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Wesel
Drittes Gleis verdirbt Park-Freude

Wesel: Drittes Gleis verdirbt Park-Freude
Blick über die rege genutzte, kleine P+R-Anlage am Busbahnhof Richtung Fernmeldeturm: Hier wird einst das zusätzliche Betuwe-Gleis verlegt. Nur sehr wenige Parkplätze bleiben an dieser Stelle übrig. FOTO: Fritz Schubert
Wesel. Stadt bringt weitere P+R-Anlage an Friedenstraße auf den Weg. Entzerrt wird damit die Situation am Bahnhof nicht. Wegen der Betuwe fallen fast 50 Stellplätze weg und die Tunnelrampe kommt neu. Von Fritz Schubert

Pläne geben Vorhaben richtungsweisend Struktur. Manchmal ist es auch vernünftig, sie zu ändern. Dass gesunder Menschenverstand bei den Überlegungen zum Ausbau der Bahnstrecke (Stichwort Betuwe) Mangelware war und ist, kennt man zwischen Oberhausen und Emmerich zur Genüge. Wie teuer und widersinnig es werden kann, zeigt ein Beispiel aus dem Stadtentwicklungsausschuss. In dem ging es am Mittwoch zunächst um das begrüßenswerte Projekt der Stadt, aus der Brache Richelswiese am Kreisverkehr Kurt-Kräcker-Straße eine weitere P+R-Anlage zu machen. Das ist bekannt und kommt nun auf den Weg. Vorgesehen sind 64 Stellplätze. 2018 soll die Fläche binnen sechs Monaten für 340.000 Euro gestaltet werden. Stark bezuschusst, die Stadt ist mit vergleichsweise schmalen 34.000 Euro an den Baukosten beteiligt.

Wer nun aber glaubt, die 64 Stellplätze würden die bestehenden Anlagen ergänzen, liegt schief. Es bleibt zwar bei den beiden großen neuen P+R-Flächen an der Friedenstraße (241 Plätze) und unmittelbar neben dem Bahnhofsgebäude (167). Aber hinterm Busbahnhof, am Zugang zum alten Fußgängertunnel ("Angströhre"), werden fast 50 Plätze wegfallen. Dies hatte Fachbereichsleiter Martin Prior im Ausschuss in Erinnerung gerufen. Unterm Strich kommt also kaum was dazu. Im Gegenteil. Es ist mit weiterem Ungemach zu rechnen. Auslöser ist das dritte Gleis für die Betuwe. Es verdirbt nicht nur die Freude am (freien) Parken. Ulrich Waldeyer aus dem Planungsamt der Stadt erklärte auf Anfrage der RP gestern noch mal die Zusammenhänge.

Nachdem in den 90er Jahren der Busbahnhof erneuert und die dortige kleine P+R-Anlage gebaut wordne waren, kam das Langzeitprojekt Neuer Bahnhof Wesel als nächster großer Schritt. Allein 4,2 Millionen Euro - 1,5 davon trug die Stadt - flossen in den Bau des neuen Tunnels vom Bahnhofsgebäude zum Fusternberg mitsamt den gewundenen Zugangsrampen für Radfahrer. Die Bahn beteiligte sich nicht, weil sie den alten, abseits liegenden Tunnel für ausreichend hielt.

Das war 2007 bis 2009. Und da hieß es auch noch, das dritte Gleis käme an die Fusternberger Seite. Deshalb wurde der Tunnel auch in diese Richtung länger und teurer, als ursprünglich vorgesehen war. Als das Schmuckstück fertig war, verkündete die Bahn plötzlich, der zusätzliche Schienenstrang werde auf der Stadtseite, also unmittelbar am Bahnhofsgebäude verlegt. Während hier die große P+R-Anlage unangetastet bleiben soll, liegen die Rampe und der kleine Parkplatz im Weg.

Was wann genau passieren soll und wer was bezahlen muss, steht noch lange nicht fest. Laut Ulrich Waldeyer laufen Gespräche mit der Bahn über deren finanzielle Beteiligung. Die werde sich mit dem Land NRW und Wesel auch deshalb über Wiederherstellungen unterhalten müssen, weil es um Vorhaben mit zweckgebundener Förderung und Fristen geht. Bei den Rampen und auch beim kleinen Parkplatz. Klar ist für Waldeyer, dass die Rampe ersetzt werden muss und dafür sehr viel weniger Platz zur Verfügung stehen wird. "Zusammengedrängt. Wie bei einer Ziehharmonika", stellt der städtische Planer sich das vor. Vom noch großzügigen Weg mit Gabionen und Bepflanzungen wird nicht viel übrig bleiben.

Quelle: RP
 
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