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Wesel
Ein Fest: Wesel 475 Jahre evangelisch

Wesel: Ein Fest: Wesel 475 Jahre evangelisch
Sarah Brödenfeld und Albrecht Holthuis mit den ältesten Abendmahlsgeräten der Gemeinde FOTO: malz
Wesel. Geburtstag der Kirchengemeinde mit einem logistischen Kraftakt zum Abendmahl für alle am Ostermontag im Dom. Von Fritz Schubert

Als Iman Ortzen Ostern 1540 zum ersten Mal in der groten Kerk das Abendmahl unter beiderlei Gestalt, also mit Brot und Wein, austeilte, sollen 1500 Menschen dabeigewesen sein. Wie viele es jetzt am Montag sein werden, weiß noch keiner. 600, 800, 1000 oder mehr? Die Organisatoren der Feiern zum 475. Geburtstag der Evangelischen Kirchengemeinde Wesel im Willibrordi-Dom sind gespannt und sprechen von einem logistischen Kraftakt.

Jeweils 20 Brotteller und Kelche, so Pfarrerin Sarah Brödenfeld, werden bereitgehalten. Sie sollen von Hand zu Hand durch die Bänke weitergereicht werden. Der Gottesdienst mit Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, bildet den Auftakt einer ganzen Reihe von Veranstaltungen.

Beim Blick zurück hilft eine kleine, aber feine Ausstellung im Dom mit besonderen Exponaten. Das sind zum Beispiel der Brotteller von 1617 und der Kelch von 1624, die als älteste Abendmahlsgeräte der Gemeinde gelten. Zwar ist auch noch jener Kelch erhalten, der Ortzen 1540 diente. Allerdings in Besitz der katholischen Gemeinde an Martini. Den besonderen Weseler Weg in die Reformation dokumentiert unter anderem der Beleg über die Anstellung von Iman Ortzen am 14. Mai 1538 durch den Stadtrat. Überhaupt war es ein von der örtlichen Politik und nicht vom Landesherrn in Kleve vorangetriebener Wunsch.

Der Herzog war natürlich gefragt worden. Und er ließ es Wesel durchgehen, wo schon zu Beginn der 1520er Jahre reformatorische Gedanken Einzug gehalten hatten. Dem folgte ein Hin und Her mit unterschiedlichen Strömungen und dramatischen Kapiteln. So ist in der Schau auch das Protokoll eines Verhörs von Wiedertäufern, den radikalen Bilderstürmern, von 1535 zu sehen. Einige sind hingerichtet worden, darunter auch Stadträte.

Die wechselhafte Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde lässt sich übrigens gut an einem Stammbaum der Pfarrer ablesen, den Pastor Johannes Boelitz zum 400. Jahrestag 1940 angefertigt hat. Die Namen sind farblich unterschieden nach Angehörigen der wallonischen, der französischen, der wallonisch-französischen und der lutherischen sowie ab 1817 der unierten Gemeinde, was bis heute gilt. Besonders wertvoll ist zudem ein Kirchenregister über Trauungen. Für den Zeitraum 1564 bis 1566 sind Familien genannt, deren Nachfahren heute noch in Wesel leben: Holtkamp, Bresser, Kremer, Herbers. Eine schöne Stadtansicht von 1572 ist zu sehen, ebenso das Doppelporträt von Konrad Heresbach und seiner Frau Mechtilt von Dünen. Pfarrer Albrecht Holthuis nennt den am Klever Hofe einflussreichen Heresbach eine "Lichtgestalt der Vorreformation", die zwar nie evangelisch wurde, aber ein Wegbereiter war. Nicht minder eindrucksvoll ist die Urkunde mit den Unterschriften der kaiserlichen Familie zur neugotisch überformten Vollendung des Doms 1896.

Nach so viel Geschichte gibt es auch etwas Neues: Die Gemeindekonzeption wird nach 18 Monaten Überarbeitung vorgestellt. Außerdem wird zum Fest ein Geburtstagswein verkauft. Ein Merlot aus dem Veneto (Italien). Die Flasche kostet acht Euro. Der Erlös fließt diakonischen Zwecken zu.

Quelle: RP
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