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Wesel
Die Schulleiterin blieb - der Liebe wegen

Wesel: Die Schulleiterin blieb - der Liebe wegen
Gudrun Titze (l.) ist froh, dass Konrektorin Dorothea Jansen vorerst die Leitung der Schule übernimmt. FOTO: Klaus Nikolei
Wesel. Morgen wird Gudrun Titze im Rahmen einer Feierstunde in der Gemeinschaftsgrundschule Fusternberg verabschiedet. Von Klaus Nikolei

Eigentlich hätte Gudrun Titze problemlos noch zwei Jahre die Gemeinschaftsgrundschule am Fusternberg leiten können. Denn "Freude", sagt die 63-Jährige, "macht mir der Beruf noch immer. Zumal ich hier auch ein ganz tolles Team habe." Aber trotzdem hat sie sich kürzlich entschieden, in den vorzeitigen Ruhestand zu treten - nach 40 Jahren im Schuldienst. Morgen wird die gebürtige Düsseldorferin im Rahmen einer Feierstunde verabschiedet.

"Arbeit ist das halbe Leben - und jetzt freue ich mich auf die andere Hälfte", sagt Gudrun Titze. Auf dem Tisch vor ihr liegen drei prall gefüllte Aktenordner. In Klarsichtfolie hat sie dort alles fein säuberlich abgeheftet, was in irgendeiner Form mit ihrer Grundschule zu tun hat. "Die Aufgabe, die Schulchronik fortzuführen, habe ich 1996, als ich Konrektorin wurde, von meiner Vorgängerin übernommen", erzählt sie, während sie in den Ordnern blättert und in Erinnerungen schwelgt.

Nach Wesel gekommen ist sie bereits im Sommer 1977. Nicht ganz freiwillig, wie sie zugibt. Denn freie Stellen, vor allem in Großstädten, waren damals rar. Dann aber wurde ihr kurz nach dem Lehramtsstudium für Grund- und Hauptschule an der Pädagogischen Hochschule in Neuss (Hauptfächer: Deutsch, Musik, katholische Religion) eine Anstellung an der damaligen Gemeinschafts-Hauptschule Am Lauerhaas angeboten. Sie sagte zu - in der Hoffnung, Wesel früher oder später wieder verlassen zu können. Doch dann lernte sie ihren zweieinhalb Jahre älteren Kollegen Jörg Titze kennen und lieben. Das Paar heiratete zwei Jahre später, bekam zwei Kinder und Gudrun Titze nahm dreieinhalb Jahre Erziehungsurlaub. Dann, kurz bevor sie Anfang 1985 in die Lauerhaas-Schule zurückkehren sollte, bekam sie plötzlich vom Personalrat des Schulamtes für den Kreis Wesel das Angebot, zur Fusternberger Gemeinschaftsgrundschule zu wechseln. "Ich erinnere mich noch, dass ich nie zuvor von der Schule gehört hatte", gibt sie lachend zu. Noch am gleichen Tag fuhr sie hin, um einen Eindruck von der Schule zu bekommen. "Ich hatte sofort ein gutes Gefühl. Hier gab und gibt es bis heute keine Skandale. Hier war und ist die Welt noch in Ordnung."

Sie fühlt sich wohl auf dem Fusternberg, lässt sich überreden, 1996 den Posten der Konrektorin zu übernehmen. Im November 2000 übernimmt sie dann die Leitung der Schule.

Wer ihre Nachfolge antritt, ist noch unklar. Froh ist Gudrun Titze allerdings, dass zunächst einmal Konrektorin Dorothea Jansen die Schule leiten wird. "Es wäre schön, wenn der neue Schulleiter oder die neue Schulleiterin musikalisch vorbelastet wäre, damit der musikalische Schwerpunkt der Schule erhalten bleiben kann." Apropos Musik: Unter anderem für das Klavierspielen, das sie so liebt, wird Gudrun Titze künftig mehr Zeit haben. Auch will sie das "letzte Lebensdrittel" nutzen, um mehr zu lesen, Kulturveranstaltungen zu besuchen, mit ihrem Mann außerhalb der Ferien zu reisen und sich um die Enkel zu kümmern. Und natürlich wird sie mit großem Interesse verfolgen, was an ihrer Schule künftig so alles passiert. Toll fände sie es, wenn "sich die Politik entschließen könnte, der Schule einen Neubau für den Offenen Ganztag zu genehmigen. Das würde ich mir wirklich wünschen."

Quelle: RP
 
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