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Hamminkeln
Duin hilft dem Wirtschaftsmann

Hamminkeln. Die Parteizentralen in Düsseldorf geben dem Kampf um den Bürgermeisterposten in Hamminkeln Priorität. Deswegen kämpft die Prominenz mit. Gestern kam NRW-Wirtschaftsminister Duin (SPD). Von Thomas Hesse

Bernd Romanski, einstiger Hochtief-Manager und heutiger Unternehmensberater, legt im Bürgermeisterwahlkampf Schwerpunkt auf Wirtschaftskompetenz. Deshalb bekam der Sozialdemokrat, der sich freut, als gemeinsamer Kandidat von SPD-USD-FDP anzutreten, gestern passende Wahlkampfhilfe aus der NRW-Landesregierung. Wirtschaftsminister Garrelt Duin unterstützte ihn. Nach Verkehrsminister Mike Groschek, der in Dingden vage Förderzusagen vermittelte, die nun sein ständig gesprächsbereiter Landtagskollege Norbert Meesters mittelfristig mit Leben füllen soll, und CDU-Fraktionschef Armin Laschet für die Konkurrenz, der eben jenen Groschek wegen nicht abgerufener Straßenbaumittel kritisierte, nun also ein weiterer Promi in Hamminkeln. Das zeigt, wie wichtig man in den Parteizentralen die Besetzung des Top-Postens im Rathaus nimmt.

Duin war gestern doppelt im Einsatz. Erst besuchte der Minister mit den Geschäftsbereichen Wirtschaft, Energie, Industrie Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen die Firma Grüneboom (Heizung-Sanitär, besteht seit 90 Jahren, neun Beschäftigte, die vierte Generation steht in den Startlöchern für die Firmenzukunft) an der Mehrhooger Bahnhofstraße. Er besichtigte das Familienunternehmen, das durch innovative Heizungssysteme einen besonderen Ruf in der Region genießt. Firmenchef Gregor Grüneboom machte dem Minister deutlich, welchen Antragsdschungel er zu bewältigen hat. Beim Regierungspräsidenten Arnsberg durchlief er in Sachen Brennstoffzellen einen bürokratischen Irrweg, den Grüneboom nur noch mit Sarkasmus kommentieren konnte. Aktuell kämpft die Branche mit dem niedrigen Öl- und Gaspreis, die Neigung der Kunden, in neue Heizungen zu investieren, sei gering.

Dabei hat Grüneboom eine Groß-Hackschnitzelheizung installiert, mit der sich auch Häuser der Nachbarschaft per Fernwärme beheizen lassen. Oder das projektierte Flüchtlingsheim 350 Meter entfernt im Gewerbegebiet. Der Stadt liegt die Idee vor inklusive Hackschnitzelnutzung aus städtischen Beständen, nun rechnet sie. Doch erfahrungsgemäß scheitert solch ein Projekt am Ausschreibungsverfahren. "Dabei amortisiert sich die Anlage schnell. In unserer Firma ist das in sechs Jahren geschehen", sagte Grüneboom. Kandidat Romanski machte sich sogleich Gedanken über andere Wege, solche Dinge zu realisieren.

Dann wechselten die Akteure ins Clubheim des Tennis-Club Mehrhoog zum Bürgerdialog, dessen Resonanz enttäuschend bescheiden war. Dennoch entwickelte sich eine muntere Debatte. Beim Thema schnelles Internet verabreichte Duin Hamminkeln Zucker. Wohl keine andere Stadt werde so häufig im Landtag genannt, wenn es um bürgerliche Selbsthilfe beim schnellen Netz geht. Er kündigte an, dass die Entscheidung, wohin Fördermittel für Breitband (mehr als 200 Millionen) fließen, Ende September ansteht. Das Prinzip: "Wer bei der Versorgung hinten ist, steht bei der Förderung vorne."

In den kommenden zweieinhalb Jahren werde Nordrhein-Westfalen flächendeckend angeschlossen sein. Das aber kostet Milliarden, private Unternehmen sind also gefragt. Für das prinzipiell gut angeschlossene Mehrhoog geht es darum, unterschiedlich versorgte Bereiche auf ein Level zu heben. Dafür braucht es eine Datenbasis. "Die aber ist einfach nicht zu bekommen", schilderte Michael Möllenbeck (SPD) seine Erfahrungen.

Bei den weiteren Themen fanden der Minister und der Kandidat viel Übereinstimmung. Beide sind für mehr Verwaltungsservice statt Bedenkenträgerei für die Wirtschaft, beide plädieren für kurze Verfahrenswege, und beide halten Mittelstand und Handwerk als Rückgrat der Wirtschaft hoch. Da störte nur ein alter Genosse, der mehr Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften forderte, und dem sich "das Messer in der Tasche" angesichts von Leih- und befristeter Arbeit öffnete, als Duin den aktuell höchsten Beschäftigungsstand in NRW feierte. So schlagen sie, die zwei Herzen der SPD.

Quelle: RP
 
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