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Wochenkommentar Wie Geht's, Wesel?
Ein Gruß an die Zeelink-Kritiker

Wesel. Der Kampf der Bürgerinitiative "Todestrasse, nein Danke" gegen die Gasleitung Zeelink zeigt: Das Vertrauen in Planungsprozesse schwindet. Dabei muss sich auch die Initiative Vorwürfe gefallen lassen: Verbale Abrüstung muss jetzt das Gebot der Stunde sein.

Etwas fällt auf, wenn man in diesen Tagen mit Hünxer Bürgern über das Gasleitungsprojekt Zeelink spricht. Die Sorgen sind groß, und doch verschwindet auch der Zuspruch für die, die sich den Kampf für die Bürgerinteressen auf die Fahne geschrieben haben: die Initiative "Todestrasse". Das kann an der Form der Mobilmachung liegen, die auf Erzeugen von Angst setzt und damit den aufklärerischen Austausch von Argumenten verhindert.

Massiv waren die Proteste in den vergangenen Tagen, mit Fackeln entlang der möglichen Trasse haben die Bürger in Hünxe, Drevenack, Bucholtwelmen ihre Sorgen ausgedrückt. Mancher spürt gar Angst. Ist die berechtigt?

Die Kritiker um den Initiator Rainer Rehbein kämpfen mit allen Mitteln. Ihre Initiative nennen sie "Todestrasse, nein Danke". Rehbein ist Kommunikationsprofi. Er gibt auf seiner Website an, für große deutsche Zeitungen und in der PR-Branche gearbeitet zu haben. "Mit allen Wassern der Öffentlichkeitsarbeit gewaschen" sei er. Hier ist also einer am Werk, der um die Wirkung seiner Worte und der Internetseite seiner Initiative weiß: Feuerbälle sind dort zu sehen, völlig verbrannte Landschaften, nicht aber: eine Gasleitung. Die Werbemaschine für und gegen die Trasse läuft.

Zuletzt hatte Rehbein Bürgermeister Buschmann Vorwürfe gemacht, weil dieser dem Leitungsbetreiber Open Grid Europe die Chance geben wollte, im Ausschuss das Projekt zu erklären. Wenn sich nun die ersten politischen Vertreter in Hünxe sowie Bürger von der Initiative "Todestrasse, nein Danke" distanzieren, dann ist ein Punkt erreicht, bei dem die Initiative auch ihr Wirken hinterfragen muss.

Um es klar zu sagen: Natürlich ist ein Megaleitungsprojekt wie Zeelink nicht ohne Risiken. Das Warnszenario ist im Ort bekannt: 2004 explodierte im belgischen Ghislenghien eine Gas-Pipeline ähnlich der geplanten Zeelink-Leitung. Das Feuer tötete 24 Menschen, 150 wurden schwer verletzt. Vorausgegangen war ein menschlicher Fehler bei Bauarbeiten. Vor Gericht wurden die Betreiberfirmen in Belgien von Schuld weitgehend freigesprochen. Das stärkt nicht das Vertrauen in die Justiz, doch daraus kann man lernen. Wir werden nämlich Trassen wie Zeelink brauchen, wenn Deutschland Klimaschutzziele einhalten will. Die Trassenwahl muss mit größtmöglicher Transparenz geschehen, für die Sicherheit müssen im Zweifel Mehrkosten akzeptiert werden. Open Grid Europe ist aufgefordert darzustellen, wie die Restrisiken für die Bevölkerung auf ein Minimum reduziert werden können. Ein Versuch wird etwa auf www.zeelink unternommen - übrigens auch eine Werbeseite.

Und jetzt? Bis zum 2. November müssen die Einwendungen der Bürger gegen die Trasse eingereicht sein. Man kann nur ermuntern, dies zu tun. Die Behörden werden sich mit jedem Einwand auseinandersetzen müssen. Am Ende werden wohl Gerichte entscheiden. Gut so!

Ihre Meinung? Schreiben Sie: sebastian.peters@rheinische-post.de.

Quelle: RP
 
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