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Kreis Wesel
Die Geschichte der Deutschen aus Russland

Kreis Wesel. Die Wanderausstellung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland tourt durch 16 Bundesländer. Von Gabi Harpers

Im Moerser Hanns-Dieter-Hüsch-Bildungszentrum ist jetzt die Wanderausstellung zum Thema "Deutsche aus Russland - Geschichte und Gegenwart" eröffnet worden. Noch bis zum 19. Februar berichtet dieses bisher einzige deutschlandweite Projekt anhand von Roll-ups, Schaubildern, Vorträgen und Filmen über das wechselvolle Schicksal der Russlanddeutschen in den vergangenen 250 Jahren.

Als Teil eines bundesweiten Integrationsprojektes wird die Ausstellung gefördert sowohl vom Bundesinnenministerium als auch vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Der Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer bedankte sich in seiner Ansprache bei den Organisatoren, der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR). "Die Geschichte der Menschen, von denen hier berichtet wird, ist eine Geschichte der Wanderschaft, aktuell bis heute. Sie erzählt von den Problemen derer, die unterwegs sind und von zahlreichen Beispielen für gelungene Integration", so Fleischhauer. Als Interessenvertretung, Hilfsorganisation und Kulturverein aller Russlanddeutschen setzt sich die LmDR für Deutsche in und aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ein. Die Rechte auf freie Ausreise, auf freie Ausübung der Religion und auf freien Gebrauch der Muttersprache stehen dabei im Mittelpunkt.

Projektleiter Jakob Fischer, selbst Spätaussiedler aus Kasachstan, berichtete in seinem lebendigen Einführungsvortrag von der Rückkehr der Russlanddeutschen in das Land ihrer Vorfahren: "Seit 1950 konnten rund 2,8 Millionen deutsche Aussiedler aus der ehemaligen UdSSR nach Deutschland zurückkehren, dank geduldiger Diplomatie und erfolgreicher Entspannungspolitik besonders nach 1990." Inoffiziellen Schätzungen zufolge seien heute etwa fünf Prozent der deutschen Bevölkerung Nachfahren der Deutschen aus Russland, so Fischer. In den 15 russischen Staaten leben heute noch rund 600.000 Deutsche.

"Wurzeln schlagen und die Gesellschaft stärken" wollen die Spätaussiedler aus Russland, so Fischer weiter. Im vergangenen Jahr reisten 6000 Menschen aus Russland mit deutschen Wurzeln über das Erstaufnahmelager Friedland bei Göttingen ein. Für die Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft müssen die zukünftigen Neubürger (79 Prozent sind jünger als 45) ihr "Kriegsfolgenschicksal" belegen - beispielsweise die Vertreibung ihrer Eltern und Großeltern wegen angeblicher Kollaboration mit Deutschland während des Zweiten Weltkrieges, Deportation in die Zwangsarbeitslager oder Verbannung während der Nachkriegsjahre. Zudem ist ein Sprachtest Pflicht sowie der Nachweis der deutschen Abstammung. "Integration kann nur erfolgreich sein, wenn sie von beiden Seiten erwünscht ist", erkärte Jakob Fischer. "Arbeit, Kultur, Politik - in allen Bereichen des Lebens muss die Integration stattfinden", beschrieb er das ideale Konzept.

Info: Hanns-Dieter-Hüsch-Bildungszentrum, Wilhelm-Schroeder-Straße 10, Moers, Tel.02841 201-735

Quelle: RP
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