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Wesel/Dinslaken
Doppel-Sparkasse startet "zufrieden"

Wesel/Dinslaken: Doppel-Sparkasse startet "zufrieden"
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Wesel/Dinslaken. Der Zusammenschluss der Häuser Wesel und Dinslaken blieb erwartungsgemäß nicht ohne Abschläge. Das Vorstandstrio setzt die Schwerpunkte auf Konsolidierung und Vereinheitlichung sowie aufs Immobiliengeschäft. Von Fritz Schubert

Normalerweise bestimmen Zahlen die Jahrespressekonferenz eines Geldinstituts. Das Vorstandstrio der zum 1. Januar entstandenen Niederrheinischen Sparkasse Rhein-Lippe verlegte sich gestern bei seinem Debüt jedoch auf Worte. Vergleichszahlen zum Vorjahr blieben Mangelware. Das ist nicht weiter schlimm, könnte man sie sich doch leicht besorgen. Doch auch Statements und Auftreten lassen sich interpretieren. Das Wichtigste vorweg: Die aus den beiden Häusern Wesel (mit Hamminkeln und Schermbeck) und Dinslaken (mit Voerde und Hünxe) gebildete Kasse hält sich für "grundsolide unterwegs" und ist "mit dem Geschäftsjahr 2015 zufrieden".

Nach außen dokumentierten Friedrich Wilhelm Häfemeier, Rolf Wagner und Ingo Ritter die Fusion in nahezu identischer Banker-Uniform. Auch sprachlich gelingt das Zusammenspiel. Geschäftlich blieb die Kombination des starken Partners Wesel mit dem schwächelnden Dinslaken nicht ohne Abschläge. Laut Häfemeier sank das Geschäftsvolumen "planmäßig nur leicht gegenüber dem Vorjahr". Angegeben ist es mit einer Höhe von 3,198 Milliarden Euro, was als "ordentlich und noch überschaubar" gewertet wird. Separat betrachtet konnte das Jahr auch für Dinslaken "vor der Einrechnung von Sondereffekten" positiv beendet werden. Übersetzt heißt dies, dass es mit besagter Einrechnung nicht so toll war. Das Weseler Ergebnis indes sei "sehr zufriedenstellend" gewesen, weshalb man in der Summe "ein zuverlässiger Partner" geblieben und "für die Aufgaben der Zukunft gut aufgestellt" sei.

Zurück ging das Kreditgeschäft wegen eines geplanten Abbaus von Kreditrisiken in Dinslaken. Diese hatten 2015 die Verhandlungen bekanntlich auch so schwer gemacht. Der Vorstand sieht nun "den Boden erreicht" und die Zeit für Aufwind gekommen.

Während Kundeneinlagen zum Jahresende auf zusammen 2,061 Milliarden Euro stiegen, nahm das Kreditvolumen auf 2,406 Milliarden ab. Gleich wohl wurden im Vorjahr für etwa 275 Millionen Euro neue Kredite mit Schwerpunkt Wohnungsbau zugesagt. Überhaupt sieht die Niederrheinische Sparkasse im Immobiliengeschäft ein wesentliches Betätigungsfeld. Parallel macht Bankern wie Anlegern und Sparern die Niedrigzinsphase wenig Freude. Mit Negativ- beziehungsweise Strafzinsen sollen Private nicht belegt werden, doch Firmen, die zur Liquidität größere Summen vorhalten müssen, könnten gut beraten sein, diese in angemieteten Schließfächern zu verwahren. Das ist inklusive Versicherung billiger als fürs herkömmliche Parken Geld zu bezahlen.

Zurück zu Auswirkungen der Fusion für die Kunden: Am Filialnetz wird weiter nicht gerüttelt. Die von einer Sprengattacke in Mitleidenschaft gezogene Stelle in Wesel-Lackhausen wird binnen 14 Tagen wieder in Betrieb genommen. In Hamminkeln-Dingden wird auf die Baugenehmigung fürs neue Kundencenter gewartet. Bis September werden Produkte der beiden Häuser vereinheitlicht. Gebührenerhöhungen für einige Girokontomodelle in Dinslaken wurden überprüft. Online-Kosten für Private in dem Gebiet werden gesenkt. Mit der technischen Zusammenführung werden die Dinslakener Kunden eine neue IBAN erhalten, während die Weseler ihre Bankleitzahl behalten. Nur wenige Kunden sollen neue Kontonummern bekommen; die dazugehörige Karte gibt's dann kostenfrei. Sparkonten und -bücher bleiben unberührt.

Unterm Strich ziehen Häfemeier, Wagner und Ritter das Fazit, dass die Fusion goldrichtig ist und die Gebiete bestens zusammen passen. Erwartungsfroh schauen sie auf ihre Immobilia am 2. und 3. April, die größte Immobilienmesse der Region. Verpflichtet fühlen sie sich zu Spenden an Vereine, die im Vorjahr 1,25 Millionen Euro bekamen. Hinzu kamen 180.000 Euro aus den Stiftungen beider Häuser. Kultur, Sport und Brauchtum sollen weiter davon profitieren.

Mitarbeiter gibt es aktuell 796, darunter 65 Auszubildende. Die Menge soll, das ist ein Wesen der Fusion, langfristig und vor allen Dingen verträglich reduziert werden.

Quelle: RP
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