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Bernd Romanski
"Die Bürger nerven wohl"

Wesel. Herr Bürgermeister, wie sieht Ihr vorläufiges Fazit zur Anhörung aus?

Bernd Romanski Ernüchternd. Das Ziel der Bahn ist es offensichtlich, die Liste der strittigen Themen auszudünnen. Bewegung ist bei ihr nicht zu erkennen. Kompromisse gegenüber den Bürgern gibt es nicht. Gute Argumente zählen nicht. Sie könnte als Vorhabenträgerin weiter sein. Warum zum Beispiel ermöglicht sie Anwohnern, die durch Erschütterungen Folgen für ihr Haus fürchten, nicht Beweissicherung zu? Beim Milliarden-Gesamtvolumen fällt das doch nicht ins Gewicht.

Sie kritisieren also den Umgang mit den Einwendern.

Romanski Ja, es spiegelt die Art des Umgangs wider, wenn man sich die durchgängigen Standardantworten der Bahn vergegenwärtigt. Oder die Tatsache, dass der Erschütterungs-Gutachter einfach geht. Welche Art von Vorbereitung auf den Termin ist denn das? Die Bürger nerven wohl. So ist die Gesprächsführung zwei Tage gut gelaufen, aber gestern war die Versammlungsleiterin zunehmend genervt.

Wie verhalten sich die privaten Einwender?

Romanski Die Bürger halten toll durch, sind hartnäckig, bleiben sachlich. Die Mehrhooger zeigen Charakter. Obwohl es nicht immer leicht ist, die Ruhe zu bewahren.

Ein Beispiel?

Romanski Zum Beispiel die Kosten-Nutzen-Analyse der Bahn zum Lärmschutz. Die Kosten sind beziffert, der Nutzen nicht. Da heißt es nur "zu teuer". Es wird nicht einmal ein Beispielfall erläuternd dargestellt. Die Bahn hat sich schlecht vorbereitet. Sie hätte mit mehr Zuwendung an die Anwohner und etwas Bewegung viel mehr erreichen können.

Wie sieht es mit dem Thema Troglage aus?

Romanski Damit endete der zweite Anhörungstag. Und mit der Zusage, gestern Kosten zu nennen. Aber die Versammlungsleiterin beendete das Thema gestern einfach. Ich habe nach den Kosten gefragt, darauf hieß es, in Gesprächen mit der Stadt werde das noch Thema sein. Es muss doch möglich sein, die Zusatzkosten zum normalen Streckenausbau zu nennen. Die Menschen an der Betuwe haben Anspruch auf solche Infos.

Welche Erkenntnisse nimmt die Stadt für ihr weiteres Handeln mit?

Romanski Wir halten unsere Vorbehalte gegen den Ausbau aufrecht. Wir haben gesehen, dass es beim Lärmschutz und auch sonst kein konkretes Entgegenkommen gibt. Es gibt bestenfalls Andeutungen. Deshalb müssen wir zusehen, dass wir unsere Interessen an anderer Stelle, also beim Eisenbahnbundesamt, durchsetzen.

Bleiben Sie bei Ihrer Linie?

Romanski Es gibt keine Kompromisslinie. Ein zweiter Erörterungstermin, nicht einfach eine Fortsetzung wäre richtig.

THOMAS HESSE FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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