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Rp-Thema Deutsche Oper Am Rhein
"Diamantene Hochzeit" für Opernehe

Rp-Thema Deutsche Oper Am Rhein: "Diamantene Hochzeit" für Opernehe
Besonders bejubelt wurde Silvia Hamvasi (Sopran). Sie beeindruckte mit zwei Ausschnitten aus "Madame Butterfly". FOTO: Hans Jörg Michel/DOR
Wesel. Vor 60 Jahren wurde die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg gegründet, nach wie vor ein Erfolgsmodell. Nun gab die Rheinoper mit einem Jubiläumskonzert einen Ausblick auf die neue Duisburger Spielzeit. Von Ingo Hoddick

Niederrhein Im September 1956 wagten die Städte Düsseldorf und Duisburg ein Projekt, das in seiner Art damals einzigartig in der deutschen Kulturlandschaft war: eine musikalische Theatergemeinschaft, die Oper und Operette mit Ballett in einer Gemeinschaft vereinigt, jedoch zwei Spielstätten betreibt. Was zunächst als Zweckgemeinschaft aus finanziellen Erwägungen begonnen hatte, erwies sich zunehmend als Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Schon bald nach Beginn der ersten Spielzeit 1956/57 wurde von der Fachwelt eine "bedeutende künstlerische Leistungssteigerung" bescheinigt. Zwei Jahre später zählte die "Deutsche Oper am Rhein", wie sich die Theatergemeinschaft seitdem nennt, bereits zu den fünf renommiertesten Opernbühnen Deutschlands.

Heute ist sie fest im Kulturbetrieb des Rheinlands verankert und verfügt über das größte Opernensemble der Bundesrepublik. Dem Erfolg schadet auch das stete Bangen um den Fortbestand als der liebevoll als "Opernehe" bezeichneten Gemeinschaft nicht. Vielmehr ist die Freude beim Publikum jedes Mal groß, wenn die finanziellen Schwierigkeiten wieder einmal überwunden werden konnten, zuletzt 2012 (die RP berichtete).

Duisburg war in dieser Verbindung immer der kleinere Partner. Aber es wurde von Anfang an darauf geachtet, dass auch hier große Ereignisse ihre Premiere hatten, so gleich 1956 die Westdeutsche Erstaufführung der Oper "Die Bernauerin" von Carl Orff. Zwei Jahre später folgte die Europäische Erstaufführung der Oper "Der Glockenturm" von Ernst Krenek. Musikalischer Leiter eines aus Oper und Ballett gemischten Ravel-Abends war 1963 der später legendäre Dirigent Carlos Kleiber. Zum Abschluss seiner Gründungsintendanz brachte Hermann Juch 1964 in Duisburg die Deutsche Erstaufführung der Molière-Oper "Der Herr von Pourceaugnac" von dem Schweizer Frank Martin heraus.

Generalintendant bis zum Jahr 1986 war dann Grischa Barfuss, übrigens geboren in Duisburgs heutiger litauischer Partnerstadt Vilnius. 1972 begann mit der Duisburger Premiere der Oper "Das schlaue Füchslein" von Leos Janácek die Entdeckung dieses Komponisten außerhalb des tschechischen Sprachraums. Hier gab es dann die Deutschen Erstaufführungen der Barockoper "L'Ormindo" von Francesco Cavalli (1972) und der Dürrenmatt-Oper "Ein Engel kommt nach Babylon" des Schweizers Rudolf Kelterborn (1977). Leider wurde die Oper "Die Wiedertäufer" von Alexander Goehr bei ihrer Uraufführung in Duisburg 1985 ziemlich verschandelt.

In den zehn Jahren der Generalintendanz von Kurt Horres folgten hier Wiederaufführungen von Opern des 20. Jahrhunderts, vor allem 1991 "Die Bassariden" von Hans Werner Henze.

Die Duisburger Premiere einer Produktion von Giacomo Puccinis Oper "Turandot" war 1993 der Durchbruch für den Dirigenten Fabio Luisi.

Unter Generalintendant Tobias Richter (1996-2009) brachten die Duisburger Premieren der Oper "Alcina" von Georg Friedrich Händel (1999) und der Shakespeare-Oper "Was ihr wollt" (2001) von Manfred Trojahn den Dirigenten Jonathan Darlington (später Duisburgs Generalmusikdirektor) und die Sopranistin Marlis Petersen groß heraus. 2002 stieg hier die szenisch misslungene Uraufführung der Oper "Madame La Peste" von dem Wahl-Duisburger Gerhard Stäbler, ein Jahr später die Ruhrtriennale-Produktion "TheaterKonzert" mit der Uraufführung "Das Konzert" von Mauricio Kagel, der dabei selbst am Dirigentenpult der Duisburger Philharmoniker stand.

Bei der Monumentaloper "Les Troyens" von Hector Berlioz wurde 2005 der erste Teil "Die Einnahme von Karthago" in Duisburg gespielt, der zweite Teil am selben Abend in Düsseldorf.

Heute heißt der Generalintendant Christoph Meyer. 2010 wurde hier im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr Henzes Oper "Phaedra" gegeben. Herausragend sind die Opern für junges Publikum auf der großen Bühne, die immer zuerst in Duisburg herauskommen. Die erste Uraufführung in dieser Reihe war 2014 "Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte" von Marius Felix Lange. Auch Duisburgs heutiger GMD Giordano Bellincampi wurde für unsere Stadt "entdeckt", als er Kapellmeister an der Rheinoper war.

www.operamrhein.de

Quelle: RP
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