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Wesel
Der stille Raum des Marien-Hospitals

Wesel: Der stille Raum des Marien-Hospitals
Die Kapelle ist auch als Raum der Stille gedacht, in dem Patienten, Mitarbeiter und Besucher des Marien-Hospitals jederzeit beten können. FOTO: Oliver Burwig
Wesel. Im April weihte der Xantener Bischof Wilfried Theising die Kapelle des Marien-Hospitals nach deren Umzug ins Erdgeschoss ein. Hier finden an fast jedem Wochentag Messen statt. Wie ist es am neuen Ort der Stille im Krankenhaus? Von Oliver Burwig

Ein Klicken, dann das Surren der automatischen Tür. Eine weißhaarige Frau betritt die Kapelle des Marien-Hospitals, nimmt sich eines der grauen Gesangbücher, verneigt sich kurz tief in Richtung Kruzifix und noch einmal, bevor sie Platz auf der Bank nimmt. Neben der älteren Frau sitzen noch sechs weitere Besucher und fünf indische Ordensschwestern in der Stille des kleinen, hellen Kapellraums. Feine Rußfahnen steigen über den zwei Kerzen auf, die vor Pastor Johannes Vermöhlen auf dem Altar stehen. Kinderschreie dringen von draußen durch die leicht geöffneten Fenster. Der Pastor breitet seine Arme aus, der Gottesdienst beginnt.

Laut war die Kritik im vergangenen Jahr, als bekannt wurde, dass die ehemalige Kapelle im Laufe des Um- und Ausbaus des Krankenhauses mehreren Patientenzimmern weichen würde. Die neue im Erdgeschoss des Marien-Hospitals wirkt freundlich, schlicht und bescheiden. Orgel und Mobiliar stammen noch aus den alten Räumen. Ebenso die modernen Kirchenbänke aus hellem Holz, die allerdings an die neue Umgebung angepasst - sprich: halbiert - werden mussten.

Etwa 40 Leute können laut Pastor Vermöhlen an einem Gottesdienst teilnehmen. Kommen in der Woche nur etwa 15 Gläubige zur katholischen Messe, ist der Kirchenraum bei den Sonntagsgottesdiensten regelmäßig mehr als ausgelastet. Denn er erfüllt nicht nur die Funktion einer Krankenhauskapelle für Mitarbeiter und Patienten. "Fast alle Gottesdienstbesucher kommen aus der Umgebung", sagt Vermöhlen. "Patienten haben wir hier immer nur ganz wenige." Wer gesund genug sei, eine Stunde in der Messe zu bleiben, den schicke man nach Hause, scherzt Vermöhlen. Viele seien aber auch gar nicht in der Lage, teilzunehmen. Zwar können sich die Patienten des Hospitals jede Messe per Video-Übertragung anschauen oder per Kopfhörer im Zimmer mithören, das tut nach vorsichtiger Schätzung des Pastors nur etwa ein Zehntel der Menschen, die in stationärer Behandlung sind.

Obwohl Vermöhlen die Größe des Raums im Vergleich zum ehemaligen bedauert ("ein bisschen klein"), lobt er ihn doch als "schönen Gebetsraum", dessen Wert vor allem im stillen Gebet liegt, für das ihn viele Besucher nutzen. Ein großer Teil der Gottesdienstbesucher bleibe seit dem Umzug der Kapelle zwar aus, als Raum der Stille sei sie aber nach wie vor wichtig und geeignet, einen Kontrast zum oft hektischen Betrieb im Hospital herzustellen.

An diesem Brückenschlag sind auch die sechs Ordensschwestern aus Indien beteiligt, die derzeit am Marien-Hospital beschäftigt sind. Eine von ihnen wirkt als Seelsorgerin, die fünf anderen arbeiten im normalen Krankenhausbetrieb. Gemeinsam mit Vermöhlen gestalten sie die Liturgie, bereiten den Gottesdienst vor, verteilen Gebetsbücher und übernehmen die Lesungen in der Messe.

Bis November wird der 75-jährige Vermöhlen, der seit zwölf Jahren Pastor am Marien-Hospital ist, die Messen leiten. Dann soll über die Zukunft der Gottesdienste im Krankenhaus entschieden werden. Eine Pastoralereferentin wird viele Aufgaben Vermöhlens übernehmen. Dass es auch einen neuen Priester geben wird, der die Messeleitung vom offiziell schon jetzt emeritierten Vermöhlen übernimmt, hält dieser für unwahrscheinlich, betont aber, dass noch nichts entschieden sei. Bis dahin wird der 75-Jährige die Messe abhalten an diesem Ort, der so anders ist als alle anderen im Marien-Hospital.

Quelle: RP
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