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Wesel
Der Rosenmontagszug wird multikulti

Wesel: Der Rosenmontagszug wird multikulti
Serap Akdamar freut sich auf ihre Premiere beim Rosenmontagszug. Welches Kostüm sie tragen wird, steht allerdings noch nicht genau fest. Prinzessin ist eine Option. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)
Wesel. Serap Akdamar ist Alevitin und ein großer Karnevalsfan. Mit anderen Mitgliedern aus ihrer Gemeinde nimmt sie in diesem Jahr erstmals am Weseler Rosenmontagszug teil - mit eigenem Wagen und einer Fußtruppe. Von Laura Ihme

Die Karnevalssession nähert sich ihrem Höhepunkt: Knapp zehn Tage sind es noch bis Rosenmontag mit dem großen Umzug durch die Weseler Innenstadt. Und der wird in diesem Jahr noch ein wenig bunter werden als bislang. Denn mit Serap Akdamar und ihrer Truppe beteiligen sich in diesem Jahr erstmals Mitglieder der alevitischen Gemeinde aus Wesel an dem Umzug mit der klaren Botschaft: Karneval ist ein Fest der Vielfalt und für alle Menschen zugänglich. Ein wichtiges Zeichen in Zeiten, in denen die Debatte um nach Deutschland geflohene Menschen aus Krisengebieten in der ganzen Welt ins Negative zu kippen droht.

"Unser Karnevalswagen ist multikulti. Es sind Menschen aus der alevitischen Gemeinde dabei genauso wie Christen. Das ist doch ganz normal. Im Karneval geht es doch darum, Spaß zu haben - vor allem für Kinder", sagt Akdamar. Sie selbst ist erst als Erwachsene so richtig jeck geworden. "Ich komme ursprünglich aus dem Sauerland, da gibt es nicht wirklich Karneval", sagt die 37-Jährige.

Erst als sie selbst Mutter wurde und nach Wesel zog, fing sie an, Karneval zu feiern und besuchte mit ihren Kindern den Zug, um Süßigkeiten zu sammeln. Vergangenes Jahr beteiligte sie sich erstmals mit einer offiziellen Aufgabe am Geschehen: Als Jury-Mitglied wählte sie die schönsten Karnevalswagen und Kostüme des Rosenmontagszuges aus. Und weil ihr das so gut gefiel, entschied sie, in diesem Jahr selbst mitzufahren und eine Truppe zusammenzustellen. Dass der Karneval ursprünglich ein christliches Fest ist und damit eigentlich nichts mit ihrer Religion, dem Islam, dem die Aleviten angehören, zu tun hat, stört sie nicht. Im Gegenteil - für Serap Akdamar ist Karneval einfach nur ein Fest der Freude.

Vielfalt ist ihr deshalb auch nicht nur in religiöser Hinsicht wichtig: Denn unter den Teilnehmern befindet sich auch ihr 15-jähriger Sohn Diyar. Er ist ein Autist. "Und er freut sich wahnsinnig auf Rosenmontag. Menschen wie er gehören genauso dazu und können genauso viel Spaß an der Feier haben", sagt Akdamar, die damit auch anderen Müttern und Vätern autistischer Kinder Mut machen möchte, sich nicht zu verstecken.

Gemeinsam mit Serap Akdamar und ihren Kindern stellen insgesamt 15 Teilnehmer die Multikulti-Truppe. Für zehn von ihnen ist auf dem Wagen Platz, den der CAW zur Verfügung gestellt hat, der Rest begleitet den Wagen zu Fuß. "Wir haben den schönsten Wagen überhaupt bekommen: Den alten Tulpenwagen, in dem früher immer das Prinzenpaar mitgefahren ist", sagt Serap Akdamar. Und ein Prinzenwagen braucht natürlich auch eine Prinzessin.

"Also wird das vielleicht mein Kostüm", sagt sie und lacht. Denn auch die Kostüme dürfen sich ihre Mitziehenden frei aussuchen - je bunter, desto besser. Multikulti eben mit ganz vielen Süßigkeiten. Und noch mehr: Für die Kinder am Wegesrand hat sich Serap Akdamar nämlich noch etwas Außergewöhnliches ausgedacht. Einen Monat lang war sie in der Stadt unterwegs und hat kleine Geschenke wie Stifte und Bastelmaterialien besorgt. Sie werden an die besonders toll verkleideten Kinder verteilt.

Quelle: RP
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