| 00.00 Uhr

Hamminkeln
Ein Fall für Stenk

Hamminkeln: Ein Fall für Stenk
Ehrenamtler Helmut Stenk (73) FOTO: Sebastian Peters
Hamminkeln. Helmut Stenk hilft, wenn andere nicht weiter wissen. Er ist Ehrenamtler und typischer Vertreter der Spezies: Wenn andere ihn loben, ist es ihm peinlich. Wir haben seine Geschichte trotzdem aufgeschrieben. Von Sebastian Peters

Vielleicht erzählt diese kleine Begebenheit viel vom Ehrenamtler Helmut Stenk (73) aus Brünen, von seinem bescheidenen Naturell, von seinem selbstlosen Einsatz für die gute Sache, ohne dass er dafür gleich immer im Rampenlicht stehen will. Im Nachgang zum Gespräch in der Weseler RP-Lokalredaktion bitten wir Helmut Stenk und die Pressesprecherin seines Vereins zum Fototermin nach draußen vor den Dom. Beide hatten vorher davon berichtet, wie der "Kreis der Behinderten und ihre Freunde" aus Brünen Schwächeren hilft, wie er etwas Leichtigkeit in beschwerliches Leben zu zaubern versucht. Doch obwohl es um Stenk geht, diesen unermüdlichen Helfer, der sich zigmal monatlich ins Auto setzt, um mit Behinderten Anträge auszufüllen, sie bei kleinen Rechtsfragen zu beraten, will der Mann partout nicht alleine auf das Foto. Mehrfach bittet er die Vereinssprecherin Else Prehn, doch mit auf das Foto zu kommen. "Komm, Else!" Das Bild entsteht letztlich von Stenk alleine - doch ganz wohl scheint ihm dabei nicht zu sein.

"Schreiben Sie auf jeden Fall, dass so ein Verein Teamarbeit ist, dass das niemals nur einer alleine schaffen kann", sagt Schenk noch beim Weggehen.

Hiermit geschehen!

Die Geschichte, wie Helmut Stenk zu seinem Ehrenamt kommt, beginnt mit der Gründung des Kreises der Behinderten und ihrer Freunde im Jahr 2004. Der Vereinszweck ist so schlicht wie sinnvoll: Behinderten Menschen im Alltag helfen. Stenk ist von Anfang an Feuer und Flamme. Er kommt zum Verein über einen Arbeitsunfall, nachdem er nicht mehr berufstätig sein konnte. Er berät dann in Wesel in einem Büro an der Magermannstraße Gehandicapte. Er entwickelt Routine, eignet sich Fachwissen an. Nach turbulenten Anfangsjahren stellt sich der Verein 2014 neu auf: Helmut Stenk als ehemaliger zweiter Chef fungiert seitdem als Erster Vorsitzender - und bleibt gute Seele des Ladens. Viele der insgesamt 75 Vereinsmitglieder hätten selbst eine Behinderung, berichtet er. Das sei das Faszinierende an dieser Gruppe. Dass sich hier viele Menschen zusammentun, die ein gewisses körperliches oder psychisches Leiden haben, die aber gemeinsam aus dem Schlamassel herausfinden. Im Falle von Helmut Stenk heißt dies, wöchentlich hunderte Kilometer im Kreisgebiet Wesel sowie im Randgebiet des Kreises Borken unterwegs zu sein, drei- bis fünfmal pro Woche - ohne Blick auf das Portemonnaie.

Ehrenamtler sein, wie viele Stunden und Kilometer kommen da zusammen, Herr Stenk? "Ach, das schreibe ich mir nicht auf. Das ist ja schließlich keine Arbeit, sondern ein Ehrenamt."

Vielfältig sind die Leistungen des Vereins Kreis der Behinderten und ihrer Freunde. "Wir sind dabei, wenn die Pflege eingestuft wird, als neutrale Instanz. Wir helfen bei Gleichstellungsanträgen für die Agentur für Arbeit." Manchmal ist die Hilfe aber auch dergestalt, dass der Verein bei den Kommunen auf die Notwendigkeit eines barrierefreien Zugangs aufmerksam macht.

Helmut Stenks Spezialgebiet ist das Anfertigen von Berichten. Das klingt trocken - aber die Begegnungen, die Stenk dabei macht, gehen ihm oft sehr nahe. Unlängst etwa hat er einen 27-jährigen MS-kranken Patienten besucht. An einen Tag gehe es ihm gut, am anderen wieder sehr schlecht. Zu sehen, wie da jemand an seinem eigenen Körper leidet, das tue manchmal selbst psychisch weh, räumt Stenk ein. Und doch ist da eine Art von Vertrautheit. "Wenn man zuhört, wenn man für den anderen da ist, dann entsteht Nähe. Der Patient gewinnt Zutrauen und erzählt." Manchmal verfolgt ihn das Leiden eines Betreuten auch noch nach Feierabend. "Das kann man nicht einfach so loswerden."

Ausgleich findet er im Verein, wenn er mit Gleichgesinnten seinen Job - natürlich diskret und ohne Namensnennung - bespricht. Jeden ersten Donnerstag im Monat trifft man sich im Landgasthof Marjert in Brünen. Regelrecht lustig seien diese Treffen oft, sagt Stenk. "Da wird nicht nur über Krankheit gesprochen. Da herrscht Lebensfreude." 20 Vereinsmitglieder seien immer da, manche im Rollstuhl, andere ohne. Auch Ausflüge würden so geplant, dass Rollstuhlfahrer immer teilnehmen können.

Die Debatte um die Inklusion - Helmut Stenk kennt sie. Im Grunde, so merkt man, ist das aber für ein Wortungetüm, ein Bürokratiemonster, ein viel zu großer Begriff. Es gebe doch im Kleinen so viele Möglichkeiten, eine Gleichstellung von Behinderten zu erreichen. Stenk ist deshalb dankbar, mit Richard Wendorf den Behindertenbeauftragten der Stadt Hamminkeln im Boot zu haben. Gemeinsam mache man auf diese Tücken aufmerksam, die aber dennoch jeden Rollstuhlfahrer ärgern: fehlende Absenkungen auf Straßen, unnötige Wegsperren, die von Rollstuhlfahrern und Kinderwagen nicht passiert werden können. "Es wird immer noch zu wenig mitgedacht", kritisiert Stenk. Das ärgert ihn, das hält ihn auf Trab. Deshalb bleibt er Ehrenamtler.

Das ist also die Geschichte vom Helfer Helmut Stenk, und sie stünde hier nicht, wenn es diese kleine Vorgeschichte nicht gegeben hätte. Sie erzählt in gewisser Weise ebenfalls vom treuen Helfer Stenk und seiner Vereinsliebe. Vor einigen Wochen nämlich hatte er eine Pressemitteilung gesendet, die in unserer Zeitung nicht sofort erschienen war. Stenk fand das traurig, er rief in der Redaktion an, und begann von seinem Verein zu schwärmen, vom großen Zusammenhalt, von den guten Momenten, wenn man jemandem geholfen hat.

"Herr Stenk, wie wäre es, wenn Sie uns in der Redaktion besuchen und Ihre Geschichte genau so noch mal erzählen?" So viel Ehre für seinen kleine Truppe? Stenk wirkt peinlich berührt. "Da müssten eigentlich alle mit. Ich mache das ja nicht alleine."

Helmut Stenk ist nicht alleine. Es gibt viele Helfer wie ihn am Niederrhein - in unzähligen Vereinen. Alle Geschichten kann man nicht erzählen. Aber Stenk ist Beispiel: für die, die nicht so in der Fakultät "Große Glocke", sondern eher in der "Stiller Star" unterwegs sind.

Heute einfach mal "Danke" dafür.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Hamminkeln: Ein Fall für Stenk


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.