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Wesel
Die Marktschänke bleibt in der Familie

Wesel. Betriebsübergabe gelungen: Büdericher Traditionsgaststätte wird jetzt in dritter Generation weitergeführt. Von Fritz Schubert

Büderich kann sich glücklich schätzen. Gemessen an den Verhältnissen in vielen anderen kleinen Ortschaften herrschen hier gastronomisch gesehen paradiesische Verhältnisse. Während andernorts um den Erhalt der letzten Gaststätte gerungen wird, hat der durstige und hungrige Kunde im Polderdorf eine recht große Auswahl. Wacht am Rhein, Altes Stadttor, zwei Imbissbetriebe, die Hausbrauerei Hüsges und nicht zuletzt die beiden Traditionslokale im Zentrum: das Haus van Gelder und die Marktschänke, wo gerade eine Betriebsübergabe stattgefunden hat. Sie ist ein Beispiel für eine gelungene Nachfolgeregelung, was heutzutage immer seltener zu registrieren ist.

Die Marktschänke ist seit wenigen Wochen in der Hand der dritten Generation. Franz-Josef Aldenhoff (27), gelernter Altenpfleger, und sein Lebenspartner, der Koch Thomas Zimmermann (34), haben das Lokal übernommen. Das macht besonders Anke (55) und Heinz-Gerd Aldenhoff (57) froh. "Eigentlich hatten wir keinen, der übernehmen wollte. Es freut uns total, dass die beiden nun weitermachen", sagt Anke Aldenhoff. Ganz rausgezogen haben sie und ihr Mann sich noch nicht aus dem Geschäft. Sie helfen mit, "wenn die Kinder rufen".

Thomas Zimmermann macht keinen Hehl daraus, dass die Hilfe in der Startphase jetzt sehr willkommen ist. Denn an Gästen herrscht in Marktschänke kein Mangel. Sie ist besonders für ihre Küche bekannt. Die Karte ist lediglich um einige vegetarische Gerichte erweitert worden. Ansonsten zaubern die beiden Köche, Thomas Zimmermann und die altgediente Kraft Andreas Brüggerhoff, bewährte Klassiker auf die Teller. "Portionen, Fleisch - alles wie gehabt", sagt Zimmermann und strahlt. Zum Team gehören weiter auch die vier Mitarbeiterinnen im Service. Behutsam und geschmackvoll hat der Gastraum eine kleine Auffrischung erfahren.

Kirche, Kindergarten, Kneipe: Auch im gesellschaftlichen Leben des Polderdorfs leistet die Markt- schänke ihren Beitrag. Als Vereinslokal dient sie zum Beispiel den Porsche-Freunden Wesel, dem Kirchenchor Cantemus, dem Junggesellen-Elferrat, den Plattspräkers, dem Knobelclub Chikago Grünthal, dem Skatclub "Mauer nicht, Büderich" und den Blue Knights, dem Club motorradfahrender Polizisten. Außerdem ist das Haus Antretelokal für die zweite Kompanie der Sebastianer.

Die Aldenhoffsche Geschichte als Gastwirtsfamilie reicht weit zurück. Heinz-Gerd Aldenhoff führte nach einige Stationen - darunter Steigenberger Duisburg und Hohe Mark Wesel - 15 Jahre lang das Haus Grünthal, bevor er 1996 die Marktschänke von seiner Mutter Agathe Theußen übernahm. Die hatte 1960 das Lokal übernommen und für die in Büderich übliche Bezeichnung gesorgt. Da geht man heute noch "zu Aga".

Menzelner Stammgäste hingegen, die Heinz-Gerd Aldenhoff vom Lokal an der Kreuzung B 57/B 58 her kennen, fahren immer noch "nach Grünthal", wenn sie längst die Marktschänke meinen. Die Familie hat in noch früheren Tagen die Bahnhofsgaststätte in Alpen betrieben. Eine Rechnung vom 15. November 1921 hat Heinz-Gerd noch von seinem Großvater Franz Aldenhoff.

Wenn Anke und Heinz-Gerd Aldenhoff mal nicht mehr von den Kindern zu Hilfe gerufen werden, dann haben sie keine Langeweile. Denn ihre Tochter hat für zwei Enkelkinder (acht und elf) gesorgt. Vielleicht wächst da noch eine Generation heran, die Büderichs Angebotsvielfalt sichern hilft.

Quelle: RP
 
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