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Wesel
Die Prinzessin löffelt Kartoffelsuppe

Wesel: Die Prinzessin löffelt Kartoffelsuppe
Die Musiker Stephan Dreizehnter an der Flöte und Alexander Puliaev am Cembalo begleiten die Autorin Ella Theiss (v. r.) bei der Lesung aus "Die Spucke des Teufels" im Museum Eiskeller. FOTO: Renate Quast
Wesel. Literatur trifft Musik: Im Museum Eiskeller las Ella Theiss aus "Die Spucke des Teufels". Stephan Dreizehnter (Flöte) und Alexander Puliaev (Cembalo) spielten dazu die kongeniale Musik. Dazu gab es Suppe, Brot und Schnaps aus Kartoffeln.

Wenn Literatur auf Musik trifft, ist das allemal eine charmante Idee. Besonders, wenn die Kombination gelingt und das Ambiente stimmt. Im heimeligen Kaminraum des Museums Eiskeller in Diersfordt ist der passende Aufführungsort keine Frage. Wenn dann noch Größen der Geschichte auf unterhaltsame bis spannende erzählte Geschichten treffen, gestaltet sich eine inhaltliche Klammer, bei der kaum etwas schief gehen kann. So begegnete zum Beispiel Amalie, Prinzessin von Preußen, mit der von ihr komponierten Sonate F-Dur für Flöte und Cembalo, überragend fein von Stephan Dreizehnter (Flöte) und Alexander Puliaev (Cembalo) interpretiert, sich selbst als literarische Figur bei einem Besuch in Hasselt im Klever Land. Natürlich hatte Autorin Ella Theiss beim Wechselspiel von Lesung und Musikvortrag die hochherrschaftliche Stippvisite zum Zwecke des Kartoffelsuppelöffelns gezielt ausgesucht. Denn darum ging es ja an diesem Abend anlässlich des 775-jährigen Stadtjubiläums: um den sogenannten Kartoffelbefehl Friedrich des Großen und wie die tolle Knolle die Skeptiker vom Niederrhein überzeugte.

Der Alte Fritz, der selbst Querflöte spielte, hat im Lauf seines Lebens nicht weniger als 121 Flötensonaten, vier Flötenkonzerte und zwei Sinfonien komponiert. Bei einem historischen (Kriminal-)Roman, der die Folgen großer Politik in der Provinz beschreibt, lag es also - besonders in einer Stadt mit preußischer Vergangenheit wie Wesel - nahe, königliche Musik auszuwählen. Es war zudem ein Genuss, zwei Könnern wie Dreizehnter bei seinem Heimspiel und dem international bekannten Puliaev zuzuhören. Ella Theiss hatte passende Stellen aus ihrem 2009 erschienenen Buch "Die Spucke des Teufels" - so bezeichnete ein widerspenstiger Priester die damals verdächtige Kartoffel - herausgesucht.

Sie las sie vielschichtig und abwechslungsreich vom sonoren Erzählton bis zum liebreizenden Französeln von Amalie Prinzessin von Preußen, der Schwester des Königs, die in der Kaschemme von Titelheldin und am Ende Mörderin Lisbeth eine Kartoffelsuppe kreiert hatte, die niederrheinisch-bäuerliche wie adlige Zungen betörte. Die Hessin traf dazu schreiberisch die Stimmung und Lebensweise im flachen Land. Sie will übrigens jetzt einen neuen historischen Kriminalroman mit dem Handlungsort Niederrhein vorlegen. Den kulturellen Abend rund um die Knolle, die ihren Siegeszug bis heute fortsetzt, vollendete der Heimatverein Herrlichkeit Diersfordt. Hausgemachte Kartoffelsuppe - was sonst? - in der Pause nebst extra gebackenem Kartoffelbrot und Kartoffelschnaps ließen sich die zahlreichen Besucher schmecken. Ihr Beifall war groß.

(thh)
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