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Wesel
Duden-Journalistenpreis geht nach Berlin

Wesel: Duden-Journalistenpreis geht nach Berlin
Knapper ging's nicht: Duden-Preisträgerin Emilia Smechowski (Mitte) erhielt von der Jury 295 Punkte, die Zweitplatzierte Alexandra Rojkov 294 und Florian Bickmeyer, der in Wesel am AVG einst sein Abitur gemacht hat, 293 Punkte. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)
Wesel. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung der 775-Jahr-Feiern wurden Samstag im Bühnenhaus drei Autoren für sprachlich hervorragende Beiträge ausgezeichnet. WDR 2-Moderatorin Steffi Neu führte souverän durch unterhaltsamen Abend. Von Klaus Nikolei

Als Alexandra Rojkov Samstagabend bei der Verleihung des Konrad-Duden-Journalistenpreises für junge journalistische Talente auf die Bühne gebeten wurde, wollte so mancher der 500 Gäste seinen Augen nicht trauen. Denn per Power-Point-Präsentation war der Titel von Alexandra Rojkovs Reportage, mit dem sie auf Rang zwei gelandet war, auf die Bühnenhaus-Leinwand geworfen worden. "Glaubst du, das du mir helfen kannst?", war da zu lesen. Bei dem "das" fehlte das zweite s. "So etwas kann passieren", sagte Sigrid Baum, Vorsitzende des Niederrheinischen Presseclubs, nach Ende der Veranstaltung. Im Originaltext der gebürtigen Russin, die in Stuttgart lebt und unter anderem für den Tagesspiegel schreibt, war alles korrekt.

Abgesehen von diesem kleinen Schönheitsfehler war die Verleihung des Journalistenpreises in der Geburtsstadt des deutschen "Rechtschreibepapstes" Konrad Alexander Friedrich Duden (1829 bis 1911) eine rundum gelungene Sache.

Das A-cappella-Quartett Les Brünettes begeisterte das Publikum. FOTO: Malz

Der mit 2000 Euro dotierte erste Preis ging an Emilia Smechowski aus Berlin für ihren Beitrag "Ich bin wer, den du nicht siehst", der am 2. Mai 2015 in der taz. am Wochenende erschienen war. Dabei schildert die 32-jährige Redakteurin, die mit ihren Eltern als Fünfjährige aus Polen in die Bundeshauptstadt kam, das Phänomen der vollkommen angepassten und somit unsichtbaren Einwanderer aus Polen anhand ihrer eigenen Familiengeschichte.

Ein Heimspiel hatte der Drittplatzierte Florian Bickmeyer, der mehrere Jahre mit seinen Eltern in Wesel gelebt und vor einigen Jahren im Bühnenhaus sein Abizeugnis entgegengenommen hatte. Der mittlerweile in Bochum lebende freiberufliche Reporter überzeugte die Jury mit seinem Beitrag "Mein Vater, der Stasi-Offizier", der in dem Buch "Nur raus hier!" erschienen ist. Seinen Text hatte er in letzter Minute persönlich bei Sigrid Baum in Issum abgegeben, weil er an diesem Tag seinen Eltern in Wesel beim Umzug geholfen hatte. Die ausgezeichneten Texte sind zu finden auf der Seite www.weselmarketing.de

Ein Highlight war der Auftritt von Jungdichter Florian Wintels. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)

Insgesamt hatten sich bei dem zum dritten Mal seit 2012 vergebenen Preis 49 junge Journalisten aus ganz Deutschland mit 68 Beiträgen beworben. Bewertet wurden unter anderem die Anschaulichkeit der Texte, die bildhafte Sprache und der integrative Ansatz der Berichte.

Der Konrad-Duden-Journalistenpreis soll in einer Zeit, in der Medien großen Einfluss auf den allgemeinen Sprachgebrauch haben, junge Journalisten dafür sensibilisieren, welche Verantwortung sie für stilistisch gutes und verständliches Deutsch haben.

Viel Beifall gab's auch für Slam-Poetin Fatima Talalini. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)
Quelle: RP
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