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Wesel
Die Stolperfallen in der Innenstadt

Wesel: Die Stolperfallen in der Innenstadt
Weil der Bordstein zu hoch ist, hat Wiltrud Heyer größte Mühe, mit ihrem Rollator zum Busbahnhof zu kommen. FOTO: Ekkehart Malz
Wesel. Wiltrud Heyer ist auf einen Rollator angewiesen und beklagt, dass es in Wesel noch immer zu viele Barrieren gibt. Die RP und Wesels ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter Manfred Mertsching haben die Seniorin begleitet. Von Klaus Nikolei

Beim Treffpunkt Mobile Chefredaktion während des PPP-Vereinsfests hatte RP-Leserin Wiltrud Heyer "die zahlreichen Stolperfallen in der Innenstadt" beklagt - dazu muss man wissen, dass die ältere Dame mit einem Rollator unterwegs ist. Doch wo lauern die Barrieren, die Menschen mit Handicap das Leben unnötig schwer machen? Die RP hat sich mit Wiltrud Heyer zu einem Rundgang verabredet und als Experten Wesels ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten Manfred Mertsching hinzugebeten. Treffpunkt: vor dem neuen Café Vesalia gegenüber dem Busbahnhof. Den steuert die ältere Dame öfter an.

Gelegentlich, so erzählt Heyer, stehe hier vor dem Hochhaus ein Pkw auf dem Bürgersteig. "Keine Ahnung, wohin der gehört. Auf jeden Fall bin ich dann gezwungen, auf die Straße zu gehen. Das Problem ist, dass die Bordsteine am Busbahnhof sehr hoch sind, so dass ich meinen Rollator hochheben muss", sagt sie und zeigt, wie viel Mühe ihr das macht. Manfred Mertsching beobachtet die Szene aufmerksam. "Ganz klar", sagt er, "das hier ist ein Planungsfehler. Denn auf der anderen Seite der Bussteige sind die Bordsteine abgeflacht." Im Arbeitskreis "Barrierefreies Wesel" möchte er diesen Missstand ansprechen. Und wegen des Wagens, der auf dem Bürgersteig parkt, will er das Ordnungsamt einschalten.

Vom Bahnhof geht's über den Franz-Etzel-Platz zur Wilhelmstraße. Vor dem Scala-Kulturspielhaus macht Wiltrud Heyer Halt. "Die Stufe ist viel zu hoch. Ebenso die vor der Bahnhofs-Apotheke und dem Sanitätshaus Luthermann", sagt sie. Mertsching nickt. "Das ist bekannt. Und es gibt auch Pläne, dass hier das Pflaster aufgenommen und alles barrierefrei gestaltet werden soll."

Zurück auf die Wilhelmstraße. Wiltrud Heyer überquert am Citycenter der Sparkasse den Zebrastreifen und kann nicht verstehen, dass auf der Seite des Berliner Tores der Bordstein nicht genauso flach ist wie auf der Sparkassenseite der Bismarckstraße. "Das ist mehr als verwunderlich", sagt auch Mertsching. Und dann bemerkt er, dass es sich bei dem Rollator von Wiltrud Heyer um einen Haus-Rollator handelt. "Mit einem Straßen-Rollator, der über Luftreifen verfügt, wäre der flache Bordstein problemlos zu meistern", sagt er und rät der Seniorin, die Sache mit ihrem Hausarzt zu besprechen. "Normalerweise zahlen die Krankenkassen für einen Rollator auf Rezept".

Neben der Sache mit dem Busbahnhof will Mertsching im Arbeitskreis "Barrierefreies Wesel" auch das Problem an der Santander-Bankfiliale ansprechen. Die kleine gepflasterte Rampe an der Friedrichstraße sei zu steil und für Menschen im Rollstuhl ungeeignet. Was Mertsching wurmt: "Ich habe mit der Zentrale in Mönchengladbach Kontakt aufgenommen. Dort hieß es, man werde sich kümmern. Doch passiert ist nichts." Laut Santander-Sprecherin Eva Eisemann liegt bei der Beschwerdestelle keine offizielle Anfrage von Herrn Mertsching vor. Zudem sei man nicht Inhaber der Immobilie, sondern nur Mieter. "Leider gibt es in NRW noch keine bauordnungsrechtliche, verpflichtende Vorgabe zur Schaffung von barrierefreien Zugängen", sagt Eisemann. "Bei der vorhandenen Rampe handelt es sich nicht um einen ausgewiesenen Rollstuhlfahrer-Zugang. Dennoch kann die Rampe mit Hilfestellung zum erleichterten Zugang genutzt werden. Sollte Hilfe notwendig sein, sind unsere Filialmitarbeiter jederzeit zur Unterstützung bereit."

Bis zur Brückstraße ist aus Sicht von Heyer und Mertsching alles okay. Ein Problem sind die Pflastersteine auf dem Großen Markt. Doch die dürfen nicht ausgewechselt werden, weil sie mit Hilfe von Fördermitteln angeschafft wurden. Glatte Steine sind zwischen Weinzeit und dem Haus am Dom verlegt. "Doch oft ist es so", sagt Wiltrud Heyer, "dass vor Weinzeit und Eisdiele Stühle im Weg stehen, so dass es sehr eng wird." Mertsching verspricht, mit den Gastronomen Kontakt aufzunehmen, um sie für das Problem zu sensibilisieren.

Quelle: RP
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