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Hamminkeln
Dingden als Pilgerstätte für Baukultur

Hamminkeln: Dingden als Pilgerstätte für Baukultur
FOTO: Markus Weissenfels
Hamminkeln. NRW-Bauminister Groschek will Dorfentwicklungs-Verein Dingden helfen. Der Stadt verspricht er, Ansiedlungen trotz Landesentwicklungsplan zu ermöglichen. SPD-Bürgermeisterkandidat Romanski ätzt gegen Ehrenamtskarte. Von Thomas Hesse

Die Endphase eines Wahlkampfes ist oft die Stunde der Promis und großer Zusagen. Im heißen Spurt vor der Bürgermeisterwahl in Hamminkeln ist das nicht anders, aber besonders. Gestern wartete NRW-Bauminister Mike Groschek als Unterstützer von SPD-Kandidat Bernd Romanski beim Besuch in Dingden mit einigen bemerkenswerten Aus- und Zusagen auf. So will er den Weg frei machen für Fördermittel, um das Denkmal Wissings Scheune im Ortskern zu sanieren, will sich persönlich "zusammen mit Wirtschaftsminister Duin einschalten", um Ansiedlungen zu sichern, wenn der gerade in der Neugestaltung befindliche LEP (Landesentwicklungsplan) mit Tabuflächen Hamminkelns Entwicklung blockiert. Und wenn der neue Bundesverkehrswegeplan Prioritäten für Straßenprojekte setzt, will sich der Minister um die Heraufstufung der B 70 Umgehung Brünen kümmern, wenn der "Dialog vor Ort" ein entsprechendes Ergebnis hat. Erwartungsgemäß sicherte der Minister zu, für die Mehrhooger Lärmschutz und Troglage der Betuwe zu kämpfen.

Eigentlich vergaß der Düsseldorfer Landtagsprofi, der aus Oberhausen stammt, nur die ländliche Frage, wie denn Hamminkeln ohne fremde Finanzhilfe 420 Kilometer Wirtschaftswege in Schuss halten und das heikle Thema Brücken für Bauern bewältigen soll. Helmut Wisniewski von der Bürgermeisterwahlvereinigung SPD-USD-FDP hatte ihn darauf hingewiesen.

Die SPD und ihr Kandidat hatten mit ihrer Nähe zur Düsseldorfer Landesregierung zuvor für eine doppelte Botschaft gesorgt. Erstens: Bernd Romanski hat den Kontakt zu Schaltstellen in der Landesregierung und wird sie als möglicher Bürgermeister der Stadt gewinnbringend nutzen. Zweitens: Die SPD kümmert sich auch um Hochburgen des politischen Gegners und unterstützt konkret bürgerschaftliche Projekte.

Gestern präsentierte Agnes Küpper vom Verein Dorfentwicklung Dingden (80 Mitglieder) die bisherigen Projekte wie Kirmesplatz oder das Forschungsprojekt "Baukultur konkret". Angesichts dieser Erfolge hatte zuvor Groschek von seiner Vorstellung gesprochen, "Dingden als Pilgerstätte für Baukultur" und Vorbild für Entwicklungen auf dem Land herauszustellen. Im Hintergrund schwebe immer der Gedanke mit, dass sich Landflucht junger Leute auch in NRW zeige. Heimatgefühl und Lebensqualität wie in Dingden (7000 Einwohner) seien ein Mittel gegen den Exodus Richtung Städte. Diesen Gedanken nahm Agnes Küpper gerne auf, als sie das aktuelle Sanierungsvorhaben Wissings Scheune vorstellte. Die ehrenamtlichen Dorfentwickler im Ort hoffen auf Fördergelder aus dem Programm Regionale 2016. Das ist fürs westliche Münsterland bestimmt, Hamminkeln hat schon die Fühler ausgestreckt.

Allerdings braucht der Dorfentwicklungs-Verein Entscheidungshilfe von der Stadt, ob es sich lohnt, das Projekt zu verfolgen. Bernd Romanski sieht dies als "tätige Wertschätzung für Ehrenamtliche" und ätzte im verbalen Seitenhieb gegen die von seiner Konkurrentin Roswitha Bannert-Schlabes (CDU) protegierte Einführung der Hamminkelner Ehrenamtskarte. "Es geht darum, dass die Verwaltung schnell auf Anträge reagiert und wie zuverlässig ihre Aus- und Zusagen sind. Das bringt mehr als eine Ehrenamtskarte", sagte er. Darüber hinaus sei wichtig, dass es "kurze Wege" zu Entscheidern bei Problemen, etwa mit dem Landesentwicklungsplan, gebe.

Quelle: RP
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