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Hamminkeln
Der Spaßvogel unter den Pianisten hat Witz und Charme

Hamminkeln. Riesenbeifall beim Abschluss der Marienthaler Winterabende: Christoph Reuter traf auf ein sing- und summgewohntes Publikum. Von Thomas Hesse

Es war ein sehr munterer und sehr erfolgreicher Abschluss der Marienthaler Abende, der Chef-Programmmacher Heinz van Triel Mut machte. "Wir setzen beide Reihen im Sommer und im Winter fort. Die Resonanz hat uns gestärkt", sagte der Ehrenamtliche fürs Team, das seit 30 Jahren ohne öffentliche Förderung Kultur der Extraklasse aufs Dorf bringt. In diesem Jahr hatte es auf 500 Veranstaltungen zurückgeschaut. Und es geht weiter.

Für ein begeistertes, antikarnevalistisch gestimmtes Publikum am Rosenmontag sorgte Pianist und Plauderer Christoph Reuter für gekonnte Abwechslung. Der langjährige Tour-Begleiter von Dr. Eckart von Hirschhausen erhielt Riesenbeifall, das Publikum im Hotel Haus Elmer ließ ihn erst nach mehreren Zugaben gehen.

"Alle sind musikalisch! (außer manche)" heißt Reuters aktuelles Programm, das durchaus gezielt beliebig klingt, aber auf Musikalität aller Zuhörer zielt. Die dürfen und sollen mitsingen - was dank offensichtlich anwesender, textsicherer und aktiver Chormitglieder bestens gelang - und Mitsummen, Musiktitel raten und Klavierakkorde erkennen, die zu immergrünen Liedern aus Klassik, Pop und Jazz gehören.

Immer wieder neue, "wissenschaftlich erwiesene" Erkenntnisse zauberte der Musikpädagoge auf die Tasten. Zum Beispiel, dass der Mensch eine angespielte Melodie im Kopf zu Ende klingen lässt, auch wenn der Pianist vorher abbricht. Oder dass Filmmusik zum Kinostreifen passen muss. "Wie hört sich das denn an?", fragte er und spielte zum Schwarzenegger-Blockbuster und den Yedi-Rittern den "Mana Mana Song". Das alles wogte eineinhalb Stunden zwischen Musiker und Publikum hin und her, dass es eine Lust war.

Der Akteur auf der kleinen Bühne verstand schnell, wie das Publikum auf der Mitmachschiene tickte. Christoph Reuter, der Pianist, machte es leicht, in die Darbietungen einzusteigen. Ständig garnierte er Lieder mit Bonmots, Infos zum musikverarbeitenden Gehirn und dem kreativen Witz, aus ein paar Grundnoten Welthits zu komponieren. Der Spaßvogel unter den Pianisten gab sogar ein Erfolgsversprechen mit der an alle Gäste verteilten C-Kralle aus, durch die sich die drei entscheidenden Finger stecken lassen, mit denen sich hitverdächtig die Klaviertastatur traktieren lässt.

Der Berliner ist ein ausgezeichneter Pianist, der sich als Musikkabarettist ausgibt. Er ist amüsant, charmant, schlau. Die Häppchen, die er aus Klassik, Schlagern, Rock, Eigenkompositionen und Jazzimprovisationen herausgepickt hat, sind gekonnt arrangiert. Sein zwischendurch bei längeren Klavierpassagen aufblitzendes Können macht Laune und Lust auf mehr. Allerdings bleibt der Anteil der ohne Zwischentexte gespielten Stücke überschaubar. Schade, der Kabarettist überlagerte den Klavierspieler doch sehr.

Quelle: RP
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