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Kreis Wesel
DGB fordert Weiterbildungsoffensive

Kreis Wesel. Von Arbeitslosigkeit sind vor allem An- und Ungelernte betroffen. Sie sollen besser unterstützt werden.

2016 lag die Arbeitslosenquote im Kreis Wesel bei 7,1 Prozent - darunter waren besonders viele An- und Ungelernte. Je nach Bildungsstand sind die Risiken, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, sehr ungleich verteilt. An- und Ungelernte etwa haben ein mehr als fünfmal höheres Risiko, arbeitslos zu werden als Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem Studium. Deshalb fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) jetzt eine "regionale Qualifizierungsoffensive", wie Regionsgeschäftsführerin Angelika Wagner sagt. Damit sollen Geringqualifizierte unterstützt und weitergebildet werden.

Das begründet der DGB unter anderem mit der guten konjunkturellen Lage. "Es ist "genügend Geld vorhanden, um die verfügbaren Instrumente für berufliche Bildung und Weiterbildung zu nutzen", sagt Wagner. Zahlen verdeutlichen die Not der Geringqualifizierten: Über die Hälfte aller Arbeitslosen im Kreis Wesel waren 2016 Ungelernte. Und während Personen mit einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung nur zu 4,5 Prozent arbeitslos waren (und Akademiker sogar nur zu 1,7 Prozent), lag die Quote bei Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung bei 23,6 Prozent. Zudem sind Geringqualifizierte ebenfalls stärker von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.

Dieses Abrutschen in die Langzeitarbeitslosigkeit will der DGB mit seiner Weiterbildungsoffensive verhindern. Für Beschäftigte gebe es etwa das Programm Wegebau der Bundesagentur für Arbeit. Damit können geringqualifizierte oder ältere Beschäftigte gefördert werden. Unternehmer, die Weiterbildungsmaßnahmen anbieten, können Zuschüsse erhalten. Bei der Weiterbildung von Geringqualifizierten werden sogar Lohnkostenzuschüsse für die Ausfallzeiten gezahlt werden.

Beziehen die Geringqualifizierten jedoch bereits Hartz IV, sind laut DGB vor allem die Jobcenter in der Pflicht. "Hier muss deutlich mehr in abschlussbezogene Weiterbildungen investiert werden", sagt Wagner. "Mittel, die eigentlich für die Förderung von Arbeitslosen und hilfebedürftigen Beschäftigten gedacht waren, dürfen nicht stattdessen in die Verwaltungen der Jobcenter fließen."

Der DGB fordert zudem die Unternehmen auf, wieder mehr betrieblich auszubilden. Im Agenturbezirk Wesel bieten demnach nur noch 23,2 Prozent der Unternehmen eine betriebliche Ausbildung an. 2007 waren es noch fast 28 Prozent. "Es kann nicht sein, dass sich im Agenturbezirk Wesel von 2007 bis 2016 ganze 452 Unternehmen aus der Verantwortung gezogen haben und nicht mehr ausbilden", sagt DGB-Kreisvorsitzender Marvin Kuenen. "Vor diesem Hintergrund wundert mich die anhaltende Diskussion um Fachkräftemangel. Wer heute ausbildet, braucht sich morgen nicht über Fachkräftemangel beschweren."

Schließlich nimmt der DGB auch die Betroffenen selbst in die Pflicht. Im Kreis Wesel habe jede sechste Erwerbsperson keinen Berufsabschluss. Dieser schütze aber vor Arbeitslosigkeit. So liege das Risiko, aus Beschäftigung heraus arbeitslos zu werden, bei Fachkräften mit einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung bei gerade einmal 0,5 Prozent. Deshalb sollten alle vorhandenen Instrumente für die abschlussbezogene Weiterbildung - sowohl beim Jobcenter als auch in der Agentur - genutzt werden.

Quelle: RP
 
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