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Hamminkeln
Dingden: Erinnerung an 96 Gefallene

Hamminkeln: Dingden: Erinnerung an 96 Gefallene
Heinrich Tebrügge, Wilhelm Mümken und Heinz Wolberg (v. l.) vom Heimatverein Dingden mit Original-Ehrentafeln der Soldaten aus Dingden. FOTO: Pottgiesser
Hamminkeln. 2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Der Heimatverein plant eine Ausstellung.

Am 1. November 2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Für den Heimatverein Dingden Anlass, sich mit den Gefallenen zu beschäftigen, die einen Bezug zu Dingden haben. Nun soll an die 96 Männer aus dem Dorf, die aus dem Ersten Weltkrieg nicht mehr zurückkehrten, mit Geschichten erinnert werden. Deshalb sammeln die Geschichtsexperten Material. Am Ende steht eine Ausstellung vom 21. bis zum 28. Oktober im Heimathaus an der Hohen Straße.

Den Anstoß zu diesem Projekt gab Heinrich Tebrügge. Der Dingdener kennt das Leid der Angehörigen aus eigener Erfahrung. Der Bruder seines Großvaters väterlicherseits, Johann Tebrügge, blickt von einer alten Ehrentafel der Bauernschaft Lankern, auf der alle Frontsoldaten und in der Mitte die Gefallenen abgebildet sind. Johann Tebrügge starb im Krieg. Sein Bruder Heinrich, Opa des heutigen Heinrich, wurde verletzt und nach seiner Genesung aus dem Militärdienst entlassen, weil ja schon der Bruder gefallen war. Irgendeiner musste damals die Arbeit der heimischen Landwirte erledigen. Lebhaft erinnert sich der Dingdener auch noch an seinen Großvater mütterlicherseits, der im Krieg sein Bein verloren hatte und so litt, dass er bis an sein Lebensende vom Arzt Morphium gespritzt bekam. Das sind Familiengeschichten und Erinnerungen, die prägen.

Bereits jetzt wissen die Mitglieder des Heimatvereins von einigen tragischen Schicksalen. So gehört auch Johann Böckerhoff zu den Dingdener Gefallenen. Er hing monatelang tot im Drahtverhau an der Front, weil die Gefechte so heftig waren, dass niemand seinen Leichnam bergen konnte.

Einen Grundstock an Informationen hat der Heimatverein bereits zusammengetragen. Die meisten Namen sind bekannt, aber was fehlt, sind weitere Einzelheiten. Deshalb fragt der Verein nach weiteren Dokumenten. Das können Fotos oder Bilder, Totenzettel, Sterbefall-Dokumente, Briefe und Postkarten oder sonstige Informationen zum Ersten Weltkrieg sein. Heinrich Tebrügge zum Beispiel hat ein Plakat gesichert, das jahrzehntelang gerollt in einer Schublade lag, oder ein schweres schwarzes Album, in dem eine Familie Feldpostkarten gesammelt hat. Auch Postkarten von Kriegsgefangenen aus Dingden, die den Angehörigen ihre Adresse in England mitteilten, befinden sich bereits im Fundus und werden akribisch dokumentiert.

Bereits gut dokumentiert ist das Schicksal von Johann Tenhagen, der am 25. Juni 1884 auf dem Hof Kampmann in Berg Nummer 4 geboren wurde. Er, der eigentlich den Hof erben sollte, fiel am 7. Mai 1917 in der Frühjahrsschlacht bei Arras durch eine Gewehrkugel. Die Familie bewahrt bis heute den Brief des Kompanieführers an die Ehefrau auf, in dem er sie vom Tod informiert. Auch der Totenzettel, der damals nach der Totenmesse verteilt wurde, ist noch vorhanden, ebenso wie ein fein gesticktes Taschentuch mit der gestickten Inschrift "1915 Als Gedenken meiner lieben Frau". Das sind solche Dinge, von denen die Dingdener Heimatforscher hoffen, sie zu finden, um den Gefallenen ein Gesicht zu geben.

So sahen die Feldpostkarten aus, die Kriegsgefangene schickten. FOTO: Pottgiesser

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist für die Heimatforscher aus Dingden eine wichtige Informationsquelle, weil hier die Gefallenen in Kriegsgräbern dokumentiert sind. Bei der Ausstellung "Gesicht geben" wird der Volksbund auch vor Ort im Dingdener Heimathaus sein. Interessierte können beim Volksbund auf der Internetseite nach gefallenen Verwandten forschen.

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