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Hamminkeln
Der Saftladen erfindet sich neu

Hamminkeln: Der Saftladen erfindet sich neu
Peter van Nahmen (l.) und Mitarbeiter Max Reinders. FOTO: Malz
Hamminkeln. Im 100. Jahr des Bestehens wird das Unternehmen Obstkelterei Van Nahmen Produktion und Logistik konzentrieren. Von Thomas Hesse

Der Sommer kann kommen: Van Nahmens neueste Erfrischung steht schon in den Startlöchern. Landschorle, wie sie einst "Chef" Wilhelm van Nahmen mixte, gibt es in den Sorten Rhabarber, Quitte und Apfel von der Streuobstwiese. Das Gebinde mit den naturfarbenen Produkten ist auch ein Bekennntnis zu Hamminkeln. Großvater van Nahmen blickt selbstbewusst vom Flaschenträger aus Pappe, im Hintergrund ist das Dorf zu sehen und die katholische Kirche direkt neben der Obstkelterei an der Diersfordter Straße. Peter van Nahmen, der den renommierten Saftladen heute betreibt, hat nicht nur seinen Vorfahren geehrt und die Tradition der Säfte vom Lande mit einem Bekenntnis zu Hamminkeln verbunden. Sein Betrieb ist auch Botschafter der Stadt, wenn es um vollmundig schmeckende Säfte geht. Nun will er das Unternehmen am Stammsitz fast verdoppeln, was die Fläche betrifft. Das hat der Planungsausschuss zwar als "vorhabenbezogenen Bebauungsplan" akzeptiert, aber Bedenken gab es durchaus.

Peter van Nahmen versucht sie einerseits, lokalpatriotisch zu zerstreuen. "Wir fühlen uns sauwohl am Standort", sagt er. Die Tradition eines Familienbetriebs mit - je nach Erntesaison - 25 bis 30 Mitarbeitern ist für viele Hamminkelner ein hohes Gut. Die Obstkelterei, die nächstes Jahr 100 Jahre alt wird, gehörte immer zum Dorf. Andererseits argumentiert van Nahmen mit den Fakten, die auch die Skeptiker im Ausschuss nicht übersehen können. Denn der Betrieb wächst in südliche Richtung, wo Ackerland ist und die nächste Bebauung recht weit entfernt. Dazu wird auf dem bestehenden Gelände eine neue große Lagerhalle von 1950 Quadratmetern errichtet. Die Abfüllanlage soll teils in besser isolierten Räumen unterkommen, dazu wird ein altes Schätzchen, die 52 Jahre alte Flaschenwaschanlage, erneuert - mit all den Vorteilen modernen Energie- und Wasserverbrauchs. "Das ist im Prinzip keine Erweiterung des Unternehmens im Sinn von Produktionsausweitung, sondern optimiert und konzentriert Abläufe und Logistik", sagt Peter van Nahmen.

Er will zusätzlich Lager in der Daßhorst und an der Industriestraße am Hauptsitz zentralisieren, wodurch auch innerörtliche Verkehr wegfällt. Zudem findet die Etikettierung der Premiumsäfte wie "Rote Sternenrenette", die in edel anmutenden Weinflaschen verkauft werden, in Velbert im Kreis Mettmann statt. Die Flaschen werden in Kisten dorthin gekarrt, einzeln ausgepackt, etikettiert, in Kartons verpackt und zurückgeliefert, ebenso wie die leeren Kisten. Das würde künftig wegfallen.

Da ebenfalls eine neue südliche Betriebszufahrt schräg gegenüber der Rathausstraße gebaut wird, ist auch die enge, nicht gerade übersichtliche heutige Ausfahrt entschärft. Trotzdem war Kritik an der Verkehrslage nicht kleinzukriegen. Die Nachbarn an der Zufahrt seien zufrieden mit der Lösung, sagt van Nahmen. Auch die Mitarbeiterparkplätze waren Debattenthema. Die will die Firma einrichten, doch die vollgestellte Radanlage zeugt davon: viele kommen mit dem Radel. Manche stellen Autos aber auch auf dem Kirchenparkplatz ab. Den hat einst Peter van Nahmens Urgroßvater der Kirche geschenkt.

Quelle: RP
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