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DNA-Test gibt Gewissheit
Wölfin am Niederrhein unterwegs

DNA-Test gibt Gewissheit: Wölfin am Niederrhein unterwegs
Der Wolf ist zurück in NRW. FOTO: dpa
Hamminkeln. Ein DNA-Test hat es bestätigt: Eine umherwandernde Wölfin hat in der Dingdener Heide drei Ziegen gerissen und sieben verletzt. So tief im Westen ließen sich die Tiere wahrscheinlich noch nie blicken.  Von Thomas Hesse

Eine Wölfin hat Ende April in der Dingdener Heide in Hamminkeln am Rand des Kreises Wesel drei Ziegen gerissen und sieben verletzt. Das hat jetzt ein Labortest bestätigt, wie unsere Redaktion erfuhr. Das Raubtier hatte in der Herde des Weseler Schäfers Joachim Koop gewütet – das bedeutet: Der Wolf ist am Niederrhein angekommen. Zuletzt war ein wandernder Einzelwolf bei Rösrath vor den Toren Kölns nachgewiesen worden. Dabei handelte es sich um ein bekanntes Tier aus einem Rudel bei Cuxhaven.

Anders liegt der Fall bei der Wölfin vom Niederrhein, deren Riss jetzt anhand von Speichelspuren nach Kehlbissen und Würgemerkmalen nachgewiesen ist. Es soll sich um ein Tier handeln, das in der genetischen Datenbank des untersuchenden Senckenberg-Forschungsinstituts in Gelnhausen/Hessen nicht vorhanden ist. Das genetische Material soll auf die Herkunft der Wölfin hinweisen, die wahrscheinlich aus Ostdeutschland oder Niedersachsen stammt. Eine offizielle Bestätigung des Lanuv (Landesamt für Natur und Umwelt) steht noch aus. 

Doch nach Angaben des betroffenen Schäfers ist es sicher, dass ein Wolf zum ersten Mal seit rund 200 Jahren den Niederrhein besucht hat. Das Auftauchen des Tieres hatte im benachbarten Kreis Borken bei Landwirten und in einem Ausflugsgebiet bereits für erhebliche Unruhe gesorgt. Insbesondere bei Weidetierhaltern ist die Sorge über die Rückkehr des Raubtiers in das dicht besiedelte Bundesland NRW groß.

Tierische Rückkehrer in NRW FOTO: Uli Stadler nabu

Schäfer Joachim  Koop, dessen Herde in der Dingdener Heide, einem Naturschutzgebiet, ein wichtiger Bestandteil ist, nimmt die Entwicklung relativ gelassen. "Ich habe mit dem Wolf keine Probleme. Im Laufe meines Berufslebens habe ich viele Schäden erlebt – von Tierdiebstahl bis zu Rissen durch wildernde Hunde. Die Rückkehr des Wolfes ist gesellschaftlich gewollt. Man wird sehen, was dies nach sich zieht", sagt er. Entschädigungen für getötete oder verletzte Herdentiere sind vorgesehen, auch wenn es keinen Rechtsanspruch gibt. Ebenfalls finanziert die Allgemeinheit besondere Schutzzäune.

Höchstwahrscheinlich ist, dass sich der Wolf in NRW ausbreiten wird. Für ganze Rudel ist der Platz allerdings begrenzt. Einzeltiere werden als weitere Vorhut erwartet. In Schermbeck-Damm, nur ein paar Kilometer von der Dingdener Heide entfernt, wurde ein Wolf von Jägern und Naturfachleuten gesichtet. Nachgewiesen werden konnte das aber nicht.

Aber der Wolf ist da, auch wenn das Lanuv vor einigen Tagen noch öffentlich vermutet hatte, in der Heide habe es sich um einen wildernden Hund gehandelt.

Jede dritte Art in Deutschland ist gefährdet FOTO: dpa, hpl son vfd vfd
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