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Kommentar: Unsere Woche
Die Stunde der Enttäuschten

Wesel. Zwei sehr persönliche Entscheidungen haben diese Woche geprägt: Jörn Schrohs Austritt aus der CDU und Cihan Saricas Kritik am Integrationsrat samt Ankündigung, die BIG in Wesel zu gründen. Schrohs Schritt hat schon für eine Diskussion gesorgt, Saricas wird es ebenfalls tun. So unterschiedlich die Akteure auch sind, so eint sie doch der Antrieb: Beide sind enttäuscht, ja frustriert, und heischen um Aufmerksamkeit. Dabei allerdings zeigen sich ganz verschiedene Ziele.

Alt-Bürgermeister Schroh geht es garantiert nicht um Eitelkeiten. Bauchpinseleien hat er nicht nötig. Eben weil er durch seine türkische Frau über Jahrzehnte Insider geworden ist, warnt er vor Entwicklungen am Bosporus und den Auswirkungen für Europa. Das hat er schon länger getan. Die's hören sollen, hat's bislang nicht gekratzt. Ein Schroh bewirkt nichts, viele Schrohs vielleicht doch was. Sofort käme er zurück in die CDU, wenn Berliner Politik sich ändern würde. Es wird wohl ein Traum bleiben.

Anders sieht es bei Sarica aus. Der stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrats ist bereits im Oktober nach 15 Jahren aus der SPD ausgetreten. Wegen mangelnder Wertschätzung. Soll heißen: Man hat ihn nicht gefragt, ob er für den Rat kandidieren will. Er selbst hat aber auch nicht gefragt, ob man ihn mal lässt. Ende vom Lied: Er sagt seinem Gremium Abschied und Kampf an, will einer Partei

mit zweifelhaften Absichten in den Sattel helfen.

Bemerkenswert sind beide Vorgänge. Sorgen bereitet nur einer.

Quelle: RP
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