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Niederrhein
Die Drehscheibe stößt an ihre Grenzen

Niederrhein: Die Drehscheibe stößt an ihre Grenzen
Auch das ist Logistik: Neuwagen, die auf dem Logport-Gelände auf ihren Weitertransport warten. FOTO: Christoph Reichwein
Niederrhein. Duisburg hat den Ruf, eine bedeutende Logistikdrehscheibe zu sein. Was bedeutet das aber eigentlich genau? Wer sich in Duisburg umsieht, kann das hautnah erfahren - zum Beispiel auf dem Rheinhauser Logport-Gelände. Von Hildegard Chudobba

Eine Scheibe ist rund und dreht sich um eine Achse. Duisburgs Logistikdrehscheibe hingegen ist so lang und so breit wie das Stadtgebiet, dreht sich nicht, sorgt aber für jede Menge Bewegung. Die Stadt selbst wirbt damit, Logistikdrehscheibe zu sein, und hat dazu auch allen Grund. Im Süden begrenzt die A524 das Stadtgebiet, hoch im Norden verläuft die A42 und trifft im Westen auf die A 57 und im Osten auf die A3. Dazwischen durchqueren die A40 und die A59 das Stadtgebiet. Zu dem dichten Autobahnnetz kommen eines der am besten ausgebautesten Schienennetze der Republik und - natürlich - der Rhein, die Ruhr, der Rhein-Herne-Kanal. Und selbst die Entfernung zum großen Düsseldorfer Flughafen ist so kurz, dass die Duisburger dort meist schneller sind als viele Bewohner der Landeshauptstadt. Egal, welches Transportmittel gewählt wird, von Duisburg aus können Waren aller Art zu Wasser, zu Land oder per Luftfracht aus der Stadt schnell in alle Welt gebracht werden.

Diese geografisch hervorragende Lage machten sich unter anderem im 19. Jahrhundert die Bergbau- und Stahlfürsten zu nutze, die Duisburg zu einer industriellen Großstadt formten. Sie legten den Grundstein dafür, dass Duisburg heute den größten Binnenhafen der Welt hat. Wer die Logistikdrehscheibe in voller Aktion erleben möchte, nutzt am besten dazu eine Hafenrundfahrt oder - noch besser - einen der immer mal wieder angebotenen Besichtigungstermine auf Logport. Auf dem Gelände des ehemaligen Krupp-Stahlwerks werden rund um die Uhr Waren angeliefert, veredelt, neu verpackt, anders sortiert, in Container eingeladen oder aus den Stahlgehäusen herausgeholt, um zum Beispiel per Lastwagen die weitere Reise anzutreten. Logport ist nicht nur direkt ans Wasser angebunden, sondern hat zum Beispiel direkte Schienenanbindung an China. Jede Woche fahren Züge zwischen Rheinhausen und den großen Wirtschaftsmetropolen in Maos Reich. Sie bringen Konsum- und Industriegüter von hüben nach drüben und umgekehrt.

Die marode Autobahnbrücke zwischen Homberg und Neuenkamp muss durch einen Neubau ersetzt werden. FOTO: Christoph Reichwein

Regelmäßig pendeln Schiffe, Züge und Lkw zwischen Logport und den beiden großen Seehäfen Antwerpen und Rotterdam. Ob nagelneue Autos oder riesige Bauteile, deren Transport über Straße oder Schiene zu aufwändig oder gar unmöglich wäre, über den Rhein wird alles umgeschlagen, was - wie es so schön heißt - nicht nicht niet- und nagelfest ist.

Längst stößt die Duisburger Logistikdrehscheibe an ihre Grenzen, zumindest in Bezug auf benötigte Flächen. Entlang des Niederrheins und ins Ruhrgebiet hinein hat Logport "Ableger", für die im Stadtgebiet kein Platz mehr gewesen wäre. Und wird ausnahmsweise mal ein größeres Gewerbegelände in der Stadt frei, dann hat Duisburgs Hafenchef Erich Staake ganz schnell seine Hand daran. Er ist besonders stolz, dass er inzwischen die großen deutschen Autohersteller in die Stadt hat holen können.

Direkt an der A40 und am Rhein werden Autoteile für VW gelagert und nach Bedarf nach Übersee verschickt. Etwas weiter im südlichen Stadtgebiet hat Audi ein großes so genannte Distributionszentrum. Und in Kürze wird auch Mercedes einen Fuß nach Duisburg setzen. Sie alle bauen hier zwar nicht ihre Karossen.

Aber weil ihre Autos weltweit gefragt sind, müssen sie oft über sehr weite Strecken transportiert werden - komplett oder auch in Einzelteilen. Die Duisburger Hafengesellschaft hilft dabei.

Je wichtiger die Logistik im Laufe der vergangenen Jahre für Duisburg geworden ist, um so mehr hinterlässt dieser neue Wirtschaftszweig auch Probleme. Die Straßen der Stadt werden durch den zunehmenden Lkw-Verkehr über Gebühr belastet. Das zeigt sich vor allem an den Brückenbauwerken. Sie müssten dringend saniert werden, wozu der überschuldeten Stadt allerdings das Geld fehlt.

Für den Duisburger Hafen ist es zudem ein Problem, dass sich die Kanäle und Schleusen in NRW in schlechtem baulichen Zustand befinden und dadurch der Warenstrom immer mal wieder zum Stillstand kommt.

Zu den wichtigsten Lieferwegen gehört die Autobahn A 40. Auf Duisburger Gebiet führt sie im Stadtteil Neuenkamp über den Rhein. Diese Brücke, baugleich mit der für den Lkw-Verkehr gesperrten in Leverkusen, hat tiefe Risse, die immer wieder notdürftig repariert werden. Auf Dauer hilft nur ein Neubau, der im Bundesverkehrswegeplan höchste Priorität hat und in drei bis vier Jahren in Angriff genommen werden soll.

Quelle: RP
 
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