen und gelben Planen bestückt, darauf sind Bibelsprüche und das Loriot-Zitat "Früher war mehr Lametta" abgedruckt. Immerhin scheinen die Verantwortlichen ihren Humor nicht verloren zu haben. Dennoch fragen in diesem Jahr selbst kleine Kinder ihre Eltern, "was das mal werden soll".

Und auch die älteren Bürger finden auch im vierten Versuch keinen Gefallen am Metallbaum. Manche machen sich sogar Sorgen um die neuen Figuren an der historischen Rathausfassade: "Hoffentlich fallen die alten Herren nicht vor Schreck von ihren Sockeln", sagt Mechthild Vinkenflügel. Und R. Schleking meint: "Der ,Tannenbaum' auf dem Marktplatz hat schon immer den ersten Preis des hässlichsten Baumes verdient, aber in diesem Jahr übertrifft er sich selbst." Manuel Werdelmann sieht den Baum ebenso kritisch: "Der Stahlzylinder alias ,Baum' ist einfach nur hässlich." 

Gernot Heinz sah sich sogar veranlasst, ein Gedicht verfassen zu müssen: "Zur Weihnachtszeit ein Weihnachtsbaum / wär' selbst des Esels Weihnachtstraum. / Nun hat zwar Wesel viele Esel, / doch leider keinen Weihnachtsbaum." Und Dirk Jacobs schreibt: "Für eine Kreisstadt ist das, was hier seit Jahren in der Weihnachtszeit geboten wird, einfach nur peinlich. Der Weihnachtsbaum ist längst das Gespött am Niederrhein und dieses Jahr hat man sich im Design noch mal kräftig unterboten."

Der Metallbaum provoziert und polarisiert, bricht mit Gewohnheiten. Ihr Ziel, mit dem die Verantwortlichen im Jahr 2009 angetreten sind, haben sie daher erreicht - Baum und Stadt sind überregional im Gespräch. Das freut natürlich auch Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (SPD): "Welche Stadt - außer Madrid - kann schon einen solchen Baum vorweisen? Allerdings muss ich sagen, dass ich die diesjährige Variante auch zu schlicht und einfach finde. Das war in den vergangenen Jahren schöner gelöst." Aber letztendlich stelle der Baum ein Kunstobjekt dar und somit liege die Schönheit dann im Auge des Betrachters.

Viele dieser Betrachter sehen in dem Metallkonstrukt aber anscheinend nichts Schönes. Daher spricht ein Kommentator vielen Bürgern wohl aus der Seele: "Gut, dass der Baum rostet."

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