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Hamminkeln/Bocholt
Die Firmen-Familie Borgers feiert sich

Hamminkeln/Bocholt. Seit 1962 ist das Werk in Dingden ein starker Pfeiler des Bocholter Autoausrüsters. Gestern feierte die Traditionsfirma ihr 150-jähriges Bestehen. Hans-Werner Sinn hielt den Festvortrag.

Wirtschaftlich kraftvoll und innovativ ist die Firma Borgers aufgestellt. Beim Umsatz (765 Millionen Euro) und bei der Mitarbeiterzahl (über 7000 in 24 Standorten, davon 1700 in Dingden und Bocholt) verzeichnete der weltweit agierende Automobilzulieferer Rekorde. Die Voraussetzungen für das 150-jährige Firmenjubiläum, das gestern mit einem Festakt gefeiert wurde, passten bestens zur Feierstimmung der Bocholter. Das tut auch Hamminkeln gut. Denn ein paar Kilometer hinter der Ortsgrenze produzierte die Branchengröße im Dingdener Werk - seit 1962 ist es fester Bestandteil des Konzerns. Davon war gestern mehrfach die Rede. Abschließend hielt Hans-Werner Sinn, Ex-Präsident des ifo Instituts und Professor für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft, den hochkarätigen Festvortrag. Zuvor hatte Firmenchef Werner Borgers die große Firmen-Familie beschworen. Er lobte die hohe Treue vieler langjähriger Mitarbeiter, die Identifikation mit dem international agierenden Betrieb und das Zusammengehörigkeitsgefühl. "Deshalb passt das von unseren Mitarbeitern erfundene Motto ,150 years - one family' so ausgezeichnet", sagte Borgers. Dann ließ Senior Franz Borgers, Vorsitzender des Aufsichtsrats, die Erfolgsgeschichte des Autoausrüsters, der sich auf Akustikbauteile spezialisiert hat, passieren.

Noch vor 25 Jahren, zum 125-Jährigen, war niemandem zum Feiern zu Mute, die Branche steckte in einer Krise. Heute sieht es anders aus. Gegründet hatte die für die Region so wichtige Firma Johann Borgers 1866 als Handwerksbetrieb zur Wattefertigung. Als Material nutzte er Textilabfälle, die er verarbeitete und veredelte. Recycling nennt man das heute. Abnehmer waren Schneider und Polsterer. Später wurde daraus die Großproduktion von Industrie- und Deckenwatte. Doch wirklich groß wurde Borgers mit der rasanten Entwicklung der Automobilindustrie. Watte für Sitzpolster war zunächst ein neuer Absatzmarkt. Borgers-Produkte wie Dämpfungen, Hutablagen oder textile Radlaufschalen sind heute in unzähligen Automarken zu finden. Aktuell macht die Autozulieferung in der Gruppe 80 Prozent des Umsatzes aus. Das Firmen- und Führungs-Rezept: "Unternehmerwillen, Sparsamkeit und christlicher Glaube", so der Senior, der maßgeblich an der gestern erschienenen Familienchronik beteiligt ist.

In der Nachkriegszeit ist der Aufstieg rasant, unter anderem ablesbar an dem Bau des Werkes in Dingden (1962). Internationale Standorte in England, Spanien, Tschechien und Schweden kommen hinzu. Seit 2006 leitet Werner Borgers das Unternehmen in der fünften Generation - bundesweit eine extreme Seltenheit. Gestern betonte er schmunzelnd, dass die sechste Generation in 25 Jahren bei der 175-Jahr-Feier am Ruder sein könnte.

(thh)
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