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Niederrhein
Die letzten Tage in Würde verbringen

Niederrhein. Das Palliativ-Netzwerk Niederrhein betreut Menschen am Ende ihres Lebens.

Oft sind es die kleinen Dinge, die am Ende wichtig werden. Diese Beobachtung macht Carmen Tenhagen immer wieder, wenn sie mit Menschen in Kontakt kommt, die bald sterben werden. Tenhagen arbeitet beim Caritasverband Kleve im Bereich der "spezialisierten ambulanten Palliativ-Versorgung" (SAPV). Sie kümmert sich nicht nur um Schwerstkranke und Sterbende, sondern auch um deren Angehörige.

Der Internationale Tag der Pflege steht heute im Zeichen der Palliativmedizin. Das Motto: "Wir begleiten Sie - würdevoll bis zuletzt". Diese würdevolle Betreuung ist es, die sich die Menschen in ihrer letzten Lebensphase besonders wünschen, sagt Tenhagen. Sie haben Angst vor Schmerzen, vor Übelkeit oder anderen Symptomen ihrer Krankheit, möchten aber zu Hause, in vertrauter Umgebung und, wenn eben möglich, im Kreis ihrer Angehörigen sterben.

Umso wichtiger ist es, dass jederzeit qualifizierte Kräfte zur Verfügung stehen, die die Krankengeschichte des Patienten kennen. Denn so können sie die richtigen Medikamente geben oder, wenn nötig, einen spezialisierten Arzt verständigen. Um das zu ermöglichen, ist das Palliativ- Netzwerk Niederrhein gegründet worden. Es verknüpft Ärzte, Krankenhäuser, Hospiz- und Pflegedienste wie die Mobile Pflege der Caritas in Rees, der Tenhagen angehört.

Elke de Lasberg ist stellvertretende Pflegedienstleiterin. Sie berichtet, dass bereits seit 2007 Pflegekräfte für die SAPV ausgebildet werden -die Nachfrage steige. Teils werden die Patienten von den Krankenhäusern oder Ärzten vermittelt, andere melden sich selber, um sich über die Pflegemöglichkeiten zu informieren. "Das besondere an dem Netzwerk ist, dass alle Patientendaten erfasst sind. Wir haben rund um die Uhr eine Rufbereitschaft, und jeder Pfleger und Arzt hat sofort alle wichtigen Informationen zur Hand", erklärt de Lasberg. Viele Patienten hätten Angst, bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustands doch ins Krankenhaus verlegt zu werden. "Wir versuchen, die Sicherheit zu geben, dass man nicht mehr ins Krankenhaus muss", sagt sie. Dazu trage die Aufklärung der Patienten und ihrer Angehörigen bei. Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung seien Themen, die schon beim ersten Treffen geklärt werden.

Die Pfleger der Caritas übernehmen nicht die Aufgabe der Hospizdienste, sagt Tenhagen. Diese werden weiterhin mit eingeschaltet, wenn beispielsweise die Angehörigen eine durchgehende Betreuung nicht leisten können. Auch Psychologen werden bei Bedarf mit ins Boot geholt - wenngleich sich viele Sterbende mit ihrer Situation abgefunden haben, wie Tenhagen erklärt: "Sie sind dann froh, wenn sie die letzten Tage ihres Lebens in Würde und mit so viel Qualität wie möglich verbringen können. Manchmal reicht es, im Frühling eine Blume zu sehen oder die Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren."

Das Palliativ-Netzwerk Niederrhein hat einen Vertrag mit den Kassenärztlichen Vereinigungen sowie den nordrheinischen Krankenkassen und -verbänden geschlossen. Es ist in die drei Bezirke Nordkreis und Südkreis Kleve sowie Moers und Umgebung gegliedert. Weitere Informationen zum Netzwerk und den Ansprechpartnern gibt es auf www.palliativnetz-niederrhein.de oder unter Tel. 0162 5151888.

Für die katholische Kirche hat Papst Franziskus ein "Jahr der Barmherzigkeit" ausgerufen, das am 8. Dezember begonnen hat und am 20. November - dem letzten Sonntag im kirchlichen Jahreskreis - endet. Alle Aktivitäten im Bistum Münster zum "Jahr der Barmherzigkeit" finden sich im Internet auf der Seite www.bistum-muenster.de/barmherzigkeit.

Quelle: RP
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