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Wesel
Die Ruhrpott-Insulaner

Wesel: Die Ruhrpott-Insulaner
FOTO: Jana Bauch
Wesel. Sonne im Oktober! Es soll noch mal richtig warm werden. Der Campingplatz Grav-Insel bei Flüren wird heute also zum Leben erwachen. Grills glühen, Hunde kläffen, und allerlei schräge Ruhrgebietstypen werden ihre Lieblingsinsel am Niederrhein besuchen. Unsere Fotografin Jana Bauch hat sich mit Bewohnern unterhalten. Von Jana Bauch (Fotos + Umfrage) und Sebastian Peters (Text)

Was für Deutschland Mallorca, das ist für das Ruhrgebiet die Grav-Insel. Dieser Campingplatz in Flüren ist die Insel des Kohlenpotts, das Refugium für Stressgeplagte. Kurz bevor der Rhein in Bislich eine Kurve schlägt, liegt dieses Fleckchen Erde, auf dem Menschen sich mit nur wenigen Quadratmetern Wohnfläche zufrieden geben, auf dem sie glücklich sind, wenn die Sonne scheint, die Rosen blühen und sie den lieben Gott einen guten Mann seinlassen dürfen. Viele leben sogar dauerhaft hier. Keinen Straßenlärm hört man hier, nur das Tuckern der Schiffe. Auf der Grav-Insel kann sich der Ruhrpottler seine Ration Frischluft abholen. Wenn es nicht gerade so heiß ist wie an diesem Wochenende, und die Grillkohlen glühen. Wer einmal auf der Grav-Insel war, der weiß: Es wird dort oft und viel gegrillt.

Die Grav-Insel gilt als der größte Familiencampingplatz in Deutschland - 2000 feste Stellplätze, 500 für Touristen, 2,4 Millionen Quadratmeter Fläche -, und doch ist dies eine eigene Welt der Camper. Viele Weseler haben die Insel noch nie von Nahem gesehen. Dabei lebt man dort doch wie in einer eigenen kleinen Stadt: Bootshafen, ein eigenes Rettungszentrum mit Kranken- und Notarztwagen, eine Diskothek mit Platz für 2.500 Besucher, eigene Elektriker und eine Insel-Zeitung. In Spitzenzeiten halten sich hier 9.000 Besucher auf.

Dass auf der Grav-Insel außergewöhnlich viele Freaks leben, wird gerne gesagt. Als sei dieser Campingplatz ein Panoptikum kurioser Gestalten. Wer sich jemals für mehrere Stunden in der Fußgängerzone einer mittelgroßen Kleinstadt aufgehalten hat, der lernt: Der Wahnsinn ist überall zu Hause.

Die Geschichte der Campingplatz-Gründung erzählt Frank Seibt gerne. Er ist mittlerweile Chef des Platzes. 1968, im Alter von sechs Jahren, habe er mit seinen Eltern einen Ausflug unternommen. Sein Vater sei auf den Turm des verlassenen Klosters gestiegen und habe auf die damals nahezu unbebaute Fläche geblickt. "Ich sehe hier ein Meer von Wohnwagen", soll er verkündet haben. Schon zehn Jahre später gab es 1.000 Stellplätze. Später wurde der Campingplatz sogar eingedeicht, um ihn vor Hochwasser zu schützen. Seitdem sind die Menschen noch länger hier, viele wollen dauerhaft bleiben. Im Unterschied zu Malle ist nämlich Grav-Insel nicht nur einmal im Jahr.

Quelle: RP
 
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