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Wesel
Eheleute Kock teilen sich eine Pfarrstelle in der Feldmark

Wesel. Es bedurfte keiner großen Überredungskünste, Susanne und Christoph Kock zu einem Gespräch zum Thema "Teilen" zu bewegen. "Machen wir gerne", hatte die Pfarrerin aus der Feldmark am Telefon gesagt. "Ich finde es spannend, mal darüber zu reden." Von Klaus Nikolei

Zum verabredeten Termin klingele ich am Pfarrhauses am Holzweg und werde von den Eheleuten, die sich seit August 2006 eine Pfarrstelle teilen, in das Arbeitszimmer mit den Kieferholz-Regalen und dem Rattansofa geführt. Kerzen und Ikea-Leuchten spenden Licht. Sehr gemütlich. Eines aber irritiert: Im Zimmer steht nur ein Schreibtisch. "Meiner steht im Amtsraum direkt nebenan", sagt Christoph Kock. "Bis 2014 haben wir uns tatsächlich gegenübergesessen."

Auch wenn die beiden nur eine Tür trennt, machen sie - naturgemäß - fast alles gemeinsam. Nicht nur Bett und Tisch zu teilen, wie es die meisten Ehepaare tun, sondern auch den Arbeitsplatz, bezeichnen Susanne und Christoph Kock "als Herausforderung. Mit Vor- und Nachteilen." Ein Nachteil zweifelsohne ist, dass keiner nach einer gewissen Stundenzahl einfach aufhören kann zu arbeiten. Und auch die Regelung: "Drei Tage ich, drei Tage du" funktioniert nicht. Weder bei der Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern, noch bei der Vorbereitung einer Trauerfeier. "Wir müssen uns das alles selber einteilen, weil einen auch niemand bremst", sagt Christoph Kock.

Und bremsen, wenn sie von einer Sache überzeugt sind, lassen sich die beiden auch nicht. Ein gutes Beispiel dafür ist Heiligabend. "An diesem Tag kommen viele Menschen in die Kirche. Darauf stellen wir uns ein", meint Susanne Kock. In der Friedenskirche auf dem Feldmarker Marktplatz feiern die Kocks heute zusammen mit zahlreichen Mitwirkenden drei Gottesdienste. Christoph Kock hat nicht nur zusammen mit Kita-Leiterin Stefanie Kaldewey den Weihnachtsgottesdienst für jüngere Kinder organisiert, der ab 14 Uhr von Kindern und Erzieherinnen der Evangelischen Kita Friedenskirche mitgestaltet wird, sondern hält auch die Predigt in der Christvesper. Die beginnt um 17.30 Uhr, trägt die Überschrift "Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen" und wird vom Chor der Friedens- und der benachbarten Herz-Jesu-Kirche sowie vom Bläserchor der Friedenskirche mitgestaltet. Zwischendurch um 15.30 Uhr führen Susanne Kock und ihr Team ein Spiel auf, in dem die Weihnachtsgeschichte in die Gegenwart geholt wird. Stichworte: Überbuchte Hotels in Bethlehem, Hirten mit Handys.

Dass die Kocks, die sich 1992 beim Studium in Berlin kennengelernt und seit 2002 in Wesel wohnen, mit nur einem Einkommen auskommen müssen, macht ihnen nichts. Klar, sie mussten sich immer einschränken. "Wir hätten auch wegen unserer drei Kinder gar keine zwei vollen Stellen übernehmen können, selbst wenn es sie gegeben hätte", sagt Susanne Kock. "Wir waren dankbar in der Zeit knapper Stellen überhaupt als Pfarrerin und Pfarrer arbeiten zu können." Und ihr Mann ergänzt: "Mit der halben Stelle hatte auch ich die Möglichkeit, mich intensiv um den Nachwuchs zu kümmern und mit den Kindern zu Terminen zu gehen, wo ich der einzige Mann zwischen lauter Müttern mit Kleinkindern war."

Die Stunde bei den Kocks vergeht wie im Flug. Mittlerweile sind die beiden sicher, dass die geteilte Stelle etwas sehr Positives ist. "Denn so hatten wir die Chance, beide gleichzeitig arbeiten zu können, Dinge zu gestalten und auf den Weg zu bringen, gerade mit unseren unterschiedlichen Begabungen", sagt Christoph Kock.

Zum Abschied ist es der Pfarrerin wichtig zu betonen, dass es ein großes Glück sei, als Pfarrerehepaar gemeinsam viele Kontakte zu pflegen, Gemeinschaftsprojekte mit den vielen engagierten Mitarbeitenden zu gestalten und die Kirche mit Leben zu füllen. Und ihr Mann sagt: "Es ist schön, dass wir das Gleiche tun, dass nicht einer zuschauen muss und wir so auch unsere Freude teilen."

Quelle: RP
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