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Wesel
Der sehr milde Winter lässt die Landwirte rätseln

Wesel. Weil die Natur schon viel zu weit ist, kann kräftiger Frost zu Problemen führen, sagt Kreisbauer Wilhelm Neu. Von Fritz Schubert

Wie lange darf man Heiligabend Rasen mähen? Bis sich die grillenden Nachbarn gestört fühlen. - Witze dieser Art nehmen zu, je länger das Wetter Kapriolen schlägt. Der milde Winter hat natürlich seine guten Seiten: Kaum Glätte auf den Straßen, die Heizung kann auf Sparflamme gefahren werden und klare Tage mit Sonnenschein erfreuen das Gemüt. Aber so richtig wohl ist einem trotzdem nicht, weil es ja irgendwie nicht normal ist. Was die außergewöhnliche Witterung für Folgen haben wird, können auch diejenigen noch nicht abschätzen, deren Existenz davon abhängt. "Die Landwirte staunen und wissen nicht, was da auf sie zukommt." So beschreibt Wilhelm Neu aus Brünen die aktuelle Gefühlslage in der Branche. "Die Natur ist schon viel zu weit. Frost kann zu einer Katastrophe führen und die Entwicklung im Ansatz ersticken", sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft.

Apfel, Kirsche, Haselnuss sprießen schon aus. "Klar, dass es bei Frost dann weniger Obst gibt und es für die Erzeuger zu Verlusten kommt", fürchtet Wilhelm Neu. Ackerbauern indes seien bislang noch nicht so sehr betroffen. Diese seien damit beschäftigt, die seit diesem Jahr geltenden Greening-Auflagen zu erfüllen, um ihre EU-Prämien zu retten. Diese könnten teils 30 bis 40 Prozent des Einkommens ausmachen. Besagtes Greening bedeutet laut Deutschem Bauernverband Zusatzleistungen für Natur und Umwelt mit dem Ziel, einen ökologischen Mehrwert zu schaffen. Dahinter steckt im Grunde eine ganzjährige Bodenbedeckung statt temporär brach liegenden Flächen. Es soll Dauergrünland erhalten werden, auf Äckern mindestens fünf Prozent ökologische Vorrangflächen und Fruchtartendiversifizierung geben. Normalerweise, so Neu, würde die Natur im Wachstum einen Stopp von zwei bis drei Monaten einlegen. Klimatische Verhältnis wie in diesen Tagen hat der 65-jährige Kreisbauer in seinem ganzen Leben noch nicht erlebt. "Ein Buch mit sieben Siegeln", sagt er zur Frage, was wann ausgesät oder gepflanzt werden sollte. Rüben, Sommergetreide, Mais wären im Frühjahr dran. Doch wenn kein richtiger Winter mehr kommen sollte, müsste das alles früher passieren. "Erfahrung hilft auch nicht, weil wir die mit solchen Bedingungen ja gar nicht haben", sagt Neu und sieht weitere Probleme kommen. Zum Beispiele eine Vermehrung der Wildschweine, die "immense Schäden anrichten". Zudem hat er die globale Landwirtschaft im Blick, sagt höhere Preise voraus, wenn in einigen Teilen der Welt nicht so viel produziert wird, weil es Ausfälle gibt oder Flächen unter Wasser stehen.

Quelle: RP
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