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Wesel
Die Pankoks pflegten ihre Freundschaften

Wesel: Die Pankoks pflegten ihre Freundschaften
Otto Pankok (l. o.) und August Oppenberg (r. o.) waren sehr eng miteinander befreundet, ebenso wie Eva Pankok (l. u,) und Hildegard Peters (r. u.). Das Pankok-Museum in Drevenack widmet sich in einer neuen Ausstellung dem Thema Freundschaft. FOTO: Jana Bauch
Wesel. Im Drevenacker Otto-Pankok-Museum wird die neue Sommerausstellung "Freundschaften" eröffnet. Zu sehen sind Bilder, Holzschnitte, Briefe und Karten von Otto Pankok und August Oppenberg, Eva Pankok und Hildegard Peters. Von Thomas Hesse

Fragt man die Deutschen, was im Leben am wichtigsten ist, folgen zwei Antworten: Familie und Freunde. Das galt schon vor Jahrzehnten. Einer, der Freundschaften lebte, war der Künstler Otto Pankok. "Freundschaften" heißt deshalb auch die neue Sommerausstellung im Otto-Pankok-Museum in Hünxe-Drevenack. Sie hat der künstlerischen Leiterin Annette Burger manche Überraschung offenbart. Im Pankok-Archiv und bei Leihgebern, allen voran der Heimatverein Hünxe, hat sie Briefe, Bilder, Grußkarten und Tagebucheintragungen gefunden, die die Familie Pankok als großartige Freundschaftspfleger beschreiben. Das verschafft Einblicke in mehrere Leben: Otto Pankok und der lange in Wesel lebende und häufig in Drevenack malende August Oppenberg; Drevenacks Dorfschullehrer und Dichter Erich Bockemühl; die etwas stille Eva Pankok und ihre temperamentvolle Malerfreundin Hildegard Peters.

Entstanden ist eine Ausstellung, die den Wert der Freundschaft feiert. Intensive Begegnungen nicht nur in Haus Esselt in Drevenack gehörten bei der Familie Pankok dazu. Eigentlich erstaunlich, dass dieser lebenspralle Aspekt in den regelmäßigen Pankok-Ausstellungen bisher eine zurückgesetzte Rolle einnahm.

Dabei ist die persönliche Nähe zu August Oppenberg bemerkenswert, und sie ist regional von erstaunlichem Interesse. Der 1971 verstorbene Oppenberg, der Vater aus Wesel, die Mutter aus Drevenack, hat Pankok für das ländliche Leben am Niederrhein begeistert. Seit 1924 waren die beiden in Kontakt, 1926 kam Pankok 1926 für ein halbes Jahr ins Dorf. Beide malten und zeichneten ähnliche Motive: Landleute bei der Arbeit, das Vieh, die geduckten Katen und sich auftürmende Wolkenberge. Interessant ist das im Nebeneinander der Bilder auf der Empore des Museums zu sehen. Motive, dargestellt in der jeweiligen Technik und künstlerischen Auffassung.

1928 kam Pankok wieder nach Drevenack. "Diese Freundschaft war stetig", sagt Annette Burger. Die privaten Momente zweier Künstler sind das Lebendige dieser Schau: gezeichnete Grußkarten zu Weihnachten, Tagebucheintragungen Pankoks oder sein kleiner Bilderzyklus um 1950 aus der Provence. Oppenberg reiste 1955 den Weg nach und zeichnete hier Motive aus demselben Blickwinkel wie sein Freund fünf Jahre zuvor. Hier Holzschnitte, dort Kohlezeichnungen - das hat etwas Symbiotisches an sich. Erich Bockemühl, der Pankok verehrte, ist dazwischen in einer Vitrine präsent. Anrührend ist der kleine Aufsatz, den sein Sohn Günther über die oft beobachtete Arbeit des Künstlers schrieb. Motto: Er guckte, dann malte er, nach einer Stunde war das Bild fertig. In den unteren Räumen treffen sich Eva Pankok und die heute 93-jährige Hildegard Peters, wie sie sich ihr Leben lang getroffen haben. Annette Burger hat diese innige Freundschaft künstlerisch geschickt arrangiert. Erst ein Raum mit Eva Pankoks Bildern aus der Provence, farbstark und doch ruhig. Dann Hildegard Peters Bilder: expressiv mit fast explodierenden Farben und großzügigem Pinselstrich, und schließlich ein gemeinsamer Raum. Hier sind die Bilder zu sehen, die bei ihren längeren Aufenthalten in Paris 1954, 1955 und 1965 entstanden sind. Hier ist auch persönlicher Schriftverkehr der lebenslangen Freundinnen zu sehen, mit aus Algerien und Marokko zugesandter Kunst. Die begann, als Hildegard Peters Schülerin in der Zeichenklasse von Otto Pankok an der Kunstakademie Düsseldorf war.

Annette Burger weiß, dass sie mit der Zusammenstellung auch einen späten Herzenswunsch von Eva Pankok erfüllt. Sie hatte diese Ausstellung noch vor ihrem Tod im Jahre 2016 angeregt. Ihr hätte ganz sicher auch die Darstellung der Freundschaft zwischen ihrem Vater und August Oppenberg gefallen.

Quelle: RP
 
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