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Hamminkeln
Die Kunst einer extrem Vielseitigen

Hamminkeln: Die Kunst einer extrem Vielseitigen
Die Kuratorin Christa Weihofen, Initiator Karl-Heinz Elmer, Pater Jakobus und die Kunsthistorikern Dr. Cornelia Garwer-Schier (v.l.) betreuen die Ausstellung. FOTO: RP-Foto Scheffler
Hamminkeln. "Kunst im Kreuzgang" in Marienthal erinnert an Hildegard Bienen. Sie hat im Dorf gearbeitet und dort viele künstlerische Spuren hinterlassen. Besonders bekannt sind ihre sakralen Arbeiten.

Als die Ausstellungsmacher die künstlerischen Arbeiten von Hildegard Bienen sichteten, waren sie überwältigt. "Es war unglaublich, wie viele Werke wir vorgefunden haben. Die Auswahl war allein schon wegen der Menge nicht einfach", sagte gestern Kuratorin Christa Weihofen bei der Vorstellung der Ausstellung in der Klosterkirche. Hier ist unter dem wiederbelebten Motto "Kunst und im Kreuzgang" ein breiter Querschnitt von Hildegard Bienens Wirken zu sehen.

Der Titel ist Programm der doppelten Art: "Die Schöpfung" bezieht sich auf die christliche Botschaft und das ungemein reichhaltige schöpferische Schaffen der 1990 in Marienthal gestorbenen Künstlerin. Ungezählte Arbeiten werden von ihrer Freundin Hildegard Breiing in einem wahren Haus der Kunst aufbewahrt - hier fand die Qual der Wahl statt. Es handelt sich auch vom Ort her um eine vielseitige Ausstellung, die im Kreuzgang Plastiken, Kohlezeichnungen, Ölgemälde oder Lithographien versammelt.

Bei einem Gang über den Friedhof, der wegen seiner künstlerisch gestalteten Grabmäler berühmt ist, sind alleine von Hildegard Bienen 13 eindrückliche Grabsteine zu sehen. Sie sind vom Kulturkreis Marienthal mit Hinweisen zu den Motiven versehen worden. Besonders eindrücklich wirkt bis heute die Ausgestaltung der Aussegnungshalle. Sie ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich, diesmal aber Ort der Eröffnung am nächsten Sonntag. Der verzierte Altartisch, das Kruzifix in expressionistischer Manier und das Modell des Altars, den Bienen für eine Essener Kirche gestaltet hat, zeugen von der künstlerischen Kraft und vom Können der Autodidaktin.

Ein wahres Seherlebnis sind hier ihre Farbfenster voller christlicher Symbolik. "Himmlisches Jerusalem" ist auch ein mutiges Werk. "Denn die verschiedenen Rottöne sind ein bewusster künstlerischer Schachzug. Sie wirken wie ein Aufbruch für etwas Neues, nicht wie trauernde Begleitung", sagt Kunsthistorikerin Dr. Cornelia Garwer-Schier, die zur Eröffnung spricht. Kirchenfenster waren das bedeutendste Metier der Künstlerin, ihre Gestaltungen sowie plastische Arbeiten befinden sich in mehr als 100 Kirchen vor allem im Bistum Essen.

Ihr früher Förderer war der kunstsinnige Pfarrer Winkelmann in Marienthal. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, aufstrebende junge Künstler zu fördern, indem er ihnen eine Klosterzelle als Unterkunft anbot und sie gegen Verköstigung Werke für Kirche, Klostergebäude und Friedhofgelände erarbeiten ließ. Hildegard Bienens letztes großes Werk war das Portal der Friedhofkapelle, sehr puristisch und mit klaren Diagonalachsen gestaltet. Sie wurde auf dem Marienthaler Klosterfriedhof begraben - gegenüber ihrem Portal.

(thh)
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