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Schermbeck
Die Helden vom Bolzplatz an der Burg

Schermbeck: Die Helden vom Bolzplatz an der Burg
Fußballer aus der Anfangszeit des SV Teichweg. Vorne (v.l.): Günther (Flusen) Schweers, Adolf (Adi) Schwarz, Rudolf (Rudy) Schwarz, Günter (Hoppi) Hoppius. Hinten (v.l.): Rainer (Primi) Prinz, Rainer (Gustav) Tewes, Helmut Lehmbruck, Burkhard (Burki) Prinz und Helmut (Lupo) Lippach. FOTO: Helmut Scheffler
Schermbeck. Zahlreiche Ex-Sportler kamen am Samstag zur Wiedersehensfeier der "Legenden" an der Schermbecker Burg. Von Helmut Scheffler

Vor einem halben Jahrhundert traf sich die männliche Dorfjugend regelmäßig an der Schermbecker Burg, um auf einer ehemaligen Obstwiese der Familie Prinz Fußball zu spielen. Zahlreiche Sportler jener Tage folgten am Samstag der Einladung von Anja, Burkhard und Rainer Prinz zu einer Wiedersehensfeier der "Legenden".

Eine schöne Tradition wird wiederbelebt: Seit 2016 treffen sich nach dem Vorbild ihrer Großväter wieder kleinstädtische Nachwuchskicker, die neuen Helden von Schermbeck, auf der ehemaligen Obstwiese der Familie Prinz. FOTO: Helmut Scheffler

Ein Programm wurde nicht benötigt. Die Gespräche über die alten Zeiten boten reichliche Gesprächsanlässe. An den Seitenwänden des Burgtores erinnerten zahlreiche Fotos an jene Tage, als zwischen Ammenwerth und Burg regelmäßig trainiert und spannende Fußballspiele ausgetragen wurden. Günther Gaetzschmann hatte eine Serie von Luftbildern aus den Jahren seit 1970 aufgehängt, auf deren ältesten Exemplaren man noch deutlich den ehemaligen Bolzplatz erkennen konnte.

Ex-Spieler Rainer (Primi) Prinz erinnerte an jenen Sonntagnachmittag im Jahre 1965, als er, sein Bruder Burkhard und Rainer Tewes im Rittersaal der Burg Schermbeck einen Fußballverein gründeten, "der als SV Teichweg und später, als sich politisches Bewusstsein Bahn brach, als Lokomotive Teichweg in die Sportgeschichte einging". Nach und nach entstand auf der nahen Obstwiese ein richtiger Fußballplatz. Tore wurden selbst gezimmert. Ein solcher Sportplatz mitten im Ortskern lockte weitere Spieler an. Zu den Kickern der ersten Wochen gehörten außer Rainer Tewes, Burkhard und Rainer Prinz bald Helmut Lippach, Hubert Platzköster, Hubert Quint, Helmut Lehmbruck, Günter Hoppius, Adi und Rudy Schwarz, Günther Schweers und Jochen Vengels, die, so Rainer Prinz, "dafür sorgten, dass es an der Burg nie leise und langweilig wurde". Schon bald wurde das Spielfeld zwischen den Obstbäumen zu eng, so dass einige Bäume gefällt oder umgepflanzt wurden und man den Platz in Richtung Stadtmauer erweiterte.

Auf diesem Bolzplatz fanden schon bald Spiele gegen andere Mannschaften statt. Ganz in Weiß traten die Kicker des SV Teichweg gegen die fußballbegeisterte Jugend des Waldweges, des Heggenkamps, des Schienebergs oder der Landwehr an. "Zu den Spielen", so Rainer Prinz, "sind Aktive und Anhänger vom SV Teichweg mit Fahnen und Lärminstrumenten unübersehbar und unüberhörbar über die Mittelstraße Richtung Altschermbeck gezogen."

Eine wesentliche Verbesserung für das Spielfeld ergab sich, als jener Obstbaum entfernt wurde, der eine Zeit lang mitten im Strafraum stand. Der Platz erhielt Tore mit selbstgeknüpften Netzen aus Bindegarn, eine Anzeigetafel und einige Bänke an der Seitenlinie. An einem vom SV Schermbeck ausrangierten Schaukasten mit der Mannschaftsaufstellung vorbei führte der Weg zum Vereinsheim in einem Raum der ehemaligen Melkerwohnung. Mit Hunderten von Fußballbildern waren die Wände des Vereinsheims beklebt worden.

Aus dem SV Teichweg wurde nach einiger Zeit der SV Lokomotive Teichweg, der auch zu Auswärtsspielen startete. Mit Fahrrädern fuhren die jungen Fußballer nach Erle oder Lembeck. Im Umfeld der Burg entwickelte sich nach einigen Jahren ein neues Sport-Projekt. Im umgebauten alten Stall entstand ein Sportbereich für Tischtennisspieler. Im Winter fanden auf dem zugefrorenen ehemaligen Badeteich Eishockeyspiele statt. Während die erwachsenen Besucher am Samstag in Erinnerung schwelgten, spielte auf dem ehemaligen Bolzplatz ein Dutzend Kinder munter Fußball. Seit Herbst 2016 treffen sich dort regelmäßig Kinder aus den Kindergärten und Grundschulen zum Fußballspielen.

Zwei transportable Stahltore stehen zur Verfügung. Volksbank-Vorstandsmitglied Rainer Schwarz überreichte den Nachwuchskickern am Samstag Trikots mit der Aufschrift "Lokomotive Teichweg" über einer abgebildeten Dampflok.

Während die Kinder über den Rasen in Richtung Tor rannten, versammelte sich ein Großteil der Gründungsmannschaft vor der Burg zu einem Erinnerungsfoto. Das Aufstehen aus der knieenden Haltung machte deutlich, dass auch Sport den Alterungsprozess nicht verhindern kann.

Quelle: RP
 
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